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Erfolgreiche Brückenbauerin

ST. GALLEN. Die Fachhochschule St. Gallen hat beim Projektwettbewerb «Bref – Brückenschläge mit Erfolg» abgeräumt. Vier der fünf Siegerprojekte stammen von ihr. Die Ideen werden mit insgesamt 1,2 Millionen Franken unterstützt.
Leandra Fiechter
Ältere Menschen sollen länger in ihrem gewohnten Umfeld leben können. Diesem Thema widmet sich eines der vier Siegerprojekte der FHS. (Bild: fotolia)

Ältere Menschen sollen länger in ihrem gewohnten Umfeld leben können. Diesem Thema widmet sich eines der vier Siegerprojekte der FHS. (Bild: fotolia)

Die Gebert Rüf Stiftung will das Potenzial von Fachhochschulen nutzen. Deshalb ruft sie seit 2009 jedes Jahr dazu auf, beim Projektwettbewerb Bref – Brückenschläge mit Erfolg die besten Arbeiten einzureichen. Bei der letzten Ausschreibung zum Thema «Soziale Innovation» wurden schweizweit 55 Vorschläge eingereicht, fünf davon ausgezeichnet. Diese fünf Projekte hätten am besten dargelegt, wie die Brücke von der Theorie in die Realität geschlagen werden könne, sagt Stiftungsdirektor Philipp Egger. Was auffällt: Vier der fünf Siegerprojekte kommen von der Fachhochschule (FHS) St. Gallen.

Interdisziplinäre Forschung

FHS-Rektor Sebastian Wörwag freut sich über die Auszeichnungen. Er sagt: «Dass so viele Siegerprojekte von uns stammen, liegt an zwei Faktoren: Zum einen erkennt unsere Schule relevante Themen der Gesellschaft frühzeitig.» Zum anderen würden bei der FHS komplexe Fragestellungen immer aus mehreren Perspektiven angeschaut werden. «Mehr als die Hälfte unserer Forschungsprojekte sind interdisziplinär», sagt Wörwag. Ausserdem werde an der FHS «anwendungsnah» geforscht.

Inkontinenz stoppen

Ein Siegerprojekt kommt von Susi Saxer, Leiterin Fachstelle Demenz. «Menschen, die nach einem Schlaganfall inkontinent sind, kommen nach der Rehabilitationsphase oft ins Pflegeheim. Das ist teuer und belastet die Betroffenen.» Diesem Problem widmet sich Saxer mit ihrem Projekt. Ein Leben in den eigenen vier Wänden sei auch mit zusätzlicher Hilfe noch günstiger. «Wir wollen mit unserem Massnahmenpaket erreichen, dass Patienten nach der Reha kaum oder gar nicht mehr inkontinent sind.» Dieses Paket wird nun mit der Rehabilitationsklinik Valens entwickelt. Analysiert werde zudem, ob sich die Lebensqualität der Patienten damit verbessern lasse und die Pflegeabhängigkeit abnehme. «Inkontinente Patienten benötigen einen zusätzlichen Pflegeaufwand, was höhere Kosten bedeutet.» Dies sei mit ein Grund, das Projekt auch auf sein Kosten-Nutzen-Verhältnis auszuwerten.

Das Projekt von Sabina Misoch, Leiterin des Interdisziplinären Kompetenzzentrums Alter, läuft unter dem Titel «AALiving Lab@home». Was kompliziert tönt, soll älteren Menschen ein langes selbständiges Leben in ihrem gewohnten Umfeld ermöglichen. Dies mit Hilfe von altersgerechten Assistenzsystemen, die auf digitalen, vernetzten Technologien basieren. Misoch sagt: «Technische Hilfen für Ältere sind nichts Neues. Es gibt beispielsweise Fussböden, die spüren, ob sich eine Person darauf bewegt.» Bei diesem Projekt sollen Endnutzer von Beginn weg in die Forschung miteinbezogen werden. «Wir wollen gemeinsam mit den Senioren forschen – und nicht über sie.» Die alternde Gesellschaft sei künftig auf technische Innovation angewiesen, da ein Mangel an Pflegekräften bestehe und die Bereitschaft, Angehörige zu pflegen, abnehme. In diesem Projekt wird durch die Vernetzung von Privathaushalten eine Umgebung geschaffen, «in der mit den Senioren technische Assistenzsysteme entwickelt und getestet werden können, die deren Bedürfnissen entsprechen».

Kesb bekommt Hilfe

Zu den weiteren Siegerprojekten gehört «Entscheidungshilfen Kesb» von Marcel Meier Kressig, Studiengangleiter MSc soziale Arbeit. Er erklärt: «Die Kesb steht oft vor Situationen, in denen sie Entscheidungen treffen muss, die nicht ganz eindeutig sind. Mit unserem Projekt möchten wir herausfinden, was für Entscheidungen das sind.» In einem späteren Schritt werden Typen von Entscheidungsproblemen definiert und entsprechende Hilfen entwickelt. Diese sollen der Kesb im Entscheidungsprozess eine «Sicherheit in der Ungewissheit» geben.

Das vierte Projekt heisst «Kompass Verdichtung» von Nicola Hilti und Eva Lingg, wissenschaftliche Mitarbeiterinnen der FHS. Hilti sagt: «Wir wollen einen Beitrag zum guten Zusammenleben in baulich verdichteten Siedlungen leisten.» In der Partnerstadt Adliswil stelle sich zum Beispiel die Frage, wie ein zentral gelegenes, bebautes Quartier mit rund 30 Grundeigentümern aufgewertet werden könne. «Gemeinsam mit den beteiligten Akteuren suchen wir nach passenden Lösungen, wie die Innenentwicklung erfolgreich umgesetzt werden kann.» Es werde ein Instrument entwickelt, mit dem weitere Gemeinden bei der Umsetzung von Verdichtungsprojekten begleitet werden können.

Die Umsetzung läuft bereits

Alle vier Siegerprojekte der FHS St. Gallen sind bereits in der Umsetzungsphase. Sie werden mit insgesamt 1,2 Millionen Franken unterstützt. Das Projekt «Kontinenzförderung nach Schlaganfall» erhält mit 300 000 Franken den höchsten Beitrag.

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