Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

ERLEBNISHOTEL: Nach der gescheiterten Hotel-Abstimmung: Es herrscht Ratlosigkeit im Toggenburg

Das Projekt von ausländischen Investoren hätte dem Tal einiges gebracht. Der Bevölkerung war es am Wochenende aber den Griff in die eigene Tasche nicht wert. Nun ist guter Rat teuer – neue Impulse sind nicht in Sicht.
Regula Weik, Christoph Zweili
Das Jufa-Hotel in Bregenz. (Bild: Guenter Lenz)

Das Jufa-Hotel in Bregenz. (Bild: Guenter Lenz)

Rolf Züllig, Gemeindepräsident von Wildhaus-Alt St.Johann, ist keiner, der lange lamentiert. Auch nicht, nachdem die Bevölkerung das geplante Jufa-Hotel in Wildhaus klar bachab geschickt hat. Mehrere Jahre hatte Züllig mit den Investoren verhandelt und sich für das Projekt stark gemacht. Vergeblich. Das Volk sah es anders.

«Ich gebe nicht auf. Das Toggenburg liegt mir sehr am Herzen», sagt Züllig am Tag eins nach dem Aus für das Hotelprojekt. Es gehe nun darum, «einen gemeinsamen Nenner zu finden». Züllig weiss auch bereits, wie er dies erreichen will: Er will ein Bürgerforum ins Leben rufen. Die Einwohnerinnen und Einwohner der Gemeinde sollen sich grundsätzlich dazu äussern, ob sich die Gemeinde in die touristische Entwicklung der Region einmischen und ob sie wirtschaftliche Impulse setzen soll – oder eben nicht. Und es wird ein Ideenwettbewerb gestartet.

Hat er sich am Wochenende vorgeführt gefühlt? Der Gemeindepräsident winkt ab, sagt aber klar: «Wildhaus braucht drei gute Hotels, davon soll eines ein neues Haus sein.» Die Frage, ob er denn sämtliche anderen Hotels schliessen wolle, verneint Züllig und fügt an: «Sie können von der neuen Dynamik profitieren.» Allein wegen eines Bettes bleibe kein Gast in der Gegend; er wolle dazu auch ein Erlebnis haben. Haben die Obertoggenburger Hoteliers diese Entwicklung verschlafen? «Ihre Antworten auf die heutigen Herausforderungen stammen vielfach aus den 70er-Jahren», sagt Züllig. Die meisten Hotels seien damals gebaut worden und hätten den «ersten Lebenszyklus» hinter sich.

«Das Geld geht dorthin, wo es gut behandelt wird»

Befürworter wie Kritiker scheinen sich in einem Punkt einig: Das Jufa-Hotel war ein gutes Projekt und eines, das ins Tal gepasst hätte. Dass es keine Gnade bei der Bevölkerung fand, liegt vor allem an den sieben Millionen Franken, welche die Gemeinde beisteuern wollte. «Ohne Investoren geht nichts», entgegnet Züllig auf die Kritik. Und: «Das Geld geht dorthin, wo es gut behandelt wird. Derzeit fühlt sich das Geld vom Toggenburg nicht sonderlich gut behandelt.» Hätte die Gemeinde über den von ihr geforderten Anteil härter mit den Investoren verhandeln müssen? «Wir haben das Maximum herausgeholt», sagt Züllig und fügt an: «Hätte die Gemeinde den öffentlichen Erlebnisteil mit Restaurant, Wellnessbereich und Seminarräumen selber realisiert, wäre sie dies teurer zu stehen gekommen.»

Zu den schärfsten Kritikern des Projekts gehörte die örtliche SVP. Ihr Präsident Mirco Gerig hat am Tag nach dem Abstimmungsausgang keine rasche, alternative Lösung parat, um den Tourismus im Obertoggenburg langfristig zu stärken. Ob das Jufa-Hotel dazu geführt hätte, ist für Gerig offen – «möglicherweise wäre es auch einfach zu Verschiebungen von Gästen gekommen».

