Reportage

Ende der Badisaison in Herisau: Nur die Hartgesottenen wagten am Wochenende noch einmal den Sprung ins kühle Nass

Am Wochenende hatte die Herisauer Badi zum letzten Mal in dieser Saison geöffnet. Badetücher waren auf der grosszügigen Liegewiese allerdings keine zu sehen. Auch im sonst so belebten Kinderbecken und auf den beliebten Rutschbahnen herrschte Einsamkeit.

Stephanie Häberli
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Im Hochsommer herrscht in der Badi Herisau in der Regel viel Betrieb – nicht so am vergangenen Wochenende.

Im Hochsommer herrscht in der Badi Herisau in der Regel viel Betrieb – nicht so am vergangenen Wochenende.

Bild: APZ (Herisau, 28. Juli 2018)


Über dem Herisauer Freibad Sonnenberg liegt an diesem Samstagmorgen dichter Nebel. Der Thermometer beim Eingang zeigt tiefe 14 Grad. Das Wetter erinnert an einen typischen Herbstmorgen und keineswegs an einen Sommertag, an dem einem eine Abkühlung im Schwimmbad gelegen kommt.

Der Sonnenberg öffnete am vergangenen Wochenende zum letzten Mal in der Saison seine Türen. Doch die grosszügige Liegewiese ist leer. Von den zahlreichen Leuten, die sich normalerweise auf ihren farbenfrohen Badetüchern sonnen, ist weit und breit keine Spur. Auch im sonst so belebten Kinderbecken und auf den beliebten Rutschbahnen herrscht an diesem Morgen Einsamkeit.

Einzig vom grossen Schwimmbecken ertönen Stimmen. Drei Frauen ziehen ihre Längen und unterhalten sich gelassen. Eine Gruppe weiterer Badegäste ist unterwegs in Richtung Becken. «Wir sind täglich bei jedem Wetter hier», sagen Gabriela und Daniel Hug. Doch ist es nicht zu kalt, um bei diesen Temperaturen zu schwimmen? «Im Gegenteil, das Wasser ist sehr angenehm, seit das Freibad die neuen Solaranlagen besitzt», schwärmt Daniel Hug. Tatsächlich ist die Beckentemperatur mit 22 Grad sogar um einiges wärmer als die Luft.

Badegäste freuen sich auf nächste Saison

Gabriela Hug erzählt, dass für sie die regelmässigen Badibesuche eine Art Erholung von ihrer Arbeit im Gesundheitsbereich seien. Der Weg zur Abkühlung ist für die beiden nicht weit: Sie wohnen gleich neben dem Freibad. Doch nun schreitet die diesjährige Badesaison mit grossen Schritten dem Ende entgegen. Von nun an müssen die Hugs eine neue Ausgleichsmöglichkeit finden. «Wenn das Freibad wieder geschlossen ist, werde ich Walken gehen oder treibe sonst Sport», sagt Gabriela Hug.

Alternativ in den kalten Jahreszeiten das Hallenbad zu nutzen, kommt für sie jedoch nicht in Frage. Dort herrsche ihr zu viel Betrieb. «Ich schätze diese Ruhe und die Atmosphäre im Sonnenberg sehr», fährt sie fort. Dass sich der Sommer nun dem Ende zuneigt, sehen die beiden neutral. Denn so sei der Lauf der Dinge, da könne man nichts beeinflussen, meinen sie. «Wir freuen uns aber schon jetzt auf die nächste Saison.»

Auch Wera Diem ist jeden Tag im Sonnenberg anzutreffen. Sie geniesst es, am Morgen im Becken einige Längen zu schwimmen. Die Sicherheitsvorkehrungen wegen des Coronavirus, die das Schwimmbad umsetzen musste, empfand sie bei ihren regelmässigen Badibesuchen diesen Sommer nicht als störend. Auch Diem hat Alternativen für die Zeit nach dem Saisonende: «Stattdessen gehe ich dann ins Hallenbad schwimmen oder wandern.» Falls das Wetter nochmals schön sein sollte, könne sie sich aber auch vorstellen, dass sie diesen Herbst noch einmal zum Bodensee fährt.

Nach der Abkühlung sitzen alle anwesenden «Morgenschwimmer», wie sie sich selbst zu nennen pflegen, bei einer Tasse Kaffee zusammen und unterhalten sich. Auch der Bademeister hat sich dazu gesellt. «Es ist sehr familiär hier. Wir kennen uns alle untereinander», erzählen Gabriela und Daniel Hug.

Andrang hält sich in Grenzen

Am Nachmittag bessert sich die Wetterlage und die Sonne lässt sich blicken. Das Freibad zählt nun etwas mehr Gäste als am Morgen. Doch trotz des schönen Wetters konnte sich scheinbar nur eine überschaubare Anzahl Leute überwinden, noch eines der letzten Male ins Wasser zu springen. Vereinzelte Gäste sonnen sich auf der Liegewiese, während sich andere im Wasser vergnügen.

Auch Thomas Schoch und sein Sohn Corsin wollten die Badi, die nahe bei ihrem Zuhause ist, noch eines der letzten Male geniessen. «Wir kommen häufig vorbei, um uns kurz abzukühlen», so Thomas Schoch. Traurig, dass der Sommer vorbei ist, ist Corsin Schoch aber nicht: «Ich mag den Sommer sehr, freue mich aber auch auf den Herbst.»