ERNEUERBARE ENERGIE: Weniger Heizungen, mehr Feuer

Die Zahl der Holzheizungen ist seit Jahren schweizweit rückläufig. Die Kantone St. Gallen und Thurgau gehören aber nach wie vor zu den Spitzenverbrauchern.

Michael Hug
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Michael Hug

ostschweiz

@tagblatt.ch

Die vom Bundesamt für Energie (BFE)jährlich veröffentlichte Schweizerische Holzenergiestatistik erklärt auf 78 Seiten den aktuellen Stand im Bereich Holzfeuerungsanlagen aller Grössenkategorien. Die Daten dazu werden seit 1990 erhoben. Ein Blick auf die Entwicklung der letzten 25 Jahre ergibt ein klares Bild: Holzfeuerungen sind nach der Markteinführung neuer Technologien beliebt ­geworden, der Holzverbrauch hat entsprechend zugenommen. Im Jahr 2015 wurde schweizweit 43 Prozent mehr Holzenergie fürs Heizen aufgewendet als noch 1990 (siehe Tabelle). Gleichzeitig hat die Zahl der Holzfeuerungsanlagen abgenommen: Derzeit liegt der Bestand über alle Kategorien betrachtet bei etwas über 594000 und damit rund 14 Prozent unter dem Bestand von 1990. Mit anderen Worten: Weniger Anlagen verbrauchen heute mehr Energie. Wie passen diese beiden Entwicklungen ­zusammen? Ist Heizen mit Holz aus der Mode gekommen?

Marcel Knöri ist Projektleiter in der Abteilung Energie des Amts für Umwelt und Energie des Kantons St. Gallen. Er sieht keine eindeutige Erklärung für die gegenläufigen Trends. Zum einen führe der Kanton keine derart umfassende Statistik, wie das BFE sie jährlich aus den Daten der Gemeinden zusammenstelle. «Diese Daten werden direkt bei den Gemeinden erhoben und gehen am Kanton vorbei», sagt Knöri. Ganz datenlos ist man beim Kanton aber dennoch nicht. Knöri: «In der kantonalen Energiestatistik ist ein leichter Rückgang beim Holzenergieverbrauch feststellbar.» Wenn weniger Holz zu Heizzwecken im Privatbereich verbraucht werde, könne dies auch auf verbesserte Isolierungen der Häuser hindeuten. Denn: Die Anzahl der mit Holz beheizten Gebäude hat im Kanton sogar leicht zugenommen – in den vergangenen Jahren auf knapp 17000 Gebäude. Zugenommen hat auch die Leistung der grösseren Holzheizungen, wie aus dem BFE-Bericht hervorgeht. Das erklärt den starken Anstieg des Holzverbrauchs bei gleichzeitig sinkender Anlagenzahl.

Schwenk auf Gasheizungen bei Umbauten

Andere Zahlen liefern eine weitere ­Erklärung für die Abnahme der Holz­heizungen bei Einfamilienhäusern: Ein Blick auf Gasverbrauch, Gebäudeenergieausweise sowie Gebäude- und Wohnungsregister im Kanton St. Gallen zeigt, dass bei Umbauobjekten ein Schwenk auf Gasheizungen stattgefunden hat. 81 Prozent aller neuen Heizungen in ­bestehenden Gebäuden waren vorher Holzheizungen (wobei die Einfamilienhäuser hier den grössten Anteil ausmachen). 7 Prozent sind von Holz auf Wärmepumpen umgestellt worden und nur gerade 5 Prozent von Holz auf Heizöl. Der grosse Rest sind Gasheizungen. Das heisst also: Die Zahl der Einfamilienhaus-Holzheizungen hat abgenommen, die Zahl der holzbeheizten Gebäude und die Zahl der Grossheizungsanlagen aber zugenommen. Knöri führt diesen Effekt auf die Fördermassnahmen des Kantons zurück. Diese seien «ein voller Erfolg». Der Kanton St. Gallen zahlt beispielsweise für neue automatische Holzfeuerungen ab einer Leistung von 500 Kilowatt einen Grundbeitrag von 40000 Franken. Dazu kommen weitere Gelder für die sogenannte Nennwert-Leistung des Heizkessels – 100 Franken pro Kilowatt. Der Beitrag für die Erstinstallation eines Wärmeverteilsystems für ein Einfamilienhaus beträgt im Kanton 5000 Franken, für ein Mehr­familienhaus sind es 2500 Franken pro Wohnung, begrenzt auf maximal 20000 Franken.

Auf ähnliche Schlussfolgerungen kommen auch die Urheber der Schweizerischen Holzenergiestatistik. Der Rückgang der Anlagen sei hauptsächlich auf den sinkenden Bestand der Einzelraum- und Einfamilienhausheizungen zurückzuführen, schreibt das BFE dazu. Insbesondere habe der Rückgang des Bestandes an Cheminées, Zimmeröfen, Holzkochherden, Zentralheizungsherden und Stückholzkesseln unter 50 Kilowatt dazu geführt. Das BFE begründet den Rückgang durch den Ersatz alter Holzheizungen in Einfamilienhäusern (zum Beispiel Kachelöfen) durch die breiter gewordene Palette von Heizungen mit alternativen und erneuerbaren Energiequellen oder konventionellen Heizsystemen wie Öl und Gas. Gegen den Trend verhalten sich Heizsysteme mit Holzpellets. Ihre Zahl nimmt seit Einführung 1990 stetig zu und stand Ende 2015 bei 15200 Anlagen in der Schweiz. Pelletheizungen werden automatisch befüllt und sind im Betrieb ähnlich einfach handhabbar wie Öl- oder Gasheizungen. Zunehmend ist auch die Zahl der automatisch gesteuerten Holzschnitzelheizungen mit grösserer Leistung. Schnitzelheizungen mit kleiner (Einfamilienhaus-)Leistung haben sich im Alltag jedoch nicht bewährt.

St. Gallen und Thurgau in der Spitzengruppe

Im kantonalen Vergleich zählt St. Gallen zur Spitzengruppe, was den Energieverbrauch mit Holzfeuerung angeht. Nur gerade Bern, Zürich, Luzern und Aargau verbrauchen mehr Holzenergie, der Kanton Thurgau folgt an siebter Stelle, hinter Freiburg. Das Schlusslicht aller Kantone bildet Appenzell Innerrhoden. Ein ähnliches Bild bietet auch die Statistik zur Zahl der installierten Anlagen. Hier liegt der Thurgau gar auf Platz fünf, gleich hinter St. Gallen.