Entzugsprogramm für Senioren

Bei Angstzuständen oder Schlafstörungen greifen viele ältere Menschen zu Medikamenten. Der regelmässige Konsum kann jedoch in eine Abhängigkeit führen. Ein Ostschweizer Arzt fordert nun ein altersgerechtes Entzugsprogramm.

Janique Weder
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Immer mehr ältere Menschen sind tablettenabhängig – auch in der Ostschweiz. (Bild: fotolia)

Immer mehr ältere Menschen sind tablettenabhängig – auch in der Ostschweiz. (Bild: fotolia)

ST. GALLEN. Sucht ist nicht nur ein Problem junger Menschen: Auch in der Ostschweiz sind viele Seniorinnen und Senioren tablettenabhängig. «Gründe für den Missbrauch gibt es viele», sagt Stephan Goppel, leitender Arzt der Gerontopsychiatrie der Klinik Wil. Dazu gehört nicht nur die Auseinandersetzung mit dem Tod oder der Verlust des Partners – alte Menschen sind oft auch einsam oder verlieren ihre Selbständigkeit.

Depressionen und Angstzustände sind die Folge. Zwar sind viele Menschen auf die Medikamente angewiesen, «zu alt für einen Entzug ist aber niemand», so Goppel. Dieser sei aber für ältere Menschen schwierig und langwierig. Thomas Münzer, Chefarzt der geriatrischen Klinik St. Gallen, wünscht sich deshalb Entzugsprogramme, die auf die Bedürfnisse älterer Menschen zugeschnitten sind. «Mit einem passenden Entwöhnungsprogramm wären ältere Menschen eher zu einem Entzug bereit», sagt der Arzt.

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