«Es muss die Kuh mit den Hörnern sein»

Dienstagmorgen, zehn Uhr in der Tierhalle 7. Langsam wird es eng auf den Gängen. Zahlreiche Kaufinteressenten begutachten das Braunvieh, welches eine Stunde später in der Arena zur Auktion stehen wird. Ungeachtet der Diskussionen über ihre Zukunft liegen die 36 Auktionstiere nebeneinander im Stroh.

Nina Ladina Kurz
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Hana und Konrad Huber (Bild: Nina Ladina Kurz)

Hana und Konrad Huber (Bild: Nina Ladina Kurz)

Dienstagmorgen, zehn Uhr in der Tierhalle 7. Langsam wird es eng auf den Gängen. Zahlreiche Kaufinteressenten begutachten das Braunvieh, welches eine Stunde später in der Arena zur Auktion stehen wird. Ungeachtet der Diskussionen über ihre Zukunft liegen die 36 Auktionstiere nebeneinander im Stroh.

Einer der angereisten Käufer ist der Milch- und Obstbauer Konrad Huber aus Roggwil. Seit 30 Jahren besucht er die Braunviehauktion an der Olma. Mit dabei sind seine Ehefrau Hana, seine fünf Kinder sowie die zwei Lehrlinge. Huber hat bei seinem Olma-Besuch vergangenen Sonntag bereits eine Kuh ins Auge gefasst. «Es muss die Kuh mit den Hörnern sein», sagt der 49jährige Landwirt. Diese Tiere seien immer noch die schönsten.

Ein Stelldichein der Landwirte

Die Auserwählte heisst Lussa, ihre Mutter hat eine Milchleistung von 6370 Kilogramm, der Vater hört auf den Namen Alibaba. Die zweieinhalbjährige Kuh ist trächtig und wird nächste Woche ein weibliches Kalb zur Welt bringen. 3300 Franken will Huber für das Tier bezahlen. Gegenüber möglichen Mitbietenden markiert er bereits Präsenz: «Nicht dass du den Preis unnötig in die Höhe treibst», sagt er scherzhaft zu einem befreundeten Viehhändler. «Warum sollte ich – diese Kuh will doch keiner», lacht dieser zurück. Tiere mit Hörnern seien nicht mehr so beliebt, raunt Huber etwas leiser der Besucherin zu, er hoffe deshalb, die Kuh zu einem guten Preis zu bekommen.

Es ist ein Fachsimpeln und Händeschütteln in der Tierhalle. «Man kennt sich. Oft trifft man sich nur einmal jährlich», sagt Huber. Der Tag der Viehauktion ist jener mit den meisten Bauern an der Olma. «Die Atmosphäre erinnert mich an die Zeit, als die Olma noch eine reine Landwirtschaftsmesse war.»

In der Arena eröffnet Auktionator Bruno Furrer die 48. Braunviehauktion. Während der Versteigerung werden die Tiere in der Arena im Kreis geführt. «Höre ich 2300 für Umanta, 2400 – 2500 – 2600? Den Kopf müssen sie erst schütteln, wenn sie sich später ärgern, die Kuh nicht gekauft zu haben. 2600 zum Ersten – 2700 zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten. Verkauft für 2700.»

Die Kühe sind als erste zu Hause

Als vierte Kuh wird Lussa in die Arena geführt. «Höre ich 2600 – 2700?» Huber hebt den Auktionskatalog. «2800, höre ich 2850?» Ein Landwirt auf der gegenüberliegenden Seite bietet mit. «3100 – 3200 – höre ich 3300?» Huber hebt erneut die Hand und erhält für 3350 Franken den Zuschlag. Eine zweite Kuh namens Walda ersteigert er für einen Kollegen.

Die Tiere kosten durchschnittlich um 3500 Franken. Die teuerste Kuh geht für 6700 Franken weg. Die pensionierten Bauern in der ersten Reihe schütteln den Kopf. Früher hätten die Kühe bis zu 10 000 Franken gekostet. Aber da sei der Milchpreis mit einem Franken auch noch hoch gewesen.

Bis sieben Uhr abends werden die Kühe Lussa und Walda nach Hause geliefert. Konrad Huber und seine Familie werden dann noch an der Olma sein. Huber nimmt's gelassen: «Ich will auf den Kauf anstossen. Die Kühe dürfen gerne vor mir daheim sein.»

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