Er lässt nicht vom Weg ab

Ohne Willi Marthy wäre Wandern eine Herausforderung. Er hält die Pfade in Schuss – montiert Wegweiser, malt Markierungen und stiftet Orientierung. Eine Aufgabe nicht ganz ohne Hürden.

Jolanda Riedener
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Eine Arbeit mit Panoramablick: Willi Marthy wechselt im Sarganserland Wegweiser aus und markiert Wanderwege. (Bild: JOLANDA RIEDENER)

Eine Arbeit mit Panoramablick: Willi Marthy wechselt im Sarganserland Wegweiser aus und markiert Wanderwege. (Bild: JOLANDA RIEDENER)

Diese Vielfalt: Am flachen Seeztal am Ufer des Walensees vorbei schlängelt sich die immer schmaler werdende Strasse von Quarten hoch ins grüne Paradies. In dieser Gegend treffen schneebedeckte Berge auf den 100 Meter tiefen Walensee. Mitten in dieser Umgebung ist jemand, der jeden Stein auswendig kennt. Mindestens jene, die auf einem Wanderweg liegen. Manche pinselt Willi Marthy, Regionenchef der St. Galler Wanderwege, auch an. Sein Job ist es, alle Wanderwege in der Region Sarganserland-Seez zu markieren, damit die Wanderfreunde nicht vom Pfad abkommen.

Willi Marthy ist Regionenchef der St.Galler Wanderwege. Wir haben ihn bei einer Tour begleitet. (Bild: Jolanda Riedener)
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Willi Marthy ist 66 Jahre alt und gelernter Förster. Er ist ein Naturmensch und sorgt dafür, dass die Wanderwege korrekt markiert sind. (Bild: Jolanda Riedener)
Wir starten auf 1156 Metern über Meer in Rüedisboden, oberhalb von Quarten. Erst werden die alten Wegweiser abmontiert. (Bild: Jolanda Riedener)
Dieser Wegweiser aus Metall wird ebenfalls ersetzt. Die linke Kante zeigt, dass der Wegweiser bereits einmal abgebrochen ist. (Bild: Jolanda Riedener)
Sind die Alten weg, montiert Marthy die Neuen. Diese Arbeit fällt ihm in der idyllischen Alpenlandschaft leicht. (Bild: Jolanda Riedener)
Die neuen modernen Wegweiser haben keine geprägte Schrift mehr. Die Buchstaben und Piktogramme sind aufgedruckt. (Bild: Jolanda Riedener)
Willi Marthy montiert die Wegweiser, schiebt sie danach hoch und befestigt sie. (Bild: Jolanda Riedener)
Die Wegweiser sind an der Spitze rot-weiss bemalt. Auch die Eisenstange trägt diese Markierung. Das bedeutet, dass es sich hierbei um einen Bergweg handelt. (Bild: Jolanda Riedener)
Die weiss-rot-weiss markierten Bergwege sind oft steil aber in der Regel gut zu erkennen und markiert. Gutes Schuhwerk und wetterfeste Kleidung ist auf diesen Wegen immer zu empfehlen. (Bild: Jolanda Riedener)
Willi Marthy kontrolliert, ob alle Wegweiser gut halten und ob sie von jeder Seite her gut sichtbar sind. (Bild: Jolanda Riedener)
Die neuen Wegweiser sind auf beiden Seiten bedruckt. So sehen die Wanderer, egal woher sie kommen, wo es lang geht. (Bild: Jolanda Riedener)
Fürs Protokoll fotografiert Willi Marthy alle neu montierten Wegweiser. (Bild: Jolanda Riedener)
Die Aussicht von Rüedisboden lässt den Walensee in der Morgensonne besonders schön erscheinen. (Bild: Jolanda Riedener)
Die Sonnenseite des Walensees ist von dieser Seite gut sichtbar. (Bild: Jolanda Riedener)
Eine Wegmarkierung auf einem Stein. (Bild: Jolanda Riedener)
Hier wurde die Markierung an einem Baum vorgenommen. Vor kurzem wurde dieser Baum gefällt, die Förster haben dabei Rücksicht auf die Markierung genommen. (Bild: Jolanda Riedener)
Die Farbe trägt Willi Marthy in einem Holzgestell mit. (Bild: Jolanda Riedener)
Klebeband, rote und weisse Farbe sowie eine Bürste gehören in das Holzgestell. Mit der Bürste entfernt Marthy das Moos auf den Steinen. (Bild: Jolanda Riedener)
Auf Steinen verwittert die Markierung jeweils stark. Deshalb werden sie jährlich kontrolliert und übermalt. (Bild: Jolanda Riedener)
Im Rucksack sind die Wegweiser und das Werkzeug versorgt. (Bild: Jolanda Riedener)
Die Markierung bietet einen Kontrast zur grünen Umgebung. (Bild: Jolanda Riedener)
Manchmal gibt es keinen Baum oder Stein, der sich für eine Markierung eignet. Dann schlagen die Verantwortlichen einen Pfahl in den Boden. (Bild: Jolanda Riedener)
Bäume eignen sich gut für eine Markierung. (Bild: Jolanda Riedener)
Die Farbe wieder gut zudrücken, damit nichts ausläuft. (Bild: Jolanda Riedener)
Am Baum wird auf Augenhöhe markiert. Es befindet sich auf beiden Seiten des Stammes ein Orientierungszeichen. (Bild: Jolanda Riedener)
Eine gute Ausrüstung ist für Wanderer das A und O. (Bild: Jolanda Riedener)
Hier wird ein Weg repariert: Das gehört nicht in den Aufgabenbereich von Willi Marthy und seinen Kollegen. Sie sind nur für die Markierung zuständig. (Bild: Jolanda Riedener)
Hier wird der zweite Wegweiser montiert. Willi Marthy ist genug gross um sie zu befestigen. Andernfalls würde er sich mit einem Baumstrunk zu helfen wissen. (Bild: Jolanda Riedener)
Ein Blick von unten in den Himmel. (Bild: Jolanda Riedener)
Willi Marthy kontrolliert, ob alles fest hält. (Bild: Jolanda Riedener)
Geschafft: Alle Wegweiser sind montiert. Jetzt nimmt er den Weg in Richtung Tal auf sich. (Bild: Jolanda Riedener)

