Kommentar

Coronakrise: Endlich zeigt die St.Galler Regierung Führungsstärke

Die St.Galler Regierung ergänzt das Unterstützungsprogramm des Bundes mit einem Massnahmenpaket mit Fokus auf die KMU. Das ist psychologisch geschickt.

Andri Rostetter
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Andri Rostetter

Andri Rostetter

Bild: Ralph Ribi

Von einer Regierung erwartet man, dass sie in einer Krise rasch, entschlossen und besonnen reagiert. Sie soll weder zögern noch in Aktivismus verfallen. Sie soll das Volk nicht warten lassen und nicht mit wolkigen Floskeln abspeisen. Wie das geht, hat der Bundesrat in den vergangenen Tagen gezeigt. Die klaren Ansagen aus Bern haben wohl entscheidend dazu beigetragen, dass die Solidarität sich schneller ausbreitete als das Virus selber.

Ganz anders die St.Galler Regierung. Sie wirkte wie ein Grüppchen subalterner Verwaltungsangestellter, die von der plötzlichen Führungserwartung komplett überrumpelt war. Das Reaktionstempo war desolat, die Auftritte verhaspelt, der Inhalt der Botschaften dürftig. Ausser ein paar wiedergekäuten Bundeshaus-Communiqués war aus der Pfalz wenig zu vernehmen.

Nun, so scheint es, hat die Regierung den Tritt endlich gefunden. Schnell ist sie zwar immer noch nicht. Nachdem der Bundesrat die Leitplanken für die Wirtschaftshilfe schon vor Tagen gesetzt hat, warten Tausende von St. Galler Unternehmen seit Tagen darauf, dass der Kanton nachzieht und die Hilfe konkretisiert. Klar, im Hintergrund läuft vieles. Wer aber auf schnelle finanzielle Unterstützung angewiesen ist, dem nützen die Verweise auf verwaltungstechnische Abläufe herzlich wenig.  

Das Hilfspaket, das die Regierung gestern präsentiert hat, trägt die Handschrift von Finanzminister Benedikt Würth. Der Kanton setzt damit nicht nur um, was der Bund vorgibt, sondern reagiert auf die Bedürfnisse der hiesigen Wirtschaft. Der Fokus auf KMU mit maximal fünf Millionen Franken Umsatz ist ein Signal, das psychologische Wirkung haben wird. Vielen Unternehmen, die am Rand der Verzweiflung stehen, dürfte das neuen Mut geben.

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