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Er hat den Fussball gehasst

Innenverteidiger Stefan Lukic spielt gewohnt solid bei Widnaus erstem Saison-Heimsieg, dem 3:2 gegen Bassersdorf.
Beni Bruggmann

Allerdings erleidet Lukic einen finanziellen Rückschlag: 50 Franken Busse für eine Verwarnung. Am ersten Spieltag wird er mit der gelb-roten Karte vom Platz gestellt. In den weiteren Spielen holt er noch zwei Gelbe. Nach dem Match kommt er zum Gespräch. Überall am Körper grosse Tattoos. Stefan Lukic, ein Raubein? Ein Rebell? Klären wir zuerst die gelbe Karte. Gegen den FC Bassersdorf spielt er 90 Minuten lang überlegt, diszipliniert, ruhig, fast fehlerfrei.

Nur einmal kommt er mit dem Schiedsrichter «ins Gespräch». Dieser hört Kritik heraus und verwarnt ihn. «Verwarnungen wegen Reklamierens müssen wir selber bezahlen», sagt er, «der angesammelte Betrag wird Ende Saison fällig.» In der letzten Saison wurde er nur viermal verwarnt. Also: Kein Raubein.

In Widnau aufgewachsen und ausgebildet worden

Stefan kommt 1992 in Heiden zur Welt. Die Familie Lukic zügelt wenig später nach Widnau, wo er die Schulen besucht und später bei SFS die Lehre als Polymechaniker macht. Heute arbeitet Stefan Lukic in seinem Beruf bei Heule Werkzeug AG in Balgach.

«Ich bin ein Widnauer», sagt er, obwohl es in seinem Fussball-Lebenslauf «Bosnien-Herzegowina» heisst. Von dort sind die Eltern zwei Jahre vor seiner Geburt in die Schweiz gezogen. Zuerst spielt er kurz beim FC Au-Berneck, nachher als Junior beim FC Widnau. Leidenschaftlich. Als 17-Jähriger steht er bei seinem Stammverein schon in der ersten Mannschaft.

Er hat Talent. Und er möchte eine Karriere als Fussballer machen. Der Schritt misslingt. Beim Erstligisten Eschen-Mauren startet er hoffnungsvoll, doch werfen ihn Zerrungen immer wieder zurück. Konstanz ist nicht möglich. Also kehrt Lukic heim zum FC Widnau. Er macht die ganze Vorbereitung mit, sitzt aber beim ersten Spiel auswärts gegen Linth nur auf der Bank. Da platzt ihm der Kragen. Er läuft davon. «Es war ein Fehler», weiss er heute. Von Fussball will er nichts mehr wissen: «Ich habe den Fussball gehasst. Ich hatte das Gefühl, er sei an allem schuld.»

Den Ball gegen Hanteln eingetauscht

Dann stürzt sich Stefan Lukic ins Bodybuilding: «Ich war sechsmal pro Woche im Kraftraum.» Gewichte bestimmten das Training und Eiweiss den Menüplan. Die Muskeln wurden kräftiger, und das Gewicht schnellte in die Höhe. 106 Kilogramm! «Es war übertrieben und völlig ungesund.» Er überlebt drei fussballlose Jahre, dann kehrt er in den Fussball zurück.

«Hanteln sind keine guten Kollegen», sagt er heute, «mir fehlte das Team, fehlten die Mitspieler.» Der FC St.Margrethen bereitet ihm den Weg zurück. Trainer Dorde Duvnjak und Captain Besart Shoshi kümmern sich um ihn. Die Kilos schwinden, aus dem Standfussballer wird ein «normaler» Fussballer, der zu Widnau zurückkehrt. Als Verteidiger. Als Stefan Lukic den Verein als junger Spieler im Ärger verlassen hatte, war er noch ein Offensiver. Im Spiel vom Sonntag gegen Bassersdorf fallen Stefan Lukics Ruhe und seine präzisen weiten Bälle auf. Der 26-Jährige ist nicht der Schnellste, hat aber Routine und gewinnt so manchen Zweikampf. Er spielt keine Alibipässe, sondern versucht mit jedem Zuspiel den Gegner zu überraschen, das Spiel zu öffnen. Das gelingt in der 70. Minute besonders gut. Sein weiter Ball über die ganze Breite erreicht Lars Ivanusa, der zum 2:1 trifft.

Körper voller Tattoos mit christlichen Motiven

Das Gespräch zeigt: Stefan Lukic ist ein impulsiver, manchmal auch rebellischer junger Mann. Bei genauer Betrachtung seiner vielen Tattoos staunt man. Ein Kreuz, die Muttergottes, Christus. «Ich wünsche mir, dass sie unsere Familie beschützen. Wir sind serbisch-orthodoxe Christen.» Stefan lebt immer noch daheim. Da ist Slavica, die Mutter und Hausfrau («und beste Köchin»), ist Vater Milutin («hat auch Fussball gespielt, ist mein Vorbild») und ist der jüngere Bruder Igor. Ein wenig helle Lukic-Haut gibt es noch, also Platz für ein neues Tattoo. Das Thema ist klar: Fussball. Jetzt wieder geliebt.

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