Erinnerungen
11 Dinge, die Sie nur wissen, wenn Sie in Rorschach aufgewachsen sind

Ein Streifzug durch die Vergangenheit: Darauf blicken Rorschacherinnen und Rorschacher zurück.

Jolanda Riedener
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Wer in Rorschach aufgewachsen ist, kennt «Birreweich», «Häfi» und «Peña»

Das Kulturlokal Hafenbuffet – von allen liebevoll «Häfi» genannt – war ein Ort für Konzerte von lokalen und internationalen Künstlern. Zentral gelegen am Hafen und mit Blick auf den See haben manche Rorschacherinnen und Rorschacher besondere Abende in dieser Bar erlebt. Stars wie die Amerikanerin Beth Ditto und ihre Band Gossip spielten hier auf – natürlich längst bevor sie berühmt wurden. Im Mai 2006 endete das Engagement der jungen Betreibergruppe, welche die Konzerte organisierte.

Sowohl Konzerte als auch die Aussicht vom «Häfi» aus waren legendär.

Sowohl Konzerte als auch die Aussicht vom «Häfi» aus waren legendär.

Bild: Urs Bosshard (Rorschach, 30. Juni 2005)

Weniger Kultur dafür ebenfalls Rambazamba bekam man im «Bireweich». Auch dieses Lokal befand sich in der erweiterten Hafenmeile an der Hauptstrasse. Es war aber längst nicht so populär wie das «Hafenbuffet» oder das «Peña».

Das «Peña» war ein Rorschacher Club, der nicht nur unter den Einheimischen wohlbekannt war. 1996 eröffnete ihn Goi Fernandez, führte ihn während zehn Jahren und übergab ihn an Jimmy Fernandez. Schliesslich musste der Club weichen, Partys fanden weiterhin unter dem Label «Peña» in St.Galler Eventlokalen wie dem «Trischli» oder «Backstage» statt.

Wer in Rorschach aufgewachsen ist, konnte neben dem Strandbad Minigolf spielen

Das Würth-Haus befindet sich bereits im Bau, als die Betreiber der Minigolfanlage ihre letzte Saison durchführten.

Das Würth-Haus befindet sich bereits im Bau, als die Betreiber der Minigolfanlage ihre letzte Saison durchführten.

Bild: «Tagblatt»-Archiv, Corina Tobler

Rorschacherinnen und Rorschacher blicken mit Wehmut auf sie zurück: Die Minigolfanlage am Bodenseeufer musste mit dem Bau des Würth-Haus im Jahr 2011 weichen. Man schwelgt in Jugenderinnerungen, als man selbst mit der Familie für eine Runde auf den Platz trat und danach ein Glacé bekam oder mit Freunden nach einer Partie mit einem kühlen Blonden anstiess. Kürzlich spielte die Minigolfanlage, für welche die Stadt Rorschach stets Ersatz gelobte, im Wahlkampf um den vakanten Stadtratssitz eine Rolle.

Wer in Rorschach aufgewachsen ist, weiss was Görtz-Grade sind und kennt die Regeln beim Springturm-Fangis und Wasserball

Für Seemeitli und Seebuben hat der Sommer eine besondere Bedeutung. Die Freizeit verbrachte man grösstenteils in der Badi oder am See. Das Sprungturm-Fangis beim Strandbad zelebrierte die Rorschacher Jugend gleichermassen wie verbotene Wasserbomben von der Badhütte-Brüstung – ganz zum Ärger der früheren Pächterin. Noch heute beliebt in der Badhütte ist das Wasserballspielen, wobei für diesen Sport der Pegelstand eine wichtige Rolle spielt.

Wasserball: Eine beliebte Aktivität innerhalb der Badhütte.

Wasserball: Eine beliebte Aktivität innerhalb der Badhütte.

