Entwicklung der Arbeitsplätze: Thurgauer Verwaltung wächst jedes Jahr um ein Prozent

Die Kantonsregierung legt einen Bericht über die Entwicklung der Arbeitsplätze in der Verwaltung vor. Insgesamt stellt der Kanton sich selbst ein gutes Zeugnis aus. Der Bericht zeige, dass sich der Stellenplan (Soll) parallel zur Bevölkerungszahl des Kantons entwickle.

Christian Kamm
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Die Anzahl kantonaler Stellen hat sich in den fünf Jahren zwischen 2013 und 2018 von 2597,5 auf 2731,6 erhöht. Das sind unter dem Strich 134,2 Stellen (4,9%) mehr oder jährlich ein durchschnittliches Plus von 26,8 (0,98%). Das zeigt ein Bericht, den die SVP-Kantonsräte Urs Martin (Romanshorn) und Aline Indergand (Altnau) eingefordert haben.

Bei diesen Zahlen handelt es sich um sogenannte Planstellen. Also jene, die budgetiert und bewilligt worden sind. Bei den effektiv besetzten Stellen sind die Zahlen zwar etwas tiefer, die Tendenz aber ist die selbe. Auch hier zeigt die Kurve nach oben und mit einem Plus von 151 sogar noch steiler als im Soll-Bereich (von total 2497,8 auf 2648,8). Im Schnitt beträgt die Steigerungsrate 30,2 Stellen (1,14%).

Gutes Zeugnis vom Kanton für den Kanton

Insgesamt stellt der Kanton sich selbst aber ein gutes Zeugnis aus. Der Bericht zeige, dass sich der Stellenplan (Soll) parallel zur Bevölkerungszahl des Kantons entwickle:

«In relativer Hinsicht bleibt die Kennzahl von 9,7 respektive 9,8 Mitarbeitenden pro 1000 Einwohner seit Jahren stabil.»

Angesichts der in diesem Zeitraum dem Kanton zugeteilten neuen Aufgaben sei dies positiv zu werten. «Insgesamt zeigt der Bericht keine signifikanten Auffälligkeiten», was den Schluss nahelege, dass die vorhandenen Instrumente genügten. Deshalb: «Der Regierungsrat wird die Politik fortsetzen, dass das Stellenwachstum nicht überproportional zur Bevölkerungsentwicklung erfolgen soll, und jede einzelne Stelle einzeln zu begründen ist und im Regierungsrat kritisch diskutiert wird.»

Urs Martin behält Erkenntnisse noch für sich

Der mitten im Regierungsratswahlkampf steckende Urs Martin will sich auf Anfrage nicht inhaltlich zum Bericht äussern. Er halte ihn aber für «sehr informativ, umfassend und gut». Er habe zahlreiche Erkenntnisse und Schlüsse daraus gezogen, die er zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht in der Presse zum Besten geben wolle. «Falls es mit der Wahl klappt, werde ich sie dann als Führungsunterstützung verwenden», sagt Martin.

Indergand: Reduktionen gibt es keine

Deutlicher wird Aline Indergand. Auch sie lobt die Zusammenstellung der Regierung grundsätzlich. Hat aber bei der Lektüre festgestellt, dass zum einen befristete Arbeitsplätze häufig in unbefristete umgewandelt würden. Das sei jeweils in der Budgetphase nicht transparent. Auch hätten auf den ersten Blick verschiedene Ämter Stellen reduziert, «dabei sind sie nur verlagert worden».

Echte Reduktionen gebe es keine, was aber notwendig wäre. Schliesslich wolle der Thurgau ein Kanton der kurzen Wege sein, so Indergand. Da könne man mit konstanten Kennzahlen bei den kantonalen Stellen nicht zufrieden sein:

«Das ist mir definitiv zu wenig ehrgeizig.»

Differenziertes Bild in einzelnen Departementen

Aufschlussreich ist für die SVP-Kantonsrätin zudem, dass das Departement für Justiz und Sicherheit (DJS) und das Departement für Inneres und Volkswirtschaft (DIV) beim Stellenwachstum schlechter abschnitten als jene für Erziehung und Kultur (DEK) und für Finanzen und Soziales (DFS), welche beide von SVP-Regierungsräten geführt würden. In der Tat gibt es zwischen den Departementen signifikante Unterschiede. Bei den Ist-Stellen führt das DJS (+66,6; +7 %) den Stellenzuwachs über den Zeitraum der fünf Jahre an, vor dem DIV (+28,3; +12,2%), dem Departement für Bau und Umwelt DBU (+19,8; +7,7%), dem DFS (+18,1; +8,1%) und dem DEK (+5; +0,6%).

Nachgefragt: «Ständig neue Aufgaben»

Wie lautet Ihre Haupterkenntnis aus dem Bericht über die Stellenentwicklung?

Regierungspräsident Jakob Stark

Regierungspräsident Jakob Stark

Bild: PD

Jakob Stark: Insgesamt sind die Resultate so, wie ich sie erwartet habe. Der Staat muss ständig neue Aufgaben übernehmen, viele Aufgaben werden komplexer. Zudem wächst die Bevölkerung. Vor ein paar Jahren haben wir als Massstab eingeführt, dass das Stellenwachstum das Bevölkerungswachstum proportional nicht überschreiten darf. Das bewährt sich sehr gut.

Ist dieser Ansatz nicht zu wenig ehrgeizig?

Er ist das Minimalziel. Das Maximalziel müsste schon lauten, unterhalb dieser Wachstumsrate zu bleiben. Gewisse staatliche Grundaufgaben sind auch nicht von der Bevölkerungszahl abhängig. Je höher die Bevölkerungszahl ist, desto eher sollte man mit der Stellenentwicklung unter dem Bevölkerungswachstum bleiben können.

Kritiker des Kantons argumentieren, dass sich mit der Digitalisierung und deren Effizienzgewinnen Stellen sparen liessen.

In der Einführungsphase braucht die digitale Transformation eher mehr Stellen. Aber langfristig wird es an gewissen Orten weniger Leute brauchen. Umgekehrt eröffnet die Digitalisierung auch neue Möglichkeiten, was wiederum den Perfektionismus befördern könnte.

Dass sogar zusätzliche Aufgaben entstehen?

Genau. Man trifft dann Lösungen, die viel differenzierter und «gerechter» sind als früher, generiert so aber wieder Mehraufwand. Da halte ich dagegen und sage: Langfristig muss die Digitalisierung in jedem Bereich einen Effizienzgewinn darstellen. (ck)