Interview

«Es gibt weniger Tickets, aber dafür mehr Konzerte»: Das Stradivariquartett organisiert eine Konzertreihe am Bodensee

Das Stradivariquartett startet am 9. September seine Konzertserie Winterklänge am Bodensee. Maja Weber, Cellistin des Stradivariquartetts, veranstaltet die Serie. Ein Gespräch über «Winterklänge» im Herbst, das Bedürfnis nach Kultur und die Hoffnung auf Publikum auch aus den Nachbarländern.

Aybüke Köseoglu
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Maja Weber, Cellistin des Stradivariquartetts.

Maja Weber, Cellistin des Stradivariquartetts.

Bild: PD

Die Konzertserie beginnt im September, also im Herbst. Passt da der Titel «Winterklänge» überhaupt?

Maja Weber: Als die Serie Winterklänge entstanden ist, fand sie ursprünglich von Oktober bis Mai statt. Weil mit der Zeit mehr Konzerte dazukamen, musste die Zeitspanne ausgeweitet werden. Deshalb beginnen die «Winterklänge» nun schon im September. Mit dieser Veränderung ist natürlich die Bedeutung des Winters in den Hintergrund gerückt.

Welches Konzept steckt hinter der Konzertserie?

Jede Saison beschäftigen wir uns mit einem einzigen Komponisten. Die aktuelle Serie «Winterklänge am Bodensee» dreht sich rund um den Kammermusiker Felix Mendelssohn Bartholdy. Wir lernen Mendelssohn in diesen Konzerten von unterschiedlichen Seiten kennen: Ein Duo, ein Trio, ein Quartett, ein Quintet, ein Sextett und andere Besetzungen zeigen dabei die vielseitigen Facetten Mendelssohns.

Und was ist besonders?

In dieser Serie veranstalten wir vor jedem eigentlichen Konzert ein 30-minütiges Prélude. Diese werden jeweils durch Schweizer Musikjournalisten beurteilt. Mit dabei unter den Fachleuten sind unter anderem: Musikjournalist Thomas Meyer, Martin Preisser, Kulturredaktor beim St.Galler Tagblatt und SRF-Moderatorin Annelis Berger.

Die Kulisse der diesjährigen Serie am Bodensee ist aussergewöhnlich. Sie spielen in verschiedenen Schlössern. Wie kamen Sie auf diese Idee?

Es handelt sich um sehr schöne Orte, die alle eine Gemeinsamkeit haben: ihren historischen Hintergrund. Das erschien uns passend für ein klassisches Konzert. Ich erhoffe mir mit dieser Entscheidung auch ein touristisches Interesse. Bei anderen Konzerten hatten wir schon ein internationales Publikum. Ich hoffe dieses Jahr immerhin auf Zuschauerinnen und Zuschauer aus den Nachbarländern.

Wie hat sich der Ausfall wegen des Coronavirus auf Sie ausgewirkt?

Ich denke, dass ich mich als Veranstalterin in einer glücklichen Position befinde. Ich kann meine Konzerte selber organisieren und anpassen. Seit den Lockerungen und der Wiederaufnahme der Konzerte fiel mir besonders eines auf: Der Hunger der Konzertbesucher, Musik in der Gemeinschaft zu erleben. Es ist schön, das Bedürfnis nach Kultur zu sehen. Es braucht Emotionen. Ausserdem will ich meine Mitarbeitenden nicht im Stich lassen.

Sie legen viel Wert auf den engen Kontakt mit Ihrem Publikum. Werden die bekannten Stradivari-Apéros dennoch stattfinden?

Ja, wir werden unsere Apéros durchführen. Die Interaktion mit dem Publikum nach dem Konzert liegt uns sehr am Herzen. Es gibt weniger Tickets, aber dafür mehr Konzerte. Mit dieser Lösung wird es möglich sein, die Abstandsregeln einzuhalten. Da wir oft ein älteres Publikum begrüssen dürfen, raten wir natürlich zu zusätzlicher Vorsicht. Für uns ist der Aufwand dieses Jahr auf jeden Fall doppelt so gross. Aber ich bin mir sicher, dass er sich lohnt.

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