ERMITTLUNGEN: Horner Ex-Feuerwehrkommandant im Visier der Justiz

Die Gemeinde Horn zeigt ihren früheren Feuerwehrkommandanten nicht an, obwohl er unrechtmässig Sold und Benzin bezogen hat. Nun laufen trotzdem Ermittlungen – dem Mann droht eine Strafuntersuchung.

Daniel Walt
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Freigestellt: Der frühere Horner Feuerwehrkommandant ist nach Verfehlungen seinen Job los. (Bild: Keystone (Symbolbild))

Freigestellt: Der frühere Horner Feuerwehrkommandant ist nach Verfehlungen seinen Job los. (Bild: Keystone (Symbolbild))

Der Aufruhr in Horn war gross, als vor einer Woche die sofortige Freistellung des langjährigen Feuerwehrkommandanten bekannt wurde. Der Mann hatte sich unrechtmässig Sold ausbezahlt, und auch erhöhte Treibstoffkosten waren ans Licht gekommen. Unter anderem mit Verweis auf eine Rückzahlungsvereinbarung und die langjährige Tätigkeit des Mannes verzichtete der Gemeinderat darauf, weitere rechtliche Schritte gegen den Mann einzuleiten.

Nun droht dem Ex-Feuerwehrkommandanten trotzdem Ungemach: Der Thurgauer Generalstaatsanwalt Hans-Ruedi Graf bestätigt auf Anfrage eine Information des "Blick", wonach ein Ermittlungsverfahren gegen den Mann läuft. In diesem Zusammenhang berichtet das Blatt auch über Unmut, der in der Bevölkerung herrsche, weil die Gemeinde den Mann nicht von sich aus angezeigt habe.

Diebstahl? Veruntreuung?
"Es geht vorerst darum, dass die Polizei ermittelt, was in diesem Fall genau passiert ist", erklärt Hans-Ruedi Graf. Die Staatsanwaltschaft sei durch die Berichterstattung in der "Thurgauer Zeitung" auf den Fall aufmerksam geworden. Im Raum steht der Verdacht auf die Tatbestände Diebstahl und Veruntreuung. Beides sind, egal ob Steuer- oder andere Gelder betroffen sind, Offizialdelikte, die von Amtes wegen zu verfolgen sind, wie Graf erläutert.

Nächster Schritt: Strafuntersuchung
Auf ähnlich gelagerte Fälle in der Vergangenheit angesprochen, erwähnt Graf einen Thurgauer Notar – gegen ihn konnte schliesslich ein Strafverfahren wegen Veruntreuung eröffnet werden. "Aber das ist Jahre her", sagt Graf. Erhärtet sich der Verdacht, der Horner Ex-Feuerwehrkommandant habe sich des Diebstahls beziehungsweise der Veruntreuung schuldig gemacht, ist die Eröffnung einer Strafuntersuchung laut Hans-Ruedi Graf der nächste Schritt. Anzeigen von Bürgerseite gegen den Ex-Feuerwehrkommandanten seien bis Mitte Woche nicht eingegangen, so Graf.

"Kommentiere Mutmassung nicht"
Thomas Fehr, Gemeindepräsident von Horn, äussert sich auf Anfrage nicht zur Eröffnung des Ermittlungsverfahrens gegen den früheren Feuerwehrkommandanten. Zur Frage, ob der Gemeinderat insgeheim damit gerechnet habe, dass die Justiz von sich aus tätig werde, und deshalb darauf verzichtet habe, ihren eigenen Mitarbeiter anzuzeigen, sagt Fehr bloss: "Das ist eine nicht zutreffende Mutmassung, die ich nicht kommentiere."

"Nach bestem Wissen und Gewissen"
"Die Reaktionen auf unsere Kommunikation waren positiv", sagt Thomas Fehr weiter. Ob die positiven Rückmeldungen auch den Entscheid der Gemeinde betreffen, den Ex-Kommandanten nicht von sich aus anzuzeigen, will Fehr nicht weiter kommentieren. Genauso bedeckt hält er sich nach wie vor zur Summe, um die es geht. "Wir haben im vorliegenden Fall nach bestem Wissen und Gewissen kommuniziert", sagt Fehr. Das Vorgehen der Gemeinde sei die Folge des Gesprächs gewesen, das mit dem früheren Feuerwehr-Kommandanten geführt worden sei.

"In aller Form entschuldigt"
Die unrechtmässigen Bezüge von Sold und Benzin durch den früheren Horner Feuerwehrkommandanten waren bei der Rechnungskontrolle aufgeflogen. Als der Gemeinderat vor einer Woche die sofortige Freistellung des Mannes verkündete, schrieb er, der bisherige Kommandant habe die Verfehlungen bestätigt. Der Mann habe sich "in aller Form sowie mit grosser Reue für diese in der Not erfolgten Verfehlungen" entschuldigt, teilte die Behörde weiter mit. Er werde die Ausstände vollständig zurückzahlen. Auf die Einleitung rechtlicher Schritte verzichte der Gemeinderat wegen des "sofortigen Eingeständnisses, der gezeigten Reue sowie der speziellen Umstände".