Willi Marthy ist Regionenchef der St.Galler Wanderwege. Wir haben ihn bei einer Tour begleitet. (Bild: Jolanda Riedener)

Oben im Rüedisboden angekommen, riecht die Luft nach Wald und Gras. Hier, oberhalb von Oberterzen, muss der erste Wegweiser ersetzt werden. In schwarzen, geprägten Buchstaben stehen Ort und Wanderzeit auf gelbem Grund. Ein Piktogramm zeigt an: Es gibt ein Restaurant. Auf den neuen Metallschildern sind die Angaben nur noch aufgedruckt. Hergestellt werden sie in Lütisburg und Grabs. Nach ein paar Handgriffen sitzen die Wegweiser auf der Eisenstange. Marthy überprüft, ob die beidseitig bedruckten Tafeln von überall her gut sichtbar sind.

Markierer arbeiten ehrenamtlich

«Ich kann die Wanderungen planen, wie es mir gefällt», sagt der pensionierte Förster über seinen Schönwetterjob. Wandern sei schon lange ein Hobby von ihm. Seit drei Jahren ist der 66-Jährige nun schon Regionenchef. Auf seine 14 ehrenamtlichen Helfer ist er angewiesen – sie laufen jährlich jeden Wanderweg in der Region ab und setzen neue Markierungen.

Die Strahlen der Morgensonne wärmen. Über einen schmalen Pfad geht es mit dem Rucksack bergauf – im Gepäck sind Werkzeug und die nagelneuen Wegweiser. In der linken Hand trägt Marthy die Farbe und Pinsel in einem Holzgestell. Äste knacken unter den Wanderschuhen. «Auf den Steinen ist die Farbe der Verwitterung am stärksten ausgesetzt», sagt er und pinselt drauflos. Gut, dass es trocken ist: Würde es regnen, verliefe die Farbe.

