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Engpässe beim Erdgas, weil deutsche Pipeline schwächelt: St.Galler Nationalrat Nicolo Paganini schlägt Alarm

Die wichtigste Pipeline für die Erdgasversorgung der Schweiz ist teilweise ausser Betrieb. Das führe zu Problemen und Mehrkosten, warnt der St.Galler Nationalrat Nicolo Paganini. Betroffen ist zum Beispiel der Industriebetrieb Weidmann in Rapperswil-Jona.
Adrian Vögele, Bern
Wenn Deutschland zu wenig liefert, muss die Schweiz Alternativen suchen: Erdgasstation in Schlieren. (KEYSTONE/Urs Jaudas)

Wenn Deutschland zu wenig liefert, muss die Schweiz Alternativen suchen: Erdgasstation in Schlieren. (KEYSTONE/Urs Jaudas)

Unsichtbar, flüchtig, unspektakulär: Erdgas spielt meistens eine Nebenrolle, wenn über die Energieversorgung gestritten wird. Es ist einfach da, es fliesst durch die Leitungen, man hat sich daran gewöhnt. Aber natürlich kommt das Gas von weit her: Die wichtigste Quelle für die Schweiz befindet sich an der deutschen Grenze in Wallbach. Hier mündet die Trans-Europa-Naturgas-Pipeline (Tenp) in die Schweizer Transitgasleitung. Doch mit diesem Zubringer gibt es ein Problem: er schwächelt.

Nicolo Paganini, St.Galler CVP-Nationalrat. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Nicolo Paganini, St.Galler CVP-Nationalrat. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Jetzt kommt das Thema in Bundesbern auf den Tisch. Nicolo Paganini, St.Galler CVP-Nationalrat und Präsident der IG Erdgas, verlangt Antworten vom Bundesrat. Die Schweiz müsse sich auf einen zuverlässigen Gasimport verlassen können, «vor allem aus Deutschland», heisst es in Paganinis Interpellation. Zwar besteht die deutsche Pipeline aus zwei Strängen. Doch die eine Röhre ist wegen Korrosionsschäden schon seit 2017 ausser Betrieb. Wenn dann noch Wartungsarbeiten an der zweiten Röhre stattfinden, kann es für die Schweizer Gasimporteure schwierig werden. Gaskapazitäten, die bereits gebucht waren, werden gekürzt.

St.Galler Firma zahlte viermal mehr als normal

Als einzige echte Alternative bleibt laut Paganini der Import aus Frankreich, über den Einspeisepunkt in Oltingue (siehe Karte). Doch diese Variante sei teuer und unflexibel. Die Importeure können dort nur Gaslieferungen über einen ganzen Monat buchen, auch wenn die Kapazität der deutschen Leitung nur für einige Tage reduziert wird.

Die Engpässe haben Auswirkungen auf die Industrie. Die Weidmann Gruppe mit Sitz in Rapperswil-Jona beispielsweise, die vor allem Isolationsmaterial aus Zellulose herstellt, verwendet Erdgas in der Produktion. Zwar sei das Gas stets geliefert worden, teilt das Unternehmen auf Anfrage mit – allerdings seien die Netzkosten viermal höher gewesen als im Normalfall, weil das Gas über Frankreich importiert werden musste. «Dass diese Mehrkosten auf die Industrie abgewälzt werden, ohne dass diese sich dagegen wehren kann, ist aus unserer Sicht nicht gerecht. Wir erwarten von der Politik und den Bundesbehörden, dass sie hier klare Spielregeln festlegen.» Auch sei es wünschenswert, dass die Schweiz Kapazitätsreserven für solche Fälle anlege, damit für die Industrie keine Kostenfolgen entstehen.

Stadtwerke haben sich früh eingedeckt

Zu einem effektiven Mangel an Gas sei es bisher nicht gekommen, sagt Rudolf Summermatter. Er ist Geschäftsführer der Erdgas-Handelsfirma Open EP, an der diverse Ostschweizer Energieversorger wie die St.Galler Stadtwerke und die Werkbetriebe Frauenfeld beteiligt sind. «Die Versorgungssicherheit konnte stets gewährleistet werden.» Man behalte die Entwicklung aber genau im Auge.

Für die Stadt St.Gallen zum Beispiel haben die Teilausfälle der deutschen Pipeline keine negativen Auswirkungen – dies weil sie einen grossen Teil ihres Gasbedarfs jeweils schon Jahre im Voraus bucht, wie Peter Graf, Marketingleiter der Stadtwerke, sagt.

Neue Leitung durch den Bodensee stand zur Debatte

Derweil arbeiten die deutschen Fernnetzbetreiber daran, das Problem mit der Pipeline zu entschärfen. Am Planungsprozess war auch die Schweiz beteiligt. Auf deutschem Gebiet sind nun verschiedene Ausbaumassnahmen vorgesehen – neue Leitungen und Querverbindungen zwischen den beiden Strängen der Tenp. «Auch eine Erhöhung der Kapazitäten am Grenzübergangspunkt Oltingue zwischen Frankreich und der Schweiz wird geprüft», sagt Daniela Decurtins, Direktorin des Verbands der Schweizerischen Gasindustrie.

Wie das Fachmagazin «Energate Messenger» schreibt, stand zudem eine neue Gasleitung durch den Bodensee zur Debatte. Die deutschen Netzbetreiber hätten diese Variante aber abgelehnt: Sie sei zu teuer und der Bau dauere zu lange.

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