Erstes Urteil im Biorender-Fall

Der ehemalige Wiler Stadtrat Andreas Widmer ist wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung zu einer bedingten Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Hans Suter
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FLAWIL. Es ist das erste Gerichtsurteil, das im Zusammenhang mit der mittlerweile konkursiten Münchwiler Biogasproduzentin Biorender AG vorliegt. Die Staatsanwaltschaft hat Andreas Widmer sowie zwei leitenden Angestellten der Technischen Betriebe Wil (TBW) vorgeworfen, aufgrund technischer Probleme bei der Produktion Biogas zu massiv überhöhten Preisen eingekauft zu haben. Der Stadt Wil entstanden dadurch Mehrkosten von rund 4,3 Millionen Franken. Diese wurden über die Arbeitspreisreserve (APR) abgewickelt. Die APR ist ein Instrument zur Glättung schwankender Marktpreise beim Gaseinkauf.

Zwei Jahre Probezeit

Während die drei Beschuldigten vergangenen Freitag am Ende der Gerichtsverhandlung beteuerten, sich keiner Schuld bewusst zu sein (Ausgabe vom 30. Mai), kommt das Kreisgericht Wil bei Andreas Widmer zu einem anderen Schluss. Das Gericht sieht den Tatbestand der ungetreuen Geschäftsbesorgung erfüllt und verurteilte ihn gestern zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zehn Monaten. Der Vollzug wird allerdings aufgeschoben unter einer Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren. Ausserdem werden Widmer 6000 Franken an Kosten für das Strafverfahren auferlegt.

Widmer trage keine strafrechtliche Verantwortung, dass sich die Produktionskosten für das Biogas der Biorender AG infolge technischer Probleme massiv erhöht hätten. Hingegen trägt er nach Ansicht des Gerichts Verantwortung für eine rechtzeitige Information an den Wiler Stadtrat als Kollegialbehörde. Doch das sei nicht erfolgt. Das Gericht stellte eine «durchgehend mangelhafte Information» fest, was eine ungetreue Geschäftsbesorgung darstelle. Der Betrag sei dagegen nicht im ganzen Umfang strafrechtlich relevant. Widmer wollte sich gegenüber den Medien nicht äussern, hat aber bereits Berufung eingelegt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig; es gilt weiterhin die Unschuldsvermutung.

TBW-Mitarbeiter freigesprochen

Das Kreisgericht Wil sprach hingegen den Geschäftsleiter und den Finanzchef der TBW vom Vorwurf der ungetreuen Geschäftsbesorgung frei. Nach Auffassung der Richter hätten sie keinen Einfluss auf die Preisfestsetzung für das Biogas gehabt. Die Verbuchung über die Arbeitspreisreserve erachtet das Gericht als buchhalterisch vertretbar. Die Freigesprochenen wollten sich nicht zum Urteil äussern. Noch offen ist, ob der Staatsanwalt die Freisprüche akzeptiert oder in Berufung geht.

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