ENERGIEWENDE: Zwei Städte sehen grün

Wenn Rorschach und St. Gallen die nationale Energiepolitik bestimmen könnten, würde die Laufzeit der Schweizer Atomkraftwerke befristet.

Regula Weik
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Vor 40 Jahren gab es Pläne für ein Kernkraftwerk in Rüthi. (Bild: F)

Vor 40 Jahren gab es Pläne für ein Kernkraftwerk in Rüthi. (Bild: F)

Regula Weik

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@tagblatt.ch

Zwei Städte haben am Wochenende anders getickt als die grosse Mehrheit im Kanton: Rorschach und St. Gallen haben als einzige der Initiative der Grünen zugestimmt und für einen raschen Ausstieg aus der Atomenergie votiert. Da wie dort war das Ergebnis knapp: In St. Gallen gab es 51,3 Prozent Ja-Stimmen für die Initiative, in Rorschach waren es 51 Prozent. Daraus einen St. Galler Stadt-Land-Graben in der Energiefrage abzuleiten, wäre allerdings verfehlt. Rapperswil-Jona als zweitgrösste Stadt im Kanton lehnte einen raschen Atomausstieg ab, genauso wie Altstätten, Gossau und Wil. Wenig Sympathien für das Anliegen gab es in Andwil, Niederbüren, Jonschwil, Mörschwil, Muolen und Waldkirch; in diesen Gemeinden lag der Ja-Stimmen-Anteil unter 30 Prozent.

Und wie stimmte Rüthi ab –jene Gemeinde, in der vor 40 Jahren ein Kernkraftwerk geplant gewesen war? Ein rascher Ausstieg aus der Atomenergie hatte in der Rheintaler Gemeinde keine Chance, 194 Ja-Stimmen stehen 488 Nein-Stimmen gegenüber.

Spital statt Kernkraftwerk

Doch auch die Kraftwerkpläne sind längst begraben; vor zwei Jahren wurden sie aus der verschütteten Erinnerung gezerrt - der damalige SVP-Präsident Herbert Huser hatte das Grundstück – Besitzerin ist der Energiekonzern Axpo – wieder «entdeckt» und als Standort für ein neues Spital ins Gespräch gebracht. Das Ansinnen war so erfolglos wie Mitte der 70er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts die Pläne, auf dem Gelände ein Kernkraftwerk zu erstellen. Es hatte sich massiver Widerstand formiert. Mindestens so vehement wie auf der Schweizer war die Opposition auf der Vorarlberger Seite des Rheins. «Rüthi nein» wurde zum geflügelten Wort, und noch lange nach dem Abflauen der Auseinandersetzung erinnerten da und dort verwitterte Plakate an die einstigen AKW-Pläne.