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Energiewende im Schneckentempo

Kommentar
Adrian Vögele
Genug Strom für ein 1000-Seelen-Dorf: Das Windrad in Haldenstein bei Chur, das Ostschweizer Projekten als Vorbild dient. (Bild: Benjamin Manser)

Genug Strom für ein 1000-Seelen-Dorf: Das Windrad in Haldenstein bei Chur, das Ostschweizer Projekten als Vorbild dient. (Bild: Benjamin Manser)

Bis zum Jahr 2050 bleibt noch viel Zeit. Auch für die Entwöhnung der Schweiz vom Atomstrom. So scheint es auf den ersten Blick. Doch die aktuellen Signale stimmen wenig optimistisch: Der Solarstrommarkt stagniert beinahe. Erst drei Prozent des nationalen Stromverbrauchs deckt er heute, bis 2050 sollen es 20 Prozent sein. Der Anteil der Windenergie ist noch geringer: Er liegt unter einem Prozent, sieben bis zehn Prozent strebt der Bund an. Damit setzt sich die Schweiz ein langfristiges Ziel, das etwa Nachbar Österreich bereits erreicht hat – und dies obwohl manche österreichische Bundesländer bei der Windenergie nicht mitmachen, wie beispielsweise Vorarlberg. Der Stromverbrauch der ganzen EU wird heute zu zehn Prozent aus Windenergie gedeckt. Es ist ärgerlich, dass ausgerechnet ein Land wie die Schweiz, das punkto Technologie an der Weltspitze steht, hier nicht mithalten kann.

In der Ostschweiz nimmt die Nutzung erneuerbarer Energien zwar zu, aber von Grossvorhaben hört man kaum mehr. Das Geothermieprojekt in St. Gallen ist begraben, jenes im Thurgau auf Eis gelegt. Die gigantische Solarstromanlage in einem Steinbruch am Walensee ist ebenfalls kein Thema mehr. Klar: Auch kleinere Anlagen produzieren Strom, und gerade bei der Fotovoltaik hat sich im Kanton St. Gallen in den vergangenen Jahren erfreu­licherweise einiges getan. Solarstrom hat allerdings den Haken, dass er im Winter deutlich abnimmt. Hier könnten Windkraftwerke helfen.

Doch gerade bei der Windenergie ist in der Ostschweiz bisher zu wenig passiert. Eine Handvoll grösserer Projekte ist in Vorbereitung, aber die Bedingungen werden eher schwieriger als einfacher. In einem vielbeachteten Fall im Kanton Freiburg hat das Bundesgericht zu Gunsten des Landschaftsschutzes entschieden und einen Windpark verhindert. Auch die Initianten des Windenergie-Projekts in Oberegg stellen sich bereits auf ein Gerichtsverfahren ein. Natürlich ist es richtig, dass dem Naturschutz gebührend Rechnung getragen wird. Doch die Frage, was das für die Energiewende bedeutet, ist noch nicht beantwortet. Auch darüber, ob Windräder hässlich seien oder nicht, lässt sich in der Ostschweiz trefflich streiten – solange der Strom aus Aargauer, Berner und Solothurner Kernkraftwerken noch fliesst.

Adrian Vögele

adrian.voegele

@tagblatt.ch

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