«Endlich herrscht Klarheit»: Kanton St.Gallen entschädigt Kitas für Corona-Ausfälle

Diese Woche genehmigte das Parlament auch Notkredite für die Kitas. Der Kanton St.Gallen delegiert das Verteilen des Geldes an die Gemeinden.

Janina Gehrig
Drucken
Teilen
Lange fühlten sich die Kita-Betreiber im Regen stehen gelassen. Endlich herrscht Klarheit über die Ausfallentschädigungen.

Lange fühlten sich die Kita-Betreiber im Regen stehen gelassen. Endlich herrscht Klarheit über die Ausfallentschädigungen.

Bild: Colin Frei/Oltner Tagblatt

Lange hatten die Kitas auf die Unterstützung des Bundes gewartet. Während für Unternehmen innert kurzer Zeit Notkredite gesprochen wurden, fühlten sich die Betreuungsinstitutionen im Regen stehen gelassen. Denn diese mussten auf Anweisung des Bundes trotz Corona-Pandemie weiterhin geöffnet bleiben, während den Eltern geraten wurde, die Kinder aufgrund der Ansteckungsgefahr wenn möglich zu Hause zu betreuen. So entgingen den Kitas Einnahmen, denn zunehmend waren die Eltern nicht mehr bereit, die vollen Kita-Kosten zu bezahlen. Einige Betreuungsverhältnisse wurden sogar gekündigt.

Seit vergangenem Dienstag ist nun klar: Das Parlament hat in seiner Sondersession auch für die Unterstützung von Krippen und Kitas Notkredite genehmigt – und zwar 65 Millionen Franken. Am Freitag hat der Kanton St.Gallen bestätigt, dass die öffentliche Hand für die Ertragsausfälle der Kitas aufkommen werde.

Die Bundesbeiträge werden vom Kanton an die Gemeinden weitergegeben. Damit werde das weitere Bestehen des Betreuungsangebotes gesichert, welches unabdingbar sei für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, heisst es in der Medienmitteilung.

Viele Kitas gerieten in finanzielle Nöte

Viele Kitas seien in finanzielle Schieflage geraten, sagt Regierungsrat Martin Klöti vom Departement des Innern. Auch die Eltern seien verunsichert gewesen, da der Bund kommuniziert habe, die Kinder zu Hause zu betreuen. Klöti sagt:

«Viel bezahlten in der Folge die Betreuungsbeiträge nicht mehr oder forderten sie zurück – zurecht.»

Das nationale Parlament hat in seiner Session beschlossen, sich zu einem Drittel mit maximal 65 Millionen an den Ausfallsentschädigungen an die Kinderbetreuung in den Kantonen zu beteiligen.

Bereits anfangs April hatte der Kanton St.Gallen kommuniziert, zur Überbrückung mit zinslosen Darlehen einzuspringen. Dies gilt weiterhin, etwa in Fällen, in denen die Unterstützung durch die Gemeinde nicht rechtzeitig zustande kommt. Die Darlehen sind dann von der jeweiligen Gemeinde zurückzuzahlen.

Gewerkschaften und SP machten Druck

Anfangs April hatten Gewerkschaften und die SP Druck gemacht. Die Gewerkschaften kritisierten die ungeklärte Situation. Bund, Kantone und Gemeinden würden sich gegenseitig die Verantwortung zuschieben, weil niemand die Entscheide treffen oder bezahlen wolle, hiess es. Bettina Surber, St.Galler SP-Kantonsrätin forderte: «Wenn der Bund nicht bereit ist, die Betriebe zu entlasten, sollen Kantone oder Gemeinden einspringen.» Dies ist nun geschehen.

Jetzt sei es an den Kitas, privaten Horten und Tagesfamilien, den entstandenen Schaden zu beziffern, der im Zeitraum seit dem Lockdown am 16. März bis 11. Mai entstanden sei, sagt Klöti. «Die Kitas müssen ihre Ausfälle auflisten, dann erhalten sie die Entschädigungen.» Wenn sie dies denn wünschen. Denn am Ende der Medienmitteilung heisst es: «Es gibt aber auch viele Eltern, die dies nicht tun und damit die öffentliche Hand finanziell entlasten.»

«Wir begrüssen es sehr, dass der Kanton Massnahmen ergriffen hat, um Betreuungsinstitutionen für Ertragsausfälle durch entgangene oder zurückgeforderte Elternbeiträge zu entschädigen», sagt Katrin Serries, Regionalleiterin Ostschweiz des Branchenverbands Kibesuisse. Dass sie die Kinder zu Hause betreuten und dennoch die vollen Beiträge bezahlen mussten, habe unter vielen Eltern zu Unmut geführt.

«Es ist gut, dass der Kanton nun Verantwortung übernimmt.»

Auch den Betreuungsinstitutionen fällt ein Stein vom Herzen. Die Situation sei wochenlang blockiert gewesen, man habe den Eltern kaum verlässliche Informationen bieten können, sagt etwa Andreas Bühler, Vorstandsvertreter des Vereins Globi Kinderkrippen in St.Gallen.

«Ich bin froh, herrscht jetzt Klarheit.»

Eigentlich habe man schon früher mit einer Information des Kantons gerechnet. Seit dem Lockdown vom 16. März habe man Listen geführt, um nachzuvollziehen, welche Eltern ihre Kinder aus Solidarität nicht mehr in der Kita betreuen liessen. «Aufgrund der Abwesenheitsführung werden wir dann sehen, wer welche Beträge ausbezahlt bekommt.»

Die Arbeit dafür werde wohl bis Ende Mai oder Anfang Juni abgeschlossen sein. «Wir sind zuversichtlich, dass wir eine gute Lösung finden und wir den Eltern bald ihr Geld zurückerstatten können», sagt Bühler.

Mittlerweile würden wieder mehr Kinder die Kita besuchen, zumal sich die Informationen bezüglich Ansteckungsgefahr in der Zwischenzeit geändert hätten. Und viele Eltern hätten wohl auch gemerkt: «Homeoffice und parallele Kinderbetreuung geht einfach nicht.»

Mehr zum Thema