Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Erich Walser – ein herausragender Appenzeller

Mit grosser Bestürzung hat anfangs Jahr die Nachricht vom plötzlichen Tod von Erich Walser eine betroffene Öffentlichkeit überrascht. Er verstarb in seinem 68. Lebensjahr.
Hans-Rudolf Merz
Erich Walser (22. Februar 1947–30. Dezember 2014) (Bild: ky)

Erich Walser (22. Februar 1947–30. Dezember 2014) (Bild: ky)

Mit grosser Bestürzung hat anfangs Jahr die Nachricht vom plötzlichen Tod von Erich Walser eine betroffene Öffentlichkeit überrascht. Er verstarb in seinem 68. Lebensjahr.

Erich Walser besass appenzellische Wurzeln, sie hätten ausserrhodischer kaum beschaffen sein können. Die erste war seine familiäre Herkunft. Als Sohn von alt Landammann Willi Walser ist er nämlich – Bürger von Wald – in Rehetobel aufgewachsen, wo die Familie ein Textilgeschäft betrieb. Sein Vater schuf sich einen Namen als Volkswirtschaftsdirektor und Förderer der Wirtschaft des Kantons. Die zweite Wurzel setzte sein Landsmann Salomon Zellweger-Walser (1807–1887), ein Spross der Trogener Zellweger-Dynastie, die weltweiten Textilhandel betrieb und dem Kanton beträchtlichen Wohlstand bescherte.

Er war Initiator und Mitbegründer der Helvetia Versicherung, die im Jahr 1858 in St. Gallen zunächst als Transport-Versicherung gegründet wurde und der Erich Walser Generationen später in 35jähriger Tätigkeit das Gepräge gab. Dritte Wurzel war die Gymnasialzeit an der Kantonsschule Trogen, umgeben von angehenden, auch ausserkantonalen Akademikern. Die Studien führten ihn alsbald nach Bern, wo er seine Ehegattin Edith von Allmen kennenlernte, und an die HSG. Gleichsam den sprachlichen Rahmen bildete nicht zuletzt Erich Walsers gepflegter, geradezu heimelig anzuhörender, durch feinen Humor beflügelter Ausserrhoder Dialekt.

Es gehört zu den herausragenden Appenzellern, dass sie einen offenen Geist und ein feines Gespür für die weite Welt haben, dass sie dabei gefestigt genug sind, um sich frei, gewandt und eigenständig in anderen Kulturen zu bewegen. «Appenzeller sein und bleiben» lautet ihr Motto. Erich Walser lebte es. Zwar ist seine Berufung ein Leben lang die Helvetia geblieben. Seine Karriere begann 1979 im Anlagebereich, fand 1991 ihre Fortsetzung als Generaldirektor (CEO) und kulminierte 2004 im Präsidium des Verwaltungsrates. Erich Walser hat die Helvetia mitsamt ihren ausländischen Tochtergesellschaften harmonisch und beharrlich zu grossem Wachstum geführt und dabei ihre überaus menschliche Kultur geschaffen. Er machte sich stark für den Erhalt der Selbständigkeit des Unternehmens und für dessen Standort St. Gallen mit Hunderten von qualifizierten Arbeitsplätzen. Er übernahm schliesslich auch den Vorsitz des Schweizerischen Versicherungsverbandes. Aus dessen Mitte führte er mit der damaligen Bundesbehörde übrigens eine Art drôle de guerre über die Schaffung einer landesweiten Erdbebenversicherung. Aber trotz inniger Verbundenheit ist das Versicherungswesen nicht seine einzige Lebensleidenschaft geblieben. Er stellte sein gefragtes Wissen und seine mit der Zeit enorme Erfahrung in der Führung auch anderen Unternehmen seines Heimatkantons als Verwaltungsrat zur Verfügung. Im Vordergrund und nach zehnjährigem Wirken wählte ihn die Generalversammlung der Herisauer Firma Huber+Suhner im Frühjahr 2014 zum Präsidenten. Anderen Ausserrhoder Firmen im Textilbereich und im Gesundheitswesen stand er mit Rat und Tat zur Seite. Er fand Zeit für eine Stiftung zur Zukunft der Schweiz und für die Pflege rotarischer Freundschaften. Erich Walser durchlief in der Armee die Generalstabsausbildung und tat in der st. gallisch-appenzellischen Grenzbrigade Dienst. Nicht zuletzt und wie eine erfrischende Brise genoss er Kultur und Kunst, was ihm die Mitgliedschaft in der Verwaltung des Theaters St. Gallen beschied. Was war Erich Walser für eine Persönlichkeit im Erleben, Bewältigen und Geniessen all dieser Obliegenheiten, im Besetzen so vieler Felder des Daseins, dazu im Kreis einer harmonischen, angesehenen eigenen Familie? – Er ist vor allem zeitlebens sich selber geblieben: bescheidenen Wesens, unaufgeregt im Alltag, Glanz und Gloria meidend. Aber er war stets klar und lesbar in seinen Absichten, zäh und von starkem Willen. Er löste seine mannigfachen Aufgaben mit geradezu verblüffender Effizienz. Er war gerecht, tolerant, konnte zuhören. Er gab seinen Mitarbeitenden das Wort; sie fühlten sich geborgen. Er dachte weit voraus und sah dennoch gleichzeitig das Naheliegende. Erich Walser war ein vorbildlicher Unternehmer.

Ein grossartiger, humaner und nobler Mensch, eine der ausgeprägtesten Persönlichkeiten, die die Ostschweiz je erleben durfte, hat uns verlassen. Die Trauer bewegt weit über seinen Familien- und Freundeskreis hinaus.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.