Hindernisse aus Holz

Plötzlich gibt es in einem steilen Waldstück kein Durchkommen auf dem Wanderweg mehr: Hier wurde kürzlich geholzt. Auf einem Baumstrunk ist die weiss-rot-weisse Markierung noch zu sehen. Mit einem Bogen weicht Marthy dem Tannenholz aus – es geht steil über den Waldboden, der Wanderpfad ist mit Baumstämmen und Ästen versperrt. Marthy greift zum Hörer. «Ich wollte fragen, wann ihr hier aufräumt», sagt er zum Förster. Alles klar: In den nächsten Tagen werde das Holz weggeräumt.

Der Holzschlag beschädige manchmal die Wegweiser. Seltener gebe es Vandalen. «Ist der Wegweiser einmal zerkratzt, beginnt er zu rosten und muss ersetzt werden», sagt Marthy. Das ärgert ihn. Es geht weiter aufwärts. Schweissperlen sammeln sich auf der Stirn. Jede Markierung wird kontrolliert. Zivilschutzmitarbeiter sind mit Pickel und Schaufel dabei, einen beschädigten Weg zu reparieren. Für den Unterhalt der Wege sind die Gemeinden zuständig.

Mutterkühe und Wildtiere

«Will man Tiere sehen, ist früh aufstehen Pflicht», sagt der ehemalige Förster. Kuhherden treffen die Wanderer hingegen nicht immer gerne an. Auch im Gebirge gebe es vermehrt Mutterkuhhaltung, diese sei nicht ungefährlich. «Keinesfalls sollte man die Kälber in der Anwesenheit der Mutter streicheln», sagt Marthy. Ideal sei es, wenn die Kühe vom Wanderweg ausgezäunt seien. Ansonsten gilt: Abstand halten. Manchmal begleiten ihn seine Frau oder die Enkelkinder auf einer Tour. «Zu meinen Aufgaben gehören allerdings auch viele administrative Arbeiten.» Der Kontakt mit den Behörden sowie die Materialorganisation nehme mehr Zeit in Anspruch, als er sich vorgestellt habe.

Jeder Wegweiser ist verzeichnet

Nachdem Willi Marthy den zweiten Wegweiser montiert hat, verdecken Wolken die Sonne, und der Schatten kühlt wohltuend. Im Gebiet Sarganserland-Seez ist jeder der 300 Wegweiser numeriert und verzeichnet. Marthy bestellt die Wegweiser und verteilt sie an seine pensionierten Kollegen. Sie erhalten als ehrenamtliche Mitarbeiter vom Verein St. Galler Wanderwege einen Stundenlohn von 17 Franken. Die Mitarbeiter mussten einen Kurs belegen: Auf eine einheitliche Markierung der Wege wird Wert gelegt.

Wenn ein Wanderweg verlegt werden muss, ist es an den Regionenchefs, mit den Grundbesitzern in den Dialog zu treten. Das kommt laut Viktor Styger, Geschäftsführer des Vereins St. Galler Wanderwege, zum Beispiel dann vor, wenn ein Grundeigentümer einen Weg teeren lassen will. Er wird dann ersatzpflichtig, und Willi Marthy bemüht sich um die Verlegung. «Auch auf einem Privatgrundstück muss der Wanderweg frei und gefahrenlos begangen werden können», sagt Styger. Auch sei man bestrebt, dass Wanderwege möglichst durch die Natur führen. Gut für Willi Marthy, denn das Erleben der Natur ist es, was ihm bei seiner Arbeit am meisten Freude macht.

Wie ein Weg gekennzeichnet wird, will gelernt sein. (Bild: Steve Heller)

Wie ein Weg gekennzeichnet wird, will gelernt sein. (Bild: Steve Heller)

Die Markierungen werden in Weiss und Rot gemalt. (Bild: Steve Heller)

Die Markierungen werden in Weiss und Rot gemalt. (Bild: Steve Heller)