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Erotiksalon und McDonald’s überfallen: Beschuldigter wehrt sich vor Gericht gegen Verwahrung

Ein 32-jähriger Schweizer hat im Raum Wil und St.Gallen brutale Raubüberfälle begangen. Das Kreisgericht St.Gallen musste am Dienstag nun entscheiden, welche Strafe und welche Therapie für den Beschuldigten angemessen sind. Das Urteil steht noch aus.
Claudia Schmid
Zwei Jahre nach den Schuldsprüchen muss das Kreisgericht St.Gallen beurteilen, ob der Beschuldigte Mann verwahrt werden soll. (Bild: Hanspeter Schiess)

Zwei Jahre nach den Schuldsprüchen muss das Kreisgericht St.Gallen beurteilen, ob der Beschuldigte Mann verwahrt werden soll. (Bild: Hanspeter Schiess)

Der 32-jährige Schweizer beging fünf teils brutale Raubüberfälle. Sie betrafen das Hotel Uzwil, Tankstellenshops in Bronschofen und Wil, eine McDonald’s-Filiale in Wil und einen Erotiksalon in St.Gallen. Schuldig erklärt wurde er auch, weil er aus dem Gefängnis Appenzell floh, einen Autofahrer ausgebremst und ihn mit einem Sturmgewehr bedroht hatte. Und ausserdem, weil er zusammen mit Kollegen einen problematischen Mieter aus seiner Wohnung weisen wollte und das Opfer dabei fesselte, würgte und brutal schlug.

Für all diese Straftaten sprach das Kreisgericht St.Gallen Ende 2016 entsprechende Schuldsprüche aus, verzichtete aber darauf, bereits über ein Strafmass zu entscheiden.

Beschuldigter verweigert stationäre Therapie

In der Zwischenzeit wurde ein neues psychiatrisches Gutachten erstellt. Dieses war in der Fortsetzung der Hauptverhandlung, die am Dienstag am Kreisgericht St.Gallen stattfand, ein zentrales Thema. Das Gericht befragte den Gutachter über die Rückfallgefahr und die Erfolgsaussichten der verschiedenen Therapiemöglichkeiten.

Der Psychiater erklärte:

«Der Beschuldigte leidet an einer ausgeprägten dissozialen Persönlichkeitsstörung und zeigt begrenzte Therapiemotivation.»

Das Rückfallrisiko bezeichnete er als hoch. Aus gutachterlicher Sicht sei aber eine vorsichtig positive Entwicklung zu erkennen. Der Mann zeige in der Zwischenzeit Strafempfindlichkeit und wisse, was auf dem Spiel stehe, doch sei eine Therapie bei dissozialen Störungen generell nicht sehr erfolgversprechend.

Der Gutachter wollte dem Gericht keine bestimmte Therapieform für den Beschuldigten empfehlen. Seine Aufgabe sei es, die Möglichkeiten und Aussichten einer ambulanten und einer stationären Massnahme nach Artikel 59 oder 63 aufzuzeigen.

Der Beschuldigte erklärte in der Befragung der vorsitzenden Richterin, dass er sich zwar mit einer ambulanten Therapie einverstanden erklären könne, jedoch nicht mit einer stationären.

«Ich habe Angst davor, dass ich nie wieder aus dem Gefängnis entlassen werde.»

Opfer leiden noch immer unter Folgen des brutalen Überfalls

Die Staatsanwältin beantragte am Dienstag eine Freiheitsstrafe von neun Jahren und die Verwahrung. Das psychiatrische Gutachten gehe klar von einer hohen Rückfallwahrscheinlichkeit aus. Somit sei der Beschuldigte für die Öffentlichkeit eine Gefahr, die mit therapeutischen Mitteln in absehbarer Zeit nicht verringert werden könne. Eine Schuldunfähigkeit sei nicht gegeben.

«Der Mann befindet sich nun schon seit über fünf Jahren im vorzeitigen Strafvollzug und in dieser Zeit hat sich das Risiko einer neuen Straftat nach seiner Entlassung nicht wesentlich verändert.»

Die Rechtsvertreterin zweier Opfer betonte, dass die Überfallenen noch heute unter den Folgen der brutalen Taten des Beschuldigten leiden würden. Für das eine Opfer, das zweimal von einem bewaffneten und maskierten Mann überfallen und verletzt wurde, sei die Rückkehr an den früheren Arbeitsplatz nicht mehr möglich gewesen. Ein anderes Opfer sprang aus Panik aus einem Fenster und verletzte sich gravierend.

Gutachter geht von voller Schuldfähigkeit aus

Die Schwere der Straftaten sei unbestritten, erklärte der Verteidiger anschliessend in seinem Plädoyer. Jedoch müsse bei der Sanktion seine extrem schwierige und traurige Lebensgeschichte mitberücksichtigt werden.

«Seine drogensüchtige Mutter ist im Milieu in Brasilien erschossen worden und auch der weitere Lebensweg ist nicht einfach gewesen.»

Der Gutachter gehe von voller Schuldfähigkeit aus. Dies bedeute gleichzeitig, dass er auch in der Lage sei, sich seiner Schuld zu stellen. Im Strafvollzug habe er sich entwickelt: Er bilde sich weiter und stimme auch einer ambulanten Therapie zu.

Der Verteidiger sah hingegen eine Freiheitsstrafe von acht maximal neun Jahren als Schuld angemessen. Er stellte den Antrag, die Verwahrung abzuweisen. Im Weiteren liege es am Gericht, eine für den Beschuldigten erfolgversprechende Therapieform anzuordnen. Das Urteil des Kreisgerichts St.Gallen steht noch aus.

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