Erstaunen und Kopfschütteln über Kandidatur von Mike Egger

Die SVP-Parteispitze schickt Jungpolitiker Mike Egger ins Rennen um den frei werdenden Sitz im Ständerat. Das sorgt selbst in den eigenen Reihen für Verwunderung. Die SP spricht von einer «Verlegenheitslösung» – die CVP schweigt.

Noemi Heule
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Kaum Nationalrat lässt sich der 26-jährige Mike Egger bereits für den Ständerat aufstellen. (Bild: Urs Bucher)

Kaum Nationalrat lässt sich der 26-jährige Mike Egger bereits für den Ständerat aufstellen. (Bild: Urs Bucher)

Überraschend. So beschreibt Mike Egger den Entscheid der SVP-Spitze, ihn, den Jungpolitiker, ins Rennen um den frei werdenden Ständeratssitz zu schicken. Überrascht zeigen sich auch Parteivertreter von links bis rechts, von politischen Gegner bis hin zu Parteikollegen. Für die einen fehlt Egger das politische Netzwerk, für andere der Anstand.

Dass sich Mike Egger, kaum Nationalrat, bereits für die kleine Kammer aufstellen lässt, verwundert etwa SVP-Kantonsrätin Claudia Martin. Für einen Ständerat sei es zentral, dass er in Bern bereits Allianzen geschmiedet, ein Netzwerk gespannt habe. Egger aber, der per Anfang Jahr für den abtretenden Toni Brunner in den Nationalrat nachrückte, wird erst im Frühling seine erste Sessionssitzung im Bundeshaus absolvieren. Dass sich kein gestandener Nationalrat der SVP für den Ständerat zur Verfügung gestellt habe – etwa Roland Rino Büchel – bedauert sie.

Trotzdem traut Claudia Martin dem 26-jährigen Metzger aus Berneck das Amt zu. «Er bringt einen grossen Rucksack mit», sagt sie und hebt wie Fraktionspräsident Michael Götte den beruflichen Hintergrund Eggers hervor, der sich mit Berufslehre statt Studium von den anderen Kandidaten unterscheide. Als Vertreter der jungen Generation könne er überdies dem verstaubten Ruf des Gremiums entgegenwirken.

FDP freut sich über Frauenbonus

Obwohl Frauen im Ständerat untervertreten sind, stellte die SVP nicht etwa Parteisekretärin Esther Friedli für den frei werdenden Ständeratssitz auf. Keine Überraschung für Claudia Martin: 

«Esther Friedli hat das Profil zur Regierungsrätin.»

Dies habe ihr Achtungserfolg 2016 gezeigt. Knapp 6000 Stimmen fehlten damals für den Sprung in die St. Galler Regierung. Die Lebenspartnerin von Toni Brunner, die erst im zweiten Wahlgang angetreten war, unterlag gegen FDP-Kandidat Marc Mächler. Eine erneute Kandidatur schloss sie seither nicht aus.

Hält sich die GLP weiter zurück, bleibt Susanne Vincenz-Stauffacher (FDP) die einzige Frau im vierköpfigen Kandidatenfeld. Nicht zuletzt dank dem Frauenbonus rechnet sich Parteipräsident Raphael Frei «sehr gute Chancen» aus. Er hofft auf zusätzliche Stimmen von Mitte-links bis Mitte-rechts. «Wir sind überzeugt von unserem Kandidaten», sagt auch CVP-Parteipräsident Patrick Dürr, der die Entscheide anderer Parteien nicht kommentieren will. Mit Regierungsrat Benedikt Würth stellt die CVP dem Jungpolitiker ein politisches Schwergewicht entgegen. Von einem Selbstläufer will Dürr dennoch nicht sprechen.

«Wir bereiten uns auf einen intensiven Wahlkampf vor.»

Die SP ist noch unentschlossen

Noch ist offen, wen die SP in der Wahl vom 10. März unterstützt. In einer Woche trifft sich laut Präsident Max Lemmenmeier die Parteispitze zur Parolenfassung. Deutliche Worte findet er für die Kandidatur Eggers und spricht von einer «Verlegenheitslösung» und «Personalmangel in der SVP». Allein des Tonfalls wegen sei Mike Egger untauglich für die Chambre de la Réflexion.

Ob Frau oder Mann spiele für die Wahlempfehlung keine Rolle, sagt er, «entscheidend ist die politische Ausrichtung». Gleicher Meinung ist Parteikollegin Bettina Surber. Sie merkt aber an, dass sich mit Vincenz-Stauffacher eine FDP-Frau mit «sozialem Gewissen» zur Verfügung stelle.

Für die Sozialdemokraten hat die kommende Ersatzwahl nicht Priorität. Stattdessen konzentriere sich die Partei laut Lemmenmeier auf die reguläre Wahl im Oktober. Dann will sie den Ständeratssitz von SP-Urgestein Paul Rechsteiner verteidigen. Ein Sitz, auf den auch die SVP schielt. Sie kündigte bereits an: Wird Egger im Frühling nicht gewählt, tritt er im Herbst erneut an.

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Michael Genova

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Adrian Vögele