Bild: Jolanda Riedener (17. August 2013)

Noch einige Zeit früher, ab Mai 1960, prägte Anni Görtz während 35 Jahren die Badanstalt. Sie mass das Seewasser stets ein, zwei Grade wärmer als die umliegenden Badeorte. Man sprach darum von den legendären Görtzgraden. Nicht verhindern konnte Anni Görtz, dass die Schwimmenden ihre Runden oft neben im Wasser treibenden Erbsen und Rüebli drehen mussten. Dies, weil die Konservenfabrik Roco bei Reinigungsarbeiten ihre Nahrungsmittelabfälle ungefiltert in den See leitete, was bei heutigen Wasserschutzbestimmungen und Kanalisationsbauten undenkbar wäre.

Heute ist nicht mehr vorstellbar, dass man vor einem Vierteljahrhundert in Betracht zog, die Badhütte aus dem Jahr 1924 abzureissen. Wenig überraschend formierte sich im Dezember 1996 Widerstand:

«Es ist zum heulen» oder «Unsere Stadt enteignet sich selbst» heisst es auf den Transparenten.

«Es ist zum heulen» oder «Unsere Stadt enteignet sich selbst» heisst es auf den Transparenten.

Bild: «Tagblatt»-Archiv, Dezember 1996

Wer in Rorschach aufgewachsen ist, feierte am Badifest

Ein Relikt aus vergangener Zeit ist das Badifest. Wer in der Hafenstadt aufgewachsen ist, war bestimmt vor Ort. Die Rorschacher Vereine errichteten Verpflegungsstände zwischen Strandbad und Schlachthof, auf einer Bühne gaben Musikformationen aus der Region oder Bands von überall ihre Rockcovers zum besten.

Das Badifest war ein Fixpunkt in der Agenda der Rorschacherinnen und Rorschacher.

Das Badifest war ein Fixpunkt in der Agenda der Rorschacherinnen und Rorschacher.

Bild: «Tagblatt»-Archiv, Juli 1987

Auch bei Heimwehrorschachern war das zweitägige Fest im Juli jeweils ein beliebter Treffpunkt – mehrere tausend Besucher kamen an den Anlass. Heute gilt das Stadtfest als Alternative, wenn die Umstände eine Durchführung zulassen. In den vergangenen Jahren wurde es nicht mehr im Zentrum sondern ebenfalls am See durchgeführt.

Wer in Rorschach aufgewachsen ist und sich den «Chrueg» in der Brauerei auffüllen liess

Bier steht für Heimat. Während heute vor allem Kleinbrauereien für eine grosse Biervielfalt in der Ostschweiz stehen, identifizierten sich die Leute in Rorschach früher mit ihrem Löwengarten. Besonders günstig kam man früher an das Hopfengetränk, wenn man das eigene Behältnis mitbrachte: Frisch gebrautes Bier konnte man sich ab Hahn für ein paar Franken in den Zweiliter-Krug mit Hebelverschluss zapfen lassen und mit nach Hause nehmen.

Die einstige Rorschacher Brauerei gibt es nicht mehr, das Löwengarten wird nach altem Rezept aber noch von Schützengarten hergestellt.

Die einstige Rorschacher Brauerei gibt es nicht mehr, das Löwengarten wird nach altem Rezept aber noch von Schützengarten hergestellt.

Bild: «Tagblatt»-Archiv, ohne Datum

Wer in Rorschach aufgewachsen ist, weiss von der höchsten Beizendichte

Der Hafenstadt wird nachgesagt, sie habe in ihren besten Jahren die höchste Beizendichte des Landes gehabt. Ein Lokal, das noch heute Gäste bewirtet, ist das Idyll. Es galt in den 1950er-Jahren als Schwulentreff. Angeblich war es 1977 auch das erste Ostschweizer Lokal, das mit den Sex Pistols eine Punkplatte im Jukebox-Repertoire hatte, wie im 156. Neujahrsblatt des historischen Vereins des Kantons St.Gallen beschrieben wird. Die Kultbeiz zwischen Thurgauerstrasse und Bahngleisen steht noch, wird in den kommenden Jahren voraussichtlich aber einem Neubau weichen – die Bauvisiere stehen.

