Gemüse am Eselschwanz vor St.Margrethen: Es darf einfach niemand krank werden

«Die Natur braucht eben auch in Zeiten von Hamsterkäufen ihre Zeit», sagt Armin Risch, der hier Gemüse anbaut, wie schon die Generationen vor ihm.

Christoph Zweili
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Blick in die Gewächshäuser.

Blick in die Gewächshäuser.

Michel Canonica

Die jungen Broccoli-, Blumenkohl- und Sellerieköpfe sind unter dem dichten Vlies kaum zu erkennen. Drei Wochen schon nutzen sie das Wechselspiel von Tageslicht und warmen Temperaturen für ihr Wachstum. Noch einmal acht Wochen, und sie sind reif für die Ernte. Schnell geht hier draussen vor St.Margrethen, wo der Alte Rhein eine Schlaufe macht und gleichzeitig die Grenze zu Österreich bildet, nichts. Dies trotz des günstigen Temperatureinflusses des nahen Bodensees und des Föhns, der hier mitheizt. «Eselschwanz» nennen die Einheimischen diesen Flecken, begehrt bei sonnenhungrigen Spaziergängern. «Die Natur braucht eben auch in Zeiten von Hamsterkäufen ihre Zeit», sagt Armin Risch, der hier Gemüse anbaut, wie schon die Generationen vor ihm. Schnittsalate, Radiesli und Frühkartoffeln, die ersten Freiland-Frühlingsboten, wachsen mitten im Landschaftsschutzgebiet auf zehn Hektaren fruchtbaren Schwemmlandbodens. Risch liefert das Frischgemüse und die Lagerartikel wie Sellerie und Chinakohl zu einem Drittel an Hofläden, wie seine Mutter auch einen auf dem Hof betreibt, und noch einmal zu einem Drittel an die Gemüsezentrale in Rebstein, die die Ware dann an die Grossverteiler Migros und Coop absetzt. Im Gewächshaus schwitzen die Südländer vor sich hin: Junge, an Stecken aufgebundene Tomaten, deren Geruch die Nase bezirzt, und Auberginen.

Armin Risch.

Armin Risch.

Michel Canonica

40 Prozent des Gesamtumsatzes machte der Gemüsebauer bisher in Gastrobetrieben: «Das ist vorbei, die Restaurantküchen sind geschlossen. Wir müssen uns etwas Neues einfallen lassen», sagt er in einem der nächsten Gewächshäuser. Hier wartet der vor allem in Restaurants beliebte Chiccorino Rosso in Reih und Glied auf die flinken Hände der Angestellten und ihre scharfen Erntemesser. Ob Risch diese Menge verkaufen kann, weiss er noch nicht. «Aber es wird sich etwas finden. Die Nachfrage nach Gemüse und Salaten reisst ja nicht ab.»

Die grösste Menge wird jetzt über die Hofläden abgesetzt

«Es gibt eine totale Verschiebung beim Absatz», sagt Risch. «Die Gastrokunden bestellen jetzt noch zehn Prozent der üblichen Menge.» Die grösste Menge geht momentan über die Hofläden in der Region sowie zu einem Teil an Plattformbetriebe, welche dann den Detailhandel beliefern.

Bauernhof Risch St.Margrethen.
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Bauernhof Risch St.Margrethen.
Bauernhof Risch St.Margrethen.
Bauernhof Risch St.Margrethen.
Bauernhof Risch St.Margrethen.
Bauernhof Risch St.Margrethen.
Bauernhof Risch St.Margrethen.
Bauernhof Risch St.Margrethen.
Bauernhof Risch St.Margrethen.
Bauernhof Risch St.Margrethen.
Bauernhof Risch St.Margrethen.
Bauernhof Risch St.Margrethen.
Bauernhof Risch St.Margrethen.
Bauernhof Risch St.Margrethen.
Bauernhof Risch St.Margrethen.
Bauernhof Risch St.Margrethen.
Bauernhof Risch St.Margrethen.
Bauernhof Risch St.Margrethen.
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Bauernhof Risch St.Margrethen.
Bauernhof Risch St.Margrethen.
Bauernhof Risch St.Margrethen.

Bauernhof Risch St.Margrethen.

Michel Canonica

Eigentliche Hilferufe aus den Reihen der St.Galler Gemüsebauern hat ihr 30-jähriger Kantonalpräsident noch nicht gehört:

«Gmüesler sind Chrampfer. Und sie passen sich rasch den Marktverhältnissen an.»

Einzelne treffe die Corona-Krise aber schlimmer als ihn, sagt Risch. Seinen Nachbarn etwa, der sein Gemüse bisher ausschliesslich auf Wochenmärkten absetzte. Die dürfen jetzt nicht mehr stattfinden. Aber immerhin lässt das Bundesamt für Gesundheit einzelne Stände zu, wenn der Sicherheitsabstand eingehalten wird. Andere Kollegen suchen Erntehelfer, nachdem vor allem die während der Spargelernte beschäftigten Rumänen nicht mehr ausreisen dürfen. Risch beschäftigt auf seinem Hof rund zehn Personen das ganze Jahr. Im Sommer, der Hochzeit der Ernte, sind es nur ein paar wenige helfende Hände mehr. Hilfsdienste leisten seit Jahren zwei bis drei Eritreer, vermittelt vom Sozialamt der Gemeinde St.Margrethen. «Dank milder Januar- und Februartemperaturen sind wir dieses Jahr 10 bis 14 Tage früher dran», sagt Risch.

«Mutter Natur gibt genug her»

«Jetzt kommt Corona – das bringt Unsicherheit.» Wirz, Chabis, Lauch – die typischen Lagergemüse – sind bald einmal aufgebraucht. Wie der Absatz beim Frischgemüse lauft, ist schwer einzuschätzen. Heute nachgepflanzter Chabis ist erst Ende Mai erntbar. «Auch ich habe Existenzängste», sagt Risch. «Wenn jemand am Corona-Virus erkrankt, müssten alle in Quarantäne. Das wäre der Supergau!» Doch noch rollen Kartoffeln und Rüebli durch die Waschstrasse und werden Mischsalate, Radiesli, Lollo, Sellerie und Nüsslisalat konfektioniert und bereitgestellt. «Mutter Natur gibt genug her», sagt Armin Risch.