«Erstmalig für die Schweiz»

Der Paläontologe Heinz Furrer erklärt, warum die Bedingungen für Fossilienfunde wie jene der Haiwirbel im Toggenburg günstig sind. Trotzdem sind sie ein sehr seltenes Ereignis.

Bruno Knellwolf
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Herr Furrer, kann man die Churfirsten als Hot Spot für Fossilienfunde eines Hochsee-Hais bezeichnen?

Heinz Furrer: Der Nachweis dieser Gattung und Art ist erstmalig für die Schweiz und die Alpen insgesamt. Auch die beiden anderen, noch nicht genauer bestimmten Funde sind sehr interessant. Ich würde die Churfirsten aber nicht als Hot Spot für solche Fossilienfunde bezeichnen.

Warum nicht?

Furrer: Weil erst zwei verschiedene Arten nachgewiesen sind. Fossilienfunde sind meist zufällig und hängen einerseits von der oberflächlichen Verbreitung potenzieller Fundschichten und von aufmerksamen Sammlern ab. Die grossen, durch Verwitterung freigelegten Vorkommen der offen marinen Kalke dieser Seewen-Formation und die touristische Erschliessung der Churfirsten bieten dazu optimale Voraussetzungen.

Wie oft werden Haiwirbel in der Schweiz und im Ausland gefunden?

Furrer: Haiwirbel werden in der Schweiz und auch in ganz Europa relativ selten gefunden. Noch seltener sind Haiwirbel und Zähne, die zu einem Individuum gehörten. Solche Funde aus der Oberen Kreide sind mir nur aus Norddeutschland und Norditalien bekannt. Reichere Fundschichten sind besonders aus den USA und Kanada bekannt. Isolierte, aber nicht genauer bestimmbare Haiwirbel kennt man in der Schweiz aus den jüngeren Schichten der Oberen Meeresmolasse, zum Beispiel im Kanton Aargau. Aus diesen etwa 16 bis 20 Millionen Jahre alten Sandsteinen wurden viele isolierte Haizähne verschiedenster Grösse gefunden, unter anderem auch vom einem direkten riesigen Vorfahren des Weissen Hais.

Wie ist die Bedeutung der beiden Churfirsten-Funde?

Furrer: Als erster Nachweis dieser Gattung und Art ist der Fund für die Schweiz und die Alpen insgesamt von internationaler Bedeutung. Der Fund solch grosser Hochseehaie zeigt, dass die Meeresablagerungen der späten Kreidezeit vor etwa 90 Millionen Jahren der Churfirsten und damit der Helvetischen Decken der Alpen auf gute Verbindungen zu den damaligen Weltmeeren zurückzuführen sind. Noch mehr verspreche ich mir von der Beschreibung der zweiten, noch nicht genau bestimmten, kleineren Haiart vom Hinterrugg.