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Erst Kauffrau und Bauzeichner, jetzt Lehrerin und Lehrer: Quereinsteiger profitieren von ihrer Erfahrung

Am Montag ist Schulanfang. Zwei Quereinsteiger erzählen, warum sie lieber unterrichten als in ihrem ursprünglichen Beruf zu arbeiten. Im Gegensatz zu Zürich kennt die Pädagogische Hochschule St.Gallen keine «Schnellbleiche» für Lehrer.
Katharina Brenner
Corinne Brunner unterrichtet seit einem Jahr als Primarlehrerin in Krinau. Michael Laupsien unterrichtet seit 16 Jahren an der Oberstufe West in St.Gallen. (Bilder: Urs Bucher und Michel Canonica)

Corinne Brunner unterrichtet seit einem Jahr als Primarlehrerin in Krinau. Michael Laupsien unterrichtet seit 16 Jahren an der Oberstufe West in St.Gallen. (Bilder: Urs Bucher und Michel Canonica)

Floristin, Medizinisch-technische-Assistentin – Corinne Brunner aus Wattwil hat als Jugendliche in verschiedene Berufe hinein geschnuppert. Weil sie danach immer noch nicht wusste, was sie machen will, wurde sie Kauffrau. Familie und Kollegen hatten gesagt, damit stehe ihr alles offen. Während der Lehre merkte Brunner aber, dass das auf Dauer nichts für sie ist. «Ich wollte raus aus dem Büro.»

Also machte sie nach der Lehre die Berufsmatura und im Anschluss ein Sozialjahr an der Heilpädagogischen Schule in Rapperswil. Dort fand sie den Beruf, der zu ihr passte: Lehrerin. «Jeder Tag ist anders. Und ich arbeite sehr gerne mit Kindern.» An der Pädagogischen Hochschule in Rorschach liess sich Brunner zur Lehrerin ausbilden – im regulären Studium.

Sie profitiert im Elterngespräch vom Kundenkontakt

Corinne Brunner, Primarlehrerin in Krinau (Bild: Michel Canonica)

Corinne Brunner, Primarlehrerin in Krinau (Bild: Michel Canonica)

Am Montag beginnt ihr zweites Jahr als Primarlehrerin im Toggenburger Dorf Krinau. Die 26-Jährige unterrichtet «so ziemlich alles» ausser Religion, Musik, Handarbeit und Werken. Die Arbeit liegt ihr. Nur eines findet sie schade: Dass sie mehr mit Bürokratie und Elternarbeit zu tun hat als gedacht. Dadurch bleibe weniger Zeit, um sich auf den Unterricht zu konzentrieren. «Das, was wir Lehrer eigentlich machen sollten.» Ihre Lehre sei sicher kein Nachteil, manchmal profitiere sie davon: bei Elternbriefen, bei der Planung und Organisation.

«Dass ich schon einmal Kundenkontakt hatte, hilft mir beim Umgang mit den Eltern.»

Und Brunner war mit ihrer Biografie schon Vorbild. Sie erzählt von einer Schülerin, die Lehrerin werden möchte, aber glaubt, das gehe nicht, weil sie zu schlecht für die Kanti sei. «Als ich der Schülerin sagte, dass ich nicht an der Kanti war, hat sie sich sehr gefreut.»

Vom Bauzeichner zum Oberstufenlehrer

Michael Laupsien, Lehrer an der Oberstufe West in St.Gallen (Bild: Urs Bucher)

Michael Laupsien, Lehrer an der Oberstufe West in St.Gallen (Bild: Urs Bucher)

Er erzähle seine Geschichte gern, sagt Michael Laupsien. Er wolle mit dem Vorurteil aufräumen, Lehrer seien weltfremd. Hätte er noch einmal die Wahl: Er würde alles gleich machen. Erst die Lehre zum Bauzeichner, dann drei Jahre in diesem Beruf und parallel die Matura. Im Anschluss vier Jahre Studium an der Pädagogischen Hochschule St. Gallen und nebenbei eine 50-Prozent-Stelle als Bauzeichner. Durch die Doppelbelastung Studium und Arbeit habe er gelernt, seine Zeit einzuteilen.

