Er hatte ein Waffenlager unter seinem Bett und in Unterwasser ein Neonazi-Konzert organisiert: Jetzt wird der Deutsche des Landes verwiesen

Wegen eines Waffenlagers unter dem Bett und der Verharmlosung des Vernichtungslagers Auschwitz hat sich ein deutscher Neonazi vor dem Bezirksgericht Hinwil verantworten müssen. Der Angeklagte war 2016 der Organisator des «Rocktoberfests» im Toggenburg. Er wird zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 16 Monaten verurteilt und wird für zehn Jahre des Landes verwiesen.

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«Er gibt sich seriös, aber er ist zweifellos ein Nazi», sagte der Staatsanwalt über den Angeklagten.

«Er gibt sich seriös, aber er ist zweifellos ein Nazi», sagte der Staatsanwalt über den Angeklagten.

Symbolbild: David Goldman/AP

(sda/lim) Für den Staatsanwalt war klar, dass kein rechtschaffener Bürger neben ihm im Gerichtssaal sass. «Er gibt sich seriös, aber er ist zweifellos ein Nazi», sagte er über den 32-Jährigen aus Thüringen, der für einige Jahre im Zürcher Oberland wohnte und den deutschen Behörden seit längerem bekannt ist.

Beim 32-Jährigen handelt es sich um jenen Neonazi, der 2016 für unrühmliche, internationale Schlagzeilen aus der Schweiz sorgte. Er organisierte im Toggenburg das «Rocktoberfest». Bei diesem Aufmarsch trafen sich mehrere Tausend Neonazis, um in der Tennishalle «abzuhitlern». Er habe nicht gewusst, dass so viele Leute kommen würden, sagte der Beschuldigte dazu. Eingeladen waren «nur» 800.

2000 Schuss Munition

Die Tätowierungen sprechen für sich. Der Deutsche mit dem Schnäuzchen trägt Hakenkreuze und Fritz Sauckel, den NSDAP-Gauleiter aus Thüringen, auf der Haut. Das frühere Facebook-Profil des gelernten Kochs lautete auf den Namen «Rechtzman Skinboi», seine Freunde sind gemäss Staatsanwalt «das Who is Who» der Nazi-Szene. Vor Gericht stand er jedoch nicht wegen seiner Tätowierungen oder seiner Freunde, sondern wegen eines Waffenlagers unter dem Bett. Die Polizei fand ein Sturmgewehr, eine Maschinenpistole sowie fast 2000 Schuss Munition. Was er damit vorhatte, wissen die Behörden nicht.

Angeklagt ist er auch wegen eines Facebook-Posts, in dem er einen Zeitungsbericht über eine Auschwitz-Überlebende mit einem «Facepalm»-Emoji kommentierte, also mit dem Zeichen für «sich an den Kopf fassen». Dazu stellte er die Bemerkung, dass ja sieben Millionen Juden überlebt hätten. Für den Staatsanwalt ist klar, dass er habe suggerieren wollen, dass es in Auschwitz ja gar nicht schlimm gewesen sei. Schliesslich hätten viele Juden überlebt. Der Deutsche ist deshalb wegen Vergehen gegen das Waffengesetz und Rassendiskriminierung angeklagt.

Landesverweis von 14 Jahren

Der Staatsanwalt forderte dafür eine Freiheitsstrafe von 32 Monaten. Davon soll er 16 Monate absitzen. Die restlichen 16 Monate sollen bedingt verhängt werden, mit einer Probezeit von vier Jahren. Üblich sind zwei oder drei Jahre. Der Staatsanwalt beantragt zudem einen Landesverweis von 14 Jahren. Das ist nur ein Jahr weniger als das erlaubte Maximum. «Seine Ausreise ist zu begrüssen. Wir werden ihm keine Träne nachweinen», sagte der Staatsanwalt.

Der Neonazi lebt bereits seit Februar wieder in Thüringen, seine Zelte in der Schweiz hat er abgebrochen. Er könnte sich somit auch nicht auf das Freizügigkeitsabkommen berufen und wäre mit einem Rekurs gegen den Landesverweis wohl chancenlos. In seiner Heimat ist er derzeit ohne Stelle, er lebt von Hartz-IV-Arbeitslosengeld.

«Ich lasse mich nicht schubladisieren»

Der Beschuldigte stritt - wenig überraschend - ab, ein Neonazi zu sein. «Ich lasse mich nicht schubladisieren», sagte er. Seine Tätowierungen seien keineswegs Zeichen für Hass oder Gewalt. Das Hakenkreuz etwa sei ja bekanntlich ein Sonnen-Symbol. Er sympathisiere lediglich «mit den positiven Aspekten jener Zeit», etwa Ehre und Treue, das gebe es heutzutage nicht mehr. Auch die Tätowierung von SS-Obergruppenführer Sauckel ist für ihn «kein Zeichen dafür, dass ich Massenmord gutheisse».

Er gab zu, den Facebook-Post zu Auschwitz gemacht zu haben. Allerdings nur, weil er sich darüber genervt habe, dass man jeden Tag noch über diese Zeit lesen müsse, die ja nun schon 80 Jahre her sei. «Als ob wir keine anderen Probleme auf der Welt hätten.» Beim Thema Waffenlager verweigerte er die Aussage. Allerdings gab es da auch wenig abzustreiten, weil seine DNA auf allen Waffen sichergestellt worden war. Sein Anwalt forderte deshalb wegen Widerhandlung gegen das Waffengesetz eine Geldstrafe, 100 Tagessätze zu 10 Franken, bedingt bei einer Probezeit von drei Jahren.

Freiheitsstrafe und Landesverweis

Am Dienstag folgte nun das Urteil gegen den Angeklagten, wie der «Blick» schreibt: 16 Monate bedingte Freiheitsstrafe und ein Landesverweis für zehn Jahre. Vom Vorwurf der Rassendiskriminierung sei er freigesprochen worden.

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