ERB-KONKURS: Schloss Eugensberg ist noch wertvoller als vermutet

Die Denkmalpflege hat Schloss Eugensberg unter die Lupe genommen. Resultat: Das Schloss samt Park sei ein Denkmal von nationaler Bedeutung. Im Frühling soll es auf den Markt kommen.

Ida Sandl
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Prachtvoll: Die Eingangshalle von Schloss Eugensberg in einer historischen Aufnahme, die im Buch "Eugensberg. Ein Schloss und 2500 Jahre Geschichte" von Rudolf Marti im Jahr 1997 erschienen ist. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Prachtvoll: Die Eingangshalle von Schloss Eugensberg in einer historischen Aufnahme, die im Buch "Eugensberg. Ein Schloss und 2500 Jahre Geschichte" von Rudolf Marti im Jahr 1997 erschienen ist. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Schloss Eugensberg ob Salenstein ist begehrt: Noch ist es nicht einmal offiziell ausgeschrieben, da haben sich bereits um die zwei Dutzend Kaufinteressierte aus dem In- und Ausland gemeldet. Nicht alle wollen das Schloss, auch das Landwirtschaftsland ist  gefragt. Alles zusammen umfasst mehr als 80 Hektaren.

Konkursamt,  Gläubigervertreter und Makler (der Auftrag ging an die Ginesta Immobilien in Küssnacht) haben deshalb entschieden, dass der einstige Besitz von Rolf Erb bei Bedarf auch in Teilen verkauft werden kann. Das gilt für den Gutsbetrieb, der aus Wohnhaus, Scheune und Nebengebäuden besteht, das Badehaus direkt am Untersee, eine Baulandparzelle, die ehemalige Burg Sandegg sowie das Landwirtschaftsland, die Wälder und den Weiher.
 

Wer möchte, kann alles kaufen

Das Herzstück ist aber Eugensberg. "Das Schloss hat Priorität", sagt Martin Wenk, Abteilungsleiter des Thurgauer Konkursamtes. Will der Käufer des Schlosses den gesamten Betrieb, dann sei das möglich. Es dürfte aber schwierig werden, denn das Landwirtschaftsland untersteht dem bäuerlichen Bodenrecht und damit sind Auflagen verbunden. Der künftige Eigentümer muss zum Beispiel Landwirt sein.

Offiziell auf den Markt kommt Eugensberg erst im Frühling 2018. Rolf Erb hatte fast bis zu seinem Tod im April dieses Jahres den Auszug hinausgezögert. Seine Frau und seine Kinder haben das Schloss Ende August verlassen.

Seitdem laufen die Vorarbeiten für den Verkauf und die sind zeitintensiver als erwartet. Aufwendig waren vor allem die Abklärungen der Denkmalpflege. Sie legt fest, welche Gebäude geschützt und wo bauliche Veränderungen möglich sind – wichtig zu wissen für einen Käufer.

Die Abklärungen der Denkmalpflege haben gezeigt, dass Eugensberg wertvoller ist als ursprünglich angenommen. "Das Schloss und der Park sind Denkmäler von nationaler, wenn nicht sogar internationaler Bedeutung", sagt Rechtsanwalt Mat­thias Hotz. Er vertritt die Gläubiger und ist von daher interessiert, dass der Verkauf möglichst viel einbringt. Zumal seine Mandanten schon seit vielen Jahren auf ihr Geld warten müssen. Einen Betrag nennt auch Martin Wenk vom Konkursamt nicht. Er sagt nur: "Wir haben gewisse Vorstellungen."

Vorstoss: Eugensberg für die Thurgauer öffnen

In den 30er-Jahren hätte der Kanton Thurgau Schloss Eugensberg kaufen können. Für 600'000 Franken hat die Witwe von Hippolyt Saurer den Besitz angeboten. Der Thurgau lehnte ab. Die Gelegenheit ist vorbei, vor allem zu diesem Preis. Die Regierung solle trotzdem darüber nachdenken, ob sie sich in irgendeiner Weise am ­Besitz des Schlosses beteiligen könne. Das schlägt der Weinfelder CVP-Kantonsrat Ulrich Müller in der Interpellation vor, die er am Mittwoch eingereicht hat. "Eugensberg ist ein Denkmal architektonischer und handwerklicher Vielfalt des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts", schreibt Müller. Er könnte sich ­einen öffentlichen Zugang zum Schloss oder Park vorstellen.
"Wir sind in Kontakt mit dem Regierungsrat", sagt Matthias Hotz, der Anwalt der Gläubiger. Er bezweifelt, ob der Kanton mitbieten könne auf dem Markt. Es gehe auch nicht nur um den Erwerb.  "Es braucht ein Konzept, wie man das Schloss nutzen und unterhalten möchte." Es gebe aber Einzelobjekte aus dem Besitz, die für den Kanton interessant sein könnten, sagt Hotz. Dazu zählt er etwa die Aussichtsplattform bei der ehemaligen Burg Sandegg. Hotz ist jedenfalls gespannt, wie die Regierung den Vorstoss beantwortet. (san)