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«Es braucht nicht mehr nur robuste Kämpfer»: Die Offiziersgesellschaft des Kantons St.Gallen erhält erstmals eine Präsidentin

Major Elisabeth Stadelmann-Meier ist die erste Frau, die der Offiziersgesellschaft St.Gallen als Präsidentin vorsteht. Mit diesem Posten ist sie schweizweit aktuell die Einzige auf dieser Ebene.
Nina Rudnicki
Für Elisabeth Stadelmann-Meier ist es selbstverständlich, als Frau im Militär Karriere gemacht zu haben. (Bild: Hanspeter Schiess)

Für Elisabeth Stadelmann-Meier ist es selbstverständlich, als Frau im Militär Karriere gemacht zu haben. (Bild: Hanspeter Schiess)

«Ich habe mich als junge Frau einfach für das Militär entschieden. Es hat mich interessiert, und Militärdienst zu leisten ist mein Recht», sagt Elisabeth Stadelmann-Meier. Die 41-Jährige wird diesen Mittwoch an der Hauptversammlung der Offiziersgesellschaft des Kantons St. Gallen (KOG SG) zur Präsidentin gewählt. Sie ist damit die erste Frau im Kanton, die dieses Amt übernimmt. Zugleich hebt sie sich in dieser Position auch landesweit ab (siehe Infobox am Schluss). Stadelmann-Meier sagt:

«Das ist eine grosse Ehre. Aber für Aussenstehende ist es wahrscheinlich spezieller als für mich selbst, dass ich die erste Präsidentin bin.»

Dann erzählt sie von ihrer Jugend. Aufgewachsen ist sie «in einem militärfreundlichen Umfeld» in Altdorf.

Ihr Vater war Hauptmann, und für ihre Kollegen an der Kantonsschule in Uri war klar, dass sie nach der Matura in die Rekrutenschule gehen würden. «Da dachte ich, ich gehe jetzt auch», sagt Elisabeth Stadelmann-Meier. Sie meldete sich für den Informationstag für Frauen an. Sie sei die einzige von all ihren Freundinnen gewesen, die das gemacht habe. Und ihre jüngere Schwester habe gesagt: «Ich glaube dir erst, dass du ins Militär gehst, wenn du weg bist.»

Nur einmal diskriminiert gefühlt

20 Jahre später ist es für Elisabeth Stadelmann-Meier selbstverständlich, als Frau im Militär Karriere gemacht zu haben. Wie war es, fast die einzige Frau unter lauter Männern zu sein? Gab es Sexismus? Wurde sie diskriminiert? Wie konnte sie sich durchsetzen? Wie hat sie den militärischen Drill empfunden? All diese Fragen prallen als Vorurteile an ihr ab. Nur einmal habe sie sich diskriminiert gefühlt. Das war, als sie erfahren habe, dass Frauen damals keiner Truppengattung zugeteilt wurden, die Kampfhandlungen ausführt. «Ich empfand es als äusserst unfair, dass Frauen zwar ins Militär dürfen, es aber diese Schranke gab», sagt sie.

Bei der Aushebung wurde sie schliesslich der Nachrichtentruppe zugeteilt. Nach der Rekrutenschule absolvierte sie gleich die Unteroffiziers- sowie die Offiziersschule. Nach dem militärischen Zwischenjahr studierte sie Wirtschaft an der Universität Fribourg und in den ersten Semesterferien verdiente sie sich den Dienstgrad des Leutnants ab. Mittlerweile ist sie Major.

Ein Vorbild für junge Frauen sein

Elisabeth Stadelmann-Meier möchte ein Vorbild für junge Frauen sein.
Derzeit liegt der Bestand bei 0,7 Prozent Frauen in der Armee. Für Elisabeth Stadelmann-Meier sind das zu wenige. «Das Militär wandelt sich, und die Technik modernisiert sich stark», sagt sie.

«Es braucht nicht mehr nur robuste Kämpfer, sondern beispielsweise auch Experten für Cyberkriminalität. Es gibt viele solcher neuer Bereiche, die Frauen gut mitgestalten können.»

Nebst der Frauenquote ist Elisabeth Stadelmann-Meier vor allem der Nachwuchsbestand wichtig. Die kantonale Offiziersgesellschaft des Kantons St. Gallen setzt sich etwa dafür ein, dass der Zivildienst weniger attraktiv gestaltet wird. Das ist ein Punkt, den auch Elisabeth Stadelmann-Meier betont. «Es geht dabei um die militärische Verantwortung in der Sicherheitspolitik», sagt sie.

«Um Sicherheit zu garantieren, braucht es eine glaubwürdige Armee, die personell, materiell und finanziell stark ist.»