Wer in Rorschach aufgewachsen ist, nervt sich über geschlossene Barrieren

Geschlossene Bahnschranken, das kennen schon die Grosseltern der Rorschacherinnen und Rorschacher. In den vergangenen Jahrzehnten haben die Zugverbindungen und der motorisierte Verkehr zugenommen. Die zahlreichen Barrieren strapazieren die Nerven der Leute in der Hafenstadt noch heute.

Stau gibt es vor dem Bahnübergang bei der Rorschacher Hauptstrasse täglich.

Stau gibt es vor dem Bahnübergang bei der Rorschacher Hauptstrasse täglich.

Bild: Christina Vaccaro (31. August 2017)

Seinen Reiz hatten hingegen die bedienten Bahnhöfe wie jener am Hafen. Wenn sich ein Zug ankündigte, kümmerte sich der Bahnhofswärter um die Schliessung des Fussgängerübergangs. Er versperrte den Passanten jeweils mit einer Kette den Weg und hinderte sie daran, die Gleise zu überqueren. War der Zug vorbei, öffnete er die Kette wieder und liess die Leute passieren.

Wer in Rorschach aufgewachsen ist, kennt das Stadtoriginal mit dem Batterieradio

Er ist ein Stadtoriginal: Wer in Rorschach aufgewachsen ist, kennt ihn unter dem Namen «Hatschi». Der Grossgewachsene Typ mit Lederjacke und langen Haaren hatte immer einen Radio bei sich. Weniger hart als sein Aussehen waren die Klänge, die aus seinem Ghettoblaster dröhnten: Popsongs von Britney Spears bis Backstreet Boys.

«Hatschi» hatte immer den eigenen Sound dabei.

«Hatschi» hatte immer den eigenen Sound dabei.

Bild: Fotolia

Wer in Rorschach aufgewachsen ist, lebte in einer Handball-Hochburg

Gleich mehrere erfolgreiche Handballer aus Rorschach spielten zusammen in der Schweizer Nationalmannschaft.

Robert Jehle erzielt an den Olympischen Spielen 1980 in Moskau ein Tor.

Robert Jehle erzielt an den Olympischen Spielen 1980 in Moskau ein Tor.

Bild: Keystone

In den 1970er-Jahren war Robert Jehle einer der populärsten Sportler im Land. Er bestritt 190 Partien für die Schweiz und nahm 1980 an den Olympischen Spielen in Moskau teil. Der Rorschacher starb am 20. April 1988 unter unglücklichen Umständen im 36. Altersjahr. Auch sein Bruder Peter Jehle war Teil der Nationalmannschaft, sowie Peter Stürm, dessen Vater Carl Felix Stürm ein bedeutender Industrieller in Rorschach war.

Wer in Rorschach aufgewachsen ist, weiss, dass die Innenstadt drei Kinos hatte

Das schweizweit erste permanente Tonbild-Theater öffnete im Jahr 1908 an der Hauptstrasse 41 in Rorschach. Um 1970 gab es in der 12'000-Einwohner-Stadt sogar drei Kinos in der lebhaften Innenstadt – seit 1987 sind die Kinos verschwunden. Das einstige Kinogebäude an der Hauptstrasse 33/35, wo sich heute die Modeboutique La Scala eingerichtet hat, ist aber nach wie vor gut als solches erkennbar.

Wer in Rorschach aufgewachsen ist, hat mehr traumhafte Sonnenuntergänge erlebt als andere

Mit Blick auf den Rorschacher Hafen und das Kornhaus.

Mit Blick auf den Rorschacher Hafen und das Kornhaus.

Bild: «Tagblatt»-Archiv, Sennah, 1998

Mit traumhaften Sonnenuntergängen sind die Rorschacherinnen und Rorschacher reich beschenkt. Wenn über dem See die Sonne untergeht, kommt eine besondere Stimmung auf. Sehr schön, aber nicht so aussergewöhnlich sind die Traumabende für alle, die in der Hafenstadt aufgewachsen sind.