«Es war ein Sprung ins kalte Wasser»

Fritz Forrer machte sich 2008 selbständig und gründete als erstes Spin-off der Fachhochschule (FHS) die Forrer Lombriser & Partner AG.

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Fritz Forrer (Bild: pd)

Fritz Forrer (Bild: pd)

Ein paar Kollegen von Fritz Forrer, 55, haben vor fünf Jahren den Kopf geschüttelt und ihn nicht verstanden. «Wie kannst du in diesem Alter die sichere Anstellung an der Fachhochschule kündigen und deine eigene Firma gründen?» Der St. Galler Ökonom, der während vieler Jahre an der Fachhochschule St. Gallen FHS dozierte und dort 1996 mit dem Institut für Qualitätsmanagement und angewandte Betriebswirtschaft (IQB-FHS) das erste Institut im Bereich Wirtschaft gründete, machte sich im Frühjahr 2008 selbständig und gründete zusammen mit Roman Lombriser und Marcel Schöni als erstes Spin-off der FHS die Forrer Lombriser & Partner AG mit heute sechs Arbeitsplätzen. «Wir unterstützen und beraten vor allem KMU, Non-Profit-Organisationen und öffentliche Institutionen in den Bereichen Strategie- und Projektmanagement», sagt Forrer. Was er vorher in seinem Institut an der FHS gemacht habe, tue er heute im eigenen Unternehmen.

«Es war ein Sprung ins kalte Wasser», erinnert sich Forrer an die ersten Jahre als selbständiger Unternehmer. Doch er würde es heute, im Rückblick von fünf Jahren, erneut tun. «Vermutlich noch ein paar Jahre früher.»

Auf eigenes Risiko

War Forrer an der FHS ein öffentlich-rechtlicher Angestellter, dessen Institut am Anfang vom Staat eine Anschubfinanzierung erhielt, am Schluss sich mit Aufträgen zu hundert Prozent selbst finanzierte, arbeitet er heute als Mehrheitsaktionär der eigenen Firma mit deutlich grösserem Risiko. «Die Dienstleistungen, die wir anbieten, sind ähnlich wie vorher.» Mit dem grossen Unterschied allerdings, dass Forrer und seine Partner heute in keine Struktur eingebunden sind und somit flexibler auf die Wünsche der Kunden eingehen können. Hierarchien und Schulabläufe, die manchmal wenig Rücksicht genommen hätten auf die Logik der Dienstleistungsprojekte für die Privatwirtschaft, bildeten jetzt keine Hemmnisse mehr. Kunden, die heute zu Forrer und seinen Partnern ins Büro an der St. Galler Poststrasse kommen, wissen von Anfang an, mit wem sie es zu tun haben. Früher, als sie das Institut an der Fachhochschule aufsuchen mussten, sei das für viele Kunden eine Hemmschwelle gewesen. «Wer als KMU-Unternehmer Rat sucht, begibt sich leichter zu einem KMU als in ein Hochschulinstitut.»

Mit Stallgeruch

Heute arbeiten Forrer Lombriser & Partner fast zur Hälfte für KMU-Kunden aus den verschiedensten Branchen. Die andere Hälfte machen Aufträge der öffentlichen Hand aus. Als Sohn eines Textildetaillisten aus Lichtensteig, mit KV-Abschluss, Zweitwegmatura und HSG-Studium, verfügt Fritz Forrer bei KMU-Betreibern über den wichtigen und notwendigen «Stallgeruch». «Wer in dieser Branche nicht geerdet ist und stattdessen abgehobene Projekte realisiert, der kommt nur schwer zu seinen Kunden», ist Forrer überzeugt.

Mit dem «KMU*Star-Navigator» hat Roman Lombriser noch zur Zeit seiner Anstellung an der FHS St. Gallen im Rahmen eines Forschungsprojektes eine Methodik zur Strategieentwicklung für KMU-Betriebe entwickelt, die mit einem systematischen und pragmatischen Ansatz zur bewussten Zukunftsgestaltung führt. «Nachhaltigen Erfolg erzielen KMU nur mit einer einzigartigen Positionierung und einer darauf ausgerichteten Wertetikette», sagt Fritz Forrer. Auch KMU müssten sich stets den wechselnden Marktverhältnissen anpassen, ansonsten laufen sie Gefahr, unterzugehen.

Markus Rohner

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