Netzwerkarbeit ist wichtig

Einen weiteren Schwerpunkt setzt Elisabeth Stadelmann-Meier auf die Netzwerkarbeit mit Wirtschaft und Politik. Die Treffen mit Politikerinnen und Politikern seien wichtig, weil man dabei erklären könne, wieso das Militär mehr Mittel brauche. Stehen Wahlen an, dann unterstützt die KOG SG Politikerinnen und Politiker aus den eigenen Reihen und baut sie auf. Auch bei der Wirtschaft gilt es laut Stadelmann-Meier, den Wert der militärischen Ausbildung aufzuzeigen. Sie sagt:

«St. Gallen ist ein Kanton mit vielen Klein- und Mittelunternehmen. Diese profitieren beispielsweise von unseren Führungsseminaren und der praktischen Führungserfahrung.»

Nach St. Gallen gezogen ist Elisabeth Stadelmann-Meier nach ihrem Wirtschaftsstudium. Hier hat sie sich im Bereich Rechnungslegung und Controlling weitergebildet und sich nach einigen Jahren in der Branche selbstständig gemacht. Seit 2014 führt sie das Unternehmen ESM Revision & Rechnungswesen und ist auf Interimsmanagement im Bereich Rechnungswesen spezialisiert.

Mit ihrem Umzug nach St. Gallen ist sie auch Mitglied der Offiziersgesellschaft der Stadt geworden. Für das Präsidentenamt wurde sie angefragt. «Die Anfrage kam noch, bevor Viola Amherd Bundesrätin und Verteidigungschefin wurde», sagt sie und fügt lachend an: «Da passt das Frauenthema gerade.» Fünf bis sieben Tage pro Jahr leistet Elisabeth Stadelmann-Meier derzeit Dienst. Als Präsidentin werden nun noch einige Tage Engagement mehr auf sie zukommen. Sie sagt: «Ich mache das gerne. Während meiner ganzen Zeit beim Militär habe ich noch nie die Diensttage gezählt.»

Militär bleibt Männerdomäne

Dass eine Frau einer Offiziersgesellschaft vorsteht, ist nicht nur ein Novum im Kanton St. Gallen, sondern schweizweit ein Unikum. Zwar sind gemäss Schweizerischer Offiziersgesellschaft vereinzelt Frauen in den Vorständen anzutreffen, die Führungsriege war aber bisher eine Männerdomäne. Einzig in Basel gab es in der Vergangenheit zwei Präsidentinnen. Auch in den unteren Rängen ist der Frauenanteil bescheiden. Derzeit macht ihr Bestand in der Armee 0,7 Prozent aus. In absoluten Zahlen ­dienen insgesamt 995 Frauen; 294 von ihnen haben die Ausbildung zur Offizierin ­abgeschlossen.

Geringfügig grösser ist der Frauenanteil bei den Rekrutinnen und Rekruten. 280 Frauen starteten Anfang Jahr mit dem Militärdienst, der für sie im Unterschied zu den Männern freiwillig ist. Insgesamt traten 11'200 Rekruten zur Winter-RS an. Die Frauen stellen somit rund 1,3 Prozent der Neueintritte. Und die Kurve zeigt nach oben: 2010 waren es noch 0,5 Prozent. Dennoch wird der geringe Frauenanteil des Militärs beklagt, das ohnehin mit einem Rekrutierungspro­blem kämpft. Die Armee wirbt denn auch um weiblichen Nachwuchs, etwa mit der Broschüre «Ich weiss, was ich will!». Nachdem Frauen in der Vergangenheit von Truppengattungen ausgeschlossen waren, die Kampfhandlungen ausführen, stehen ihnen heute alle Funktionen offen. «Gleiche Leistung, gleiche Chance», heisst es in der Broschüre. Voraussetzung ist, dass die Anwärterinnen die Eignungstests bestehen. (nh)

Position beziehen

Die Offiziersgesellschaft des Kantons St. Gallen (KOG SG) gibt es seit über 180 Jahren. Ihr Ziel ist unter anderem die Förderung der militärischen Verantwortung und die Wahrnehmung der Interessen der Offiziere im Rahmen der Sicherheitspolitik. Die Offiziere der KOG SG verstehen sich als Bindeglied zwischen Volk und Armee und beziehen Stellung zu verschiedenen Herausforderungen.Die KOG SG ist unterteilt in acht Sektionen. Jede Sektion hat während dreier Jahre das Präsidium inne. In diesem und den zwei folgenden Jahren ist die Offiziersgesellschaft der Stadt St. Gallen an der Reihe mit Elisabeth Stadelmann-Meier an der Spitze. (nar)

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