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Es schlängelt im Bodensee

Ein Thurgauer Fischer hat diese Woche so viele Ringelnattern beobachtet wie noch nie. Laut Experten ist eher das Wetter als ein Populationswachstum für die vermehrte Beobachtung verantwortlich. Das harmlose Tier hat genügend Feinde.
Roman Hertler

Ringelnattern im Bodensee sind für Benno Lagler nichts Neues. Der Ermatinger Caterer, der mit seiner Familie im Aargau lebt, kommt jeden Sommer zum Baden und Fischen zurück in seine Heimat, wo sein Bruder – CVP-Kantonsrat Reto Lagler – mit seiner Familie lebt. Normalerweise sieht er höchstens eine Ringelnatter pro Saison. Doch dieses Jahr ist es anders: «Seit Anfang Woche habe ich mehrere Tiere beobachten können.» Der 42-Jährige freut sich über seine Beobachtung: «Es ist wunderschön, solch seltene Tiere wieder mehr wahrzunehmen.» Die Ringelnattern können rund einen Meter lang werden und sind gut an den gelben Mondmustern am Kopf erkennbar. «Seebuben» seien an diese Schlangen gewöhnt, aber Städter hätten immer gleich Angst, so Lagler. Dabei seien die Tiere absolut harmlos.

Die Kantonspolizei Thurgau bestätigt die Beobachtung. Bei ihr sind in den vergangenen Monaten vermehrt Meldungen von Schlangen – nicht nur in Gewässern – eingegangen. Von einem grundsätzlichen Anstieg der Schlangenpopulation sei aber nicht auszugehen. Bei der Kantonspolizei St.Gallen sind dieses Jahr noch keine Schlangenmeldungen eingegangen, sagt Polizeisprecher Hanspeter Krüsi.

Scheu und harmlos: Die Ringelnatter fühlt sich wohl im Bodensee (Bild: Getty)

Scheu und harmlos: Die Ringelnatter fühlt sich wohl im Bodensee (Bild: Getty)

Ringelnattern sind ungefährlich und scheu

Gallus Baumgartner, Berufsfischer aus Altenrhein, kann ebenfalls keine Häufung von Ringelnattern am Bodensee feststellen. «Dann und wann sehe ich eine, aber nicht allzu häufig», sagt er. «Viele auf einmal habe ich letztmals bei der Überschwemmung 1999 gesehen.» Damals hätten sich die Schlangen in der Nähe des Damms an den wenigen trockenen Plätzen, die es noch gab, gesammelt. «Da lagen manchmal bis zu zehn Tiere beieinander.» Ähnlich tönt es bei Marcel Zottele, Fischereiaufseher der Bodenseezuflüsse inklusive Alpenrhein. Auch in seinem Gebiet entlang der Rheinzuflüsse seien dann und wann Ringelnattern zu sehen. Eine Zunahme kann aber auch er nicht feststellen.

Im Schlangenzoo im thurgauischen Eschlikon rätselt man über die Häufung der Reptilien in der Ermatinger Bucht. «Vielleicht spielt der tiefe Wasserstand eine Rolle, vielleicht auch das trockene Schilf», sagt Geschäftsführerin Hilde Villars. Sie geht nicht von einem Anstieg der Population aus. «Sicher ist, dass die Tiere für Menschen absolut ungefährlich sind. Am Wasser gibt es bei uns keine Giftschlangen.»
Ringelnattern leben grundsätzlich an Land, wo sie jeweils auch überwintern. Auf schwimmenden Gras- und Algenfeldern lauern sie jeweils auf ihre Beute: kleine Frösche und Fische. Dort, wo sich viele Menschen zum Baden aufhalten, wird man aber kaum auf Ringelnattern stossen. Der Vorfall vom Sommer 2015, als eine Schlange die Badegäste am Kreuzlinger Bodenseeufer aufscheuchte, bleibt ein absoluter Einzelfall. Die Schlangen sind äusserst lärmempfindlich und scheu. Sind Menschen in der Nähe, suchen sie das Weite.

Schlangenexpertin Hilde Villars rät aus zwei Gründen vom Fangen der Tiere ab. «Erstens sind die Tiere geschützt. Man soll sie in Ruhe lassen.» Die Ringelnatter habe mit dem Fischreiher oder anderen Raubvögeln schon genügend natürliche Feinde. «Und zweitens: Fühlt sich die Ringelnatter bedroht, spritzt sie aus ihrer Kloake ein stark riechendes Sekret ab.» Dieses sei zwar ungiftig, aber der starke Gestank, der laut Villars ein bisschen an Chrysanthemen erinnere, sei nur schwer wieder von den Händen abzuwaschen.

Zeichen für sauberes Gewässer

Ringelnattern seien ein Zeichen dafür, dass das Gewässer, bei dem sie sich aufhalten, sauber sei. Im Kanal neben dem Gleis, das hinter dem Schlangenzoo verläuft, seien manchmal Ringelnattern zu beobachten. «Leute sind auch schon ganz aufgeregt zu uns gekommen, weil sie glaubten, es handle sich um gefährliche Tiere, die aus unserem Zoo davongeschlichen sind», sagt Zoochefin Hilde Villars und kann sich ein Lachen nicht verkneifen. «Manchmal bringen Leute auch Ringelnattern zu uns. Wir lassen sie dann wieder frei, meist beim Bichelsee.»
«Wir sollten den Schlangen und der Artenvielfalt insgesamt Sorge tragen», ist auch Benno Lagler überzeugt. Je mehr die Leute darüber erfahren, desto besser sei das auch für die Tiere.

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