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ERNTEAUSFALL: Alles zerstört

Der späte Schnee hat grosse Schäden angerichtet. Im Thurgau liegen zwei Obstplantagen unter Schutzfolien begraben. Der Zivilschutz hilft bei den Aufräumarbeiten. Gerettet werden kann aber wenig.
Trudi Krieg
Auf der Kirschanlage sind die Bäume entwurzelt oder geknickt. Das Ausmass des Schadens ist noch ungewiss. (Bild: Trudi Krieg)

Auf der Kirschanlage sind die Bäume entwurzelt oder geknickt. Das Ausmass des Schadens ist noch ungewiss. (Bild: Trudi Krieg)

Trudi Krieg

ostschweiz@tagblatt.ch

Dicke Betonpfeiler sind zersplittert, Drahtseile gerissen. Wasserlachen und Schneereste drücken die von Baumästen durchbohrten Kunststoffteile ganz zu Boden. Es ist ein Bild des Grauens, das sich dem Landwirt Werner Gsell aus Egnach am vergangenen Freitagmorgen bietet. Denn unter den Folien liegt seine ganze Ernte begraben. Zerstört vom nassen Schnee, der zu schwer war für die Abdeckung, welche die 4000 Tafelkirschbäume hätte schützen sollen.

Werner Gsell hatte seine Tafelkirschenbäume, die bereits in voller Blüte standen, vorsorglich mit Schutzfolie unter den Hagelnetzen überdeckt. Weil auf Samstag nochmals eine Frostnacht angesagt war, liess er die Bäume unter dieser Schutzdecke – in der Hoffnung, sie besser zu schützen. Aus Vorsicht bot Werner Gsell Freitagnacht 35 Leute auf, um die Folien laufend von der Schneelast zu befreien. «Es sah gar nicht nach viel Schnee aus, aber weil es zwischendurch regnete, war dieser nass und schwer», sagt der Landwirt.

Betonstützpfeiler krachen zusammen

Als es gegen 6.30 Uhr verdächtig knarrte in den Stützen, handelte Gsell schnell und gab den Befehl: «Sofort alle aus den Anlagen raus.» Zwischen acht und neun Uhr krachten die Betonstützpfeiler der Wetterschutzanlagen dann zusammen. Die ganze Konstruktion und der Schnee begruben die Bäume unter sich, teils geknickt oder entwurzelt.

Der Schaden an der Stützkonstruktion beläuft sich auf etwa 300000 Franken. Diese ist versichert, aber nicht zum Neuwert. Die Bäume und der Ernteausfall hingegen sind nicht versichert. Für die Aufräumarbeiten wird dem Landwirt Hilfe zur Seite gestellt: Die Fachstelle Obstbau Arenenberg hat beim Amt für Bevölkerungsschutz den Zivilschutz aufgeboten.

Werner Gsell lobt die Helfer vom Zivilschutz: «Sie waren schon am Freitagnachmittag da und überlegten, wie sie helfen können.» Seit Dienstagmorgen sind 40 Mann im Einsatz, verteilt auf die Betriebe Gsell in Egnach und Konrad Huber in Roggwil, wo ebenfalls grosse Schneeschäden in der Anlage entstanden sind. Die Helfer trennen Netze auf, lösen Tragseile, bauen Beton- und Holzpfähle zurück. Nach den Anweisungen von Werner Gsell und dem Einsatzleiter Ursin Camenisch wird eruiert, was bei den Bäumen noch zu retten ist. Im Moment sei besonders wichtig, dass die Bäume vom Plastik befreit werden, damit es darunter nicht zu warm wird für sie.

Absage für Erntehelfer

Werner Gsell betreibt seit über zehn Jahren den Tafelkirschenanbau. Die ersten Niederstammkirschbäume setzte er versuchsweise 2005. Im Feuerbrandjahr 2007 mussten zwei Hektaren Tafelobst und über hundert Hochstammbäume gerodet werden. Da die Kirschen dies gut überstanden, pflanzte Gsell weitere Kirschbäume, und die Fläche wurde auf 4,5 Hektaren ausgedehnt. Für dieses Jahr hatten sich bei Werner Gsell bereits 10 bis 15 Polen und Slowaken gemeldet als Erntehelfer. Jetzt musste der Landwirt allen absagen. Denn es ist noch ungewiss, ob überhaupt und wie viele Kirschen in diesem Jahr auf seiner Plantage geerntet werden können.

«Am Freitagnachmittag dachte ich: nie mehr Kirschen», sagt Gsell. Inzwischen sei er zusammen mit seiner Frau aber entschlossen, den Kirschenanbau wieder zu wagen. Sie wollen nicht nochmals etwas Neues anfangen. «Da stecken unser Herzblut und unsere Erfahrungen drin.»

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