Das Jufa-Hotel in Bregenz. (Bild: Guenter Lenz)

Das Jufa-Hotel in Bregenz. (Bild: Guenter Lenz)


Er geht mit dem Gemeindepräsidenten einig, dass eine Stärkung des Aufenthaltstourismus wichtig wäre für das Tal. Doch, so Gerigs Kritik, der Gemeinderat habe immer wieder Energie in die falschen Projekte investiert. So habe er etwa das Thema Biken «verschlafen»: «Andere Regionen haben da längst vorwärts gemacht, etwa Flumserberg oder Lenzerheide. Da ist das Toggenburg zu spät dran.»

Abschliessend gibt der Kantonsrat zu bedenken: «Die Bevölkerung ist heute nicht mehr gleich tourismusaffin wie noch vor 10 oder 20 Jahren. Viele Obertoggenburger arbeiten auswärts.» Einer, der viel Herzblut in den Tourismus im Obertoggenburg investiert, ist Urs Gantenbein. «Das neue Hotel wäre ein wichtiger Impuls für Wildhaus und das obere Toggenburg gewesen», sagt der CEO der Bergbahnen Wildhaus AG. Ebenso tönt es bei Christian Gressbach, Geschäftsführer von Toggenburg Tourismus: «Das Erlebnishotel hätte der ganzen Destination und längerfristig allen touristischen Leistungsträgern gut getan.»

Die Jufa will jetzt zuerst einmal nachdenken

Wohin zieht es die Jufa nach dem Nein in Wildhaus? Bei der Hotelkette heisst es diplomatisch: «Jetzt denken wir einmal weiter nach. Danach geht es weiter, mit Überlegungen in Richtung Schweiz.» Die Kette sieht speziell im Familientourismus «ein sehr hohes Potenzial». Mit dem zuletzt eröffneten Jufa-Hotel, betrieben ebenfalls von der ITW-Gruppe, haben die Logiernächte in Malbun um jährlich 20'000 zugenommen. Viele Gäste kommen aus Deutschland und den Benelux Staaten, wie es bei Jufa heisst. 4 von 10 Gästen stammten 2017 aus der Schweiz, im laufenden Jahr sind es 47 Prozent. Ist der im Obertoggenburg verlangte Investitionsbeitrag Usanz auch bei anderen Hotel-Standorten? Diese Frage will die Hotelkette nicht direkt beantworten. Bekannt ist aber, dass sich die liechtensteinische Gemeinde Triesenberg-(Malbun) und das Land Liechtenstein über die Bergbahnen finanziell engagiert haben.

Skilift beim Oberdorf in Wildhaus. (Bild: Urs Bucher)

Skilift beim Oberdorf in Wildhaus. (Bild: Urs Bucher)


Der Kanton St.Gallen hat bisher lediglich die Erneuerung der Bergbahn Unterwasser–Iltios–Chäserrugg, den Neubau der Sesselbahn Oberdorf–Gamsalp, den Neubau des Sessellifts Alt St.Johann–Alp Sellamatt und eine Beschneiungsanlage mit Mitteln aus der Neuen Regionalpolitik unterstützt; noch nie ein privates Hotelprojekt. Laut Regierungsrat Bruno Damann sind Darlehen bei Hotelprojekten auf denjenigen Teil des Bauvorhabens, der öffentlich zugänglich ist, durchaus zulässig: «Das können vom Hotel betriebene Hallenbäder oder Wellnessanlagen sein.»

Auch das Klanghaus-Projekt hatte keine Chance. (Bild: Christof Sonderegger)

Auch das Klanghaus-Projekt hatte keine Chance. (Bild: Christof Sonderegger)


Kein Schneesportzentrum, vorerst kein Klanghaus und kein Ausbau der Bergbahnen, jetzt das Nein zum Beitrag ans Jufa-Hotel: Ist Wildhaus auf dem absteigenden Ast? – HSG-Tourismusexperte Christian Laesser schüttelt energisch den Kopf: «Das eine hat doch mit dem andern nichts zu tun.»

Windrad auf dem Weg von Trogen zum Gäbris: Grossprojekte haben es im Toggenburg immer wieder schwer. (Bild: Urs Bucher/Archiv)

Windrad auf dem Weg von Trogen zum Gäbris: Grossprojekte haben es im Toggenburg immer wieder schwer. (Bild: Urs Bucher/Archiv)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.