Erst Grufties, dann Teenies

Joe Cocker, Krokus, die Fantastischen Vier und 77 Bombay Street waren Höhepunkte am Arboner Open-Air-Festival Summerdays. Kritik kam am neuen Geländeplan und den Billettpreisen auf. Das Festival blieb trotz Schauer friedlich.

Dominik Bärlocher
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Arbon TG , 24.08.2013 / Summerdays Openair Arbon . Konzert " Die fantastischen Vier " (Bild: Donato Caspari (Donato Caspari))

Arbon TG , 24.08.2013 / Summerdays Openair Arbon . Konzert " Die fantastischen Vier " (Bild: Donato Caspari (Donato Caspari))

ARBON. «Schön, dass so viele Grufties hergekommen sind», sagt Krokus-Oldie Chris von Rohr am Freitagabend am Summerdays Festival in Arbon. Denn der Freitag gilt am Seeufer-Festival als Abend für die ältere Generation. Vor der Bühne stehen Mittvierziger in Cowboystiefeln und Ledergilets über Krokus- und Nazareth-Band-Shirts und klatschen. Weiter hinten bis zum Tunnel, der vom Marktviertel zum Bühnenbereich führt, sitzen Musikfans auf mitgebrachten Campingstühlen oder am Boden.

Die Stimmung ist ausgelassen, aber ruhig. «Im hohen Alter feiert es sich halt nicht mehr so wild», sagt eine Besucherin und lacht. Nach ihrem Alter gefragt, scherzt sie, sie sei 20 Jahre alt, aber habe schon fast zwei Jahrzehnte Erfahrung im Zwanzig-Sein. Gekommen ist die Frau, genau wie die meisten der 12 000 Besucher des Summerdays – der Freitagabend war schon Wochen vor dem Festival ausverkauft – wegen einem: Joe Cocker.

Der mittlerweile 69jährige Sänger, der anno 1969 am legendären Woodstock-Festival aufgetreten war, enttäuscht nicht. Seine rauhe Stimme ist auch im Rentenalter noch in guter Form, und seine Songs klingen genau so, wie sie sollten. Der Bühnenraum ist gut gefüllt, auf dem See ein Lichtermeer. Viele Boote sind gekommen, um gratis das Konzert zu sehen. Die Sanitäter gehen langsam und entspannt durch die Zuschauer. Sie haben wenig zu tun.

Tickets teuer, Gelände klein

Bis am Samstagnachmittag gingen bei Festival-Mediensprecherin Sabine Bianchi keine Meldungen über Vorfälle irgendwelcher Art ein – und es sollte bis zuletzt so bleiben. Doch vollkommen zufrieden sind die Gäste nicht. «Die Gebühren für die Tickets sind zu hoch», sagt eine Frau im Marktviertel. Sie erklärt, dass der Preis für die Zweitagespässe okay sei, aber dass sie noch etwa 30 Franken Gebühren pro Ticket habe drauflegen müssen, das sei dann schon etwas zu viel. Für das Line-up des Festivals hat sie aber nur Lob. «Die Acts, die ans Summerdays kommen, treten nicht mehr oft auf und gehen vielleicht schon bald in Rente.»

«Jetzt kann ich nicht einmal mehr auf die öffentlichen WCs gehen», sagt ein Teenager, der in der Schlange vor dem WC steht. Er korrigiert sich: «Also, ich könnte schon, aber ich muss das Gelände dazu verlassen.» Das sei wegen des neuen Geländeplans etwas lästig. Früher sei das Gelände noch grösser gewesen, scheint es ihm. Aber er würde sich das Festival als Arboner dennoch nicht nehmen lassen. Es gehöre einfach zum Sommerprogramm dazu.

Tanz auf den Tischen

Der Regen am Samstag lässt Erinnerungen ans OpenAir St. Gallen wach werden, vor allem, weil das Publikum wesentlich jünger als am Freitag ist. Doch der Schauer hält nur kurz an, das Gelände bleibt weitgehend trocken. Übergrosse Sonnenbrillen und neonfarbene Shirts dominieren den Look der 11 500 Besucherinnen und Besucher. Sie sind gekommen um Seven, 77 Bombay Street, Lina Button und nicht zuletzt die Fantastischen Vier zu sehen.

Schon vor dem Konzert tanzen Teenager trinkend auf Tischen und johlen sich gegenseitig zu. Die ersten torkeln vom einen Bierzelt ins andere und lassen sich selbst hochleben. Boote sind nur noch vereinzelt auf dem See. Im Siebenschläferzelt läuft eine Version von Bryan Adams' «Summer of '69», mit harter Bassline unterlegt. «Genau das hat das Lied noch gebraucht. Wummernde Bässe», sagt ein Mann mittleren Alters beim Vorbeigehen und schüttelt den Kopf.

Mit «Wie Gladiatoren» vom 2010er-Album «Für dich immer noch Fanta Sie» eröffnen die Fantastischen Vier ihren Auftritt. Das Publikum verdankt es den Deutschen, die ihren ersten Hit 1992 mit «Die da!?» hatten, mit Gejohle und Applaus. So wild die Party am Samstag auch ist, alles bleibt im Rahmen. Oder wie die Veranstalter bilanzieren: «23 500 feierten friedlich und fröhlich», die Stimmung war «traditionell familiär».

Arbon TG , 23.08.2013/ Summerdays Openair . Joe Cocker (Bild: Donato Caspari (Donato Caspari))

Arbon TG , 23.08.2013/ Summerdays Openair . Joe Cocker (Bild: Donato Caspari (Donato Caspari))