Er rappt mit den Legenden

Der Wattwiler Rapper Babo arbeitet mit den ganz Grossen des Hip-Hops.

Christoph Renn
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schnitt - Rami Polat

schnitt - Rami Polat

«Hip-Hop ist meine persönliche Therapie», sagt Rami Polat. Als Rapper Babo schreibt er eigene Songs und verarbeitet so seine Probleme. Die Inspiration für seine Texte liefert ihm seine Umwelt. Ihn beschäftigen Themen wie die Familie, die Vergangenheit oder Zukunftsperspektiven. «Ich möchte keine Texte über Party, Sex oder Drogen schreiben, denn ich muss hinter meinen Liedern stehen können.»

Er rappt auch in Türkisch

Beruflich programmiert Babo Maschinen, die Sonden für Satelliten herstellen. Das Interesse für den Hip-Hop erweckte sein Bruder. «Er war mein Vorbild, und ich wollte die gleiche Musik hören wie er.» Babo war begeistert von der Szene, worauf er Breakdance- Kurse belegte. Heute rappt Rami Polat auch in Türkisch, aber das Schweizerdeutsch liegt ihm besser. «Die türkische Sprache hat zwar einen schönen Sound, doch wenn ich mir einen neuen Song überlege, denke ich immer zuerst auf Schweizerdeutsch.» Jasienko Karalic «Mean2k» nimmt die Songs auf und mischt sie ab. Zusammen haben sie bereits drei Alben veröffentlicht. Mit dem neuesten Album «Legends never die» erfüllt sich Babo einen Traum, denn er arbeitet mit Hip-Hop-Legenden zusammen: Toni L., Akil the MC von Jurassic 5, Black Tiger, Freeman oder Lords of the Underground sind nur einige seiner Partner.

Plötzlich waren sie in Wattwil

Kontakt hat er mit den meisten per E-Mail aufgenommen. «Ich schickte ihnen ein paar Tracks von mir und fragte sie, ob sie Lust hätten, einige Songs mit mir aufzunehmen.» Rami Polat glaubte es zu Beginn selbst nicht, als sie ihm zurückschrieben und schon bald im Studio in Wattwil standen. «Anfangs zitterten mir die Knie, aber als ich merkte, wie normal und aufgeschlossen die berühmten Rapper sind, hat sich die Nervosität gelegt.» Was anderen Künstlern nicht einmal mit grossem Label und Produzenten gelingt, hat Babo alleine auf die Beine gestellt. Er hat auch deshalb mit Rappern gearbeitet, die bei den Anfängen des Hip-Hops dabei waren, weil sie die gleiche Faszination und Leidenschaft mit ihm teilen. «Hip-Hop ist viel mehr als halbnackte Frauen und teure Autos.»

Er half im Jugendzentrum mit

Neben der Musik will Babo den Jugendlichen von «Totenburg», wie er das Toggenburg nennt, zeigen, dass mit Einsatz und Leidenschaft alles möglich ist. Er arbeitete drei Jahre lang im Jugendzentrum in Wattwil, wo er Hip-Hop-Workshops organisierte. «Es erfüllt mich mit Freude, wenn ein Jugendlicher zu mir kommt und sagt, dass er dank mir seine Leidenschaft und neue Hoffnung gefunden hat.»

Er ist sehr stolz auf das, was er bisher erreicht hat, obwohl sein Leben nicht immer einfach war. «Irgendwann musste ich mir sagen, dass ich mein Leben selbst in die Hand nehmen muss.» Genau diese Message kommt auch in seinen Liedern raus. Sich etwas zuzutrauen und den Kopf nicht in den Sand zu setzen. Da er noch kein Label hat, zahlt Babo alles selber. «Innerlich bin ich bereits Milliardär, und das kann mir niemand mehr wegnehmen.»

Babo: Legends never die, erhältlich ab Ende März

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