Erste Spur nach Bombenalarm

Nach der Bombendrohung von Dienstag im Hauptbahnhof St. Gallen hat die Polizei eine erste Spur der anonymen Anrufe. Zwei Anrufe aus Telefonzellen sollen zum Täter führen – eine Veröffentlichung der Stimmen ist möglich.

René Rödiger
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ST. GALLEN. «Der erste Anruf kam um 15.18 Uhr aus der Telefonzelle Oberer Graben/Multergasse», sagt Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen. Der Mann habe mit ausländischem Akzent vor einer Bombe im Hauptbahnhof gewarnt. Diese solle innerhalb von dreissig Minuten in die Luft gehen.

Nur sieben Minuten später haben die Beamten erneut einen Anruf aus einer Telefonkabine erhalten. Ein Mann mit Bündner Dialekt meldete aus der Hauptpost eine verdächtige Tasche auf dem Perron 2.

«Wir schliessen nicht aus, dass beide Male derselbe Mann mit verstellter Stimme angerufen hat», sagt Krüsi. Bei der eingeleiteten Durchsuchung des Bahnhofareals sei kein verdächtiger Gegenstand gefunden worden.

Stimmen veröffentlichen?

Die Ermittlungen der Kantonspolizei laufen noch immer auf Hochtouren. In den Telefonzellen sind Fingerabdrücke sichergestellt worden und werden zurzeit miteinander verglichen.

Laut Krüsi könnten die Stimmen der Anrufer zu einem späteren Zeitpunkt nach Rücksprache mit dem Staatsanwalt auch veröffentlicht werden, um die Fahndung zu erleichtern.

Anrufer müsste Kosten tragen

Wegen der Bombendrohung musste am Dienstag der Hauptbahnhof gesperrt werden, der Zugverkehr zwischen St. Fiden und Gossau kam zum Erliegen.

Die Kosten der Sperrung des Hauptbahnhofs, der Zugsausfälle, des Grossaufgebots von Einsatzkräften und der Ladenschliessungen lassen sich noch nicht beziffern. «Sollten wir den Anrufer fassen, dann müsste er die Kosten aber tragen – inklusive allfälliger Zivilforderungen», sagt Hanspeter Krüsi.

Die Verkehrsbetriebe St. Gallen (VBSG) haben sieben Extrabusse für den Bahnersatz aufgeboten. «Die Busse waren zwischen 16.

15 und 17.35 Uhr im Einsatz», sagt VBSG-Unternehmensleiter Ralf Eigenmann. Der Normalbetrieb sei vom Zwischenfall am Hauptbahnhof nicht betroffen gewesen: «Alle Busse konnten planmässig verkehren.»

Drohungen sind häufig

Die Polizei habe im gestrigen Fall richtig reagiert, sagt der Mediensprecher der Stadtpolizei, Benjamin Lütolf. «Eine Bombendrohung nehmen wir immer ernst. In einem solchen Fall gebe es nur eines: auf Nummer sicher gehen», sagt Lütolf.

Drohanrufe gebe es öfters. «Meist richten sie sich gegen den Arbeitgeber oder Bekannte», sagt Lütolf. Auch hier rücke die Polizei immer aus, jedoch mit einem vergleichsweise kleineren Aufgebot. Die gestrige Bombendrohung könnte jetzt Nachahmungstäter auf den Plan rufen, befürchtet Lütolf.