«Es ist ein Riesenvorteil, dass ich Lehre, Arbeitswelt und Studium kenne.»

Seit 16 Jahren ist Laupsien Lehrer an der Oberstufe West im St. Galler Schulhaus Schönau. Der 43-Jährige unterrichtet Mathematik, Naturwissenschaften sowie geometrisches Zeichnen. Und einmal in der Woche Berufswahl. Er spricht mit seinen Schülerinnen und Schülern über ihre Interessen, über Berufsberatung und Bewerbungen. «Zum Beispiel darüber, was man anzieht. Dieses Wissen ist heute nicht mehr selbstverständlich.»

Lehrlinge und Jugendliche als Trainer betreut

Das Lehrerdasein findet Laupsien noch schöner als erwartet. Jugendliche für die Zukunft zu rüsten, motiviere ihn. «Jetzt bekomme ich Bestätigung.» Die Arbeit als Bauzeichner habe ihm gefallen; sein Haus in Untereggen hat Laupsien selbst gezeichnet. «Aber sobald ich ein Haus gezeichnet hatte, war meine Arbeit fertig.» Das sei als Lehrer anders. Dass er gerne erklärt und mit Jugendlichen zusammenarbeitet, habe er bei der Betreuung von Lehrlingen und als Volleyballtrainer gemerkt. Lehrer, die gleich nach der Kanti studiert haben, wolle er nicht schlechtmachen. Er bringe einfach andere Erfahrungen mit. Und Laupsien sagt: Das Studium sei heute straffer und nebenbei zu arbeiten schwieriger als früher.

Schulen schätzen Quereinsteiger

Ausbildung An der Oberstufe West in St.Gallen sind 5 von 55 Lehrpersonen Quereinsteiger. Schulleiter Rolf Breu sagt: «Sie lassen ihre Erfahrungen aus dem Erstberuf in die Berufsfindung einfliessen und machen in den Fächern Querverweise zum Berufs- und Lebensalltag.» Im Vergleich zu den Abgängern der Pädagogischen Hochschule seien sie älter und erfahrener, könnten mit Herausforderungen abgeklärter umgehen. Ähnlich tönt es auch bei anderen Schulleitern in der Ostschweiz. Quereinsteiger sind beliebt.

Von den Studierenden auf Kindergarten- und Primarstufe an der Pädagogischen Hochschule St.Gallen (PHSG) haben rund 33 Prozent erst einen anderen Beruf erlernt. Sie sind meist zwischen 25 und 35 Jahre alt. Auf der Sekundarstufe I kommen rund 17 Prozent der Studierenden mit Passerellenabschluss oder Zweitwegmatura an die PHSG, meist im Alter von 23 bis 27 Jahren. Die Zahlen schwanken nur leicht.

Dagmar Rösler, Präsidentin des Dachverbandes der Schweizer Lehrer, nennt Quereinsteiger eine «Bereicherung für die Schullandschaft, sofern sie die entsprechende Ausbildung haben». Als Reaktion auf den Lehrermangel empfahl der Verband vor einigen Jahren, die Möglichkeiten für Quereinsteiger auszubauen. «Mindeststandard» sei der «Fast Track» der PH Zürich für Personen über 30 mit Hochschulabschluss und Berufserfahrung. Auf Niveau Kindergarten- und Primarstufe können sie bereits nach 18 Wochen Intensivausbildung Teilzeit als Lehrer arbeiten und die Ausbildung parallel fortführen.

«Schnellbleichen» gibt es an der PHSG nicht. Bei einem Koch im Studienfach «Wirtschaft, Arbeit, Haushalt» könne beispielsweise das Modul Ernährungslehre erlassen werden, eine Verkürzung der Studienzeit sei aber nicht denkbar. Im Gegensatz zu Zürich herrscht in der Ostschweiz kein Lehrermangel (Ausgabe vom 5. Juli). Weil in den nächsten Jahren aber viele Lehrer in Pension gehen, die Schülerzahlen steigen und viele junge Lehrer den Beruf nach ein paar Jahren wechseln, könnte er auch auf die Ostschweiz zukommen. (kbr)

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