Empörung über Moslem-Porträt

ST.MARGRETHEN. Das Porträt über den St. Margrether Salafisten hat ein grosses Echo ausgelöst. Viele Leser ärgerten sich über die Darstellung des Mannes, andere zogen Vergleiche mit Bauern und konservativen Christen.

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Polarisiert: Emir Tahirovic mit drei seiner vier Kinder. (Bild: Hanspeter Schiess)

Polarisiert: Emir Tahirovic mit drei seiner vier Kinder. (Bild: Hanspeter Schiess)

Es war der erste Medienauftritt von Emir Tahirovic unter vollem Namen und mit Bild: Nach monatelangen öffentlichen Debatten über seinen Streit mit den Behörden hat sich der Bosnier für ein Gespräch mit unserer Zeitung zur Verfügung gestellt. Der Artikel provozierte teils heftige Reaktionen, auch in Tahirovics Umfeld. Der Moslem wurde laut eigenen Angaben von wildfremden Personen fotografiert. Zudem habe er diverse Interviewanfragen erhalten und wurde von Bekannten kontaktiert, die sich über den Auftritt erstaunt zeigten.

Auf der Redaktion trafen nebst Online-Kommentaren und Leserbriefen (siehe heutiges «Forum») viele E-Mails und SMS ein. Vielstimmige Reaktionen, mit zweierlei Grundtenor: einerseits Verärgerung über «die ganze Seite, die Sie diesem Islamisten widmen», andererseits Zustimmung zum «schönen Porträt».

Gegen die überhitzte Stimmung

«Solche Texte helfen, die überhitzte Atmosphäre zum leidigen Thema zu entspannen», schreibt uns ein Leser, der die Kommentare auf Tagblatt online als «bestimmt nicht repräsentativ» taxiert. Er nennt einen SVP-Politiker, der ebenfalls «eine schöne Geschichte» gegen die überhitzte Stimmung geschrieben habe: Der Tübacher Gemeindepräsident Michael Götte lasse Asylbewerber in der von ihm nicht benutzten Wohnung des Gemeindehauses leben. «Ein anderer hätte da um Teufels Willen eine bescheidenere Behausung gesucht.» In anderen Zuschriften hat der Hausbesuch beim strenggläubigen St.Margrether Moslem ebenfalls Vergleiche inspiriert: «Herrlich ist ja, dass Tahirovic am Schluss wie der bockigste Bauer aus dem Hinterthurgau wirkt und die ganze islamische Bedrohung zum Privatproblem wird.» Und in einem anderen SMS heisst es: «Solche erzkonservativen Typen kenne ich auch bei uns in der katholischen Kirchgemeinde.»

Humoristisches zum Bart

In mehreren Reaktionen kommt auch der Bart zur Sprache – humoristisch kommentiert oder mit ernstem Unterton: «Gegen das Ende hin denke ich für mich, dann soll er sich doch bitte endlich den Bart abrasieren.» Ein Rheintaler Leser, mit den Verhältnissen vertraut, freut sich: «Endlich mal ein anderer, wenn auch irritierender Blickwinkel.» Der landläufige Ärger lässt sich vor allem in den Online-Kommentaren nachlesen. Und dann gibt es auch jene, die sich den «anderen Blickwinkel» per se gar nicht gefallen lassen wollen.

Reflexartig auch die Reaktion der beiden St.Galler SVP-Exponenten Lukas Reimann und Mike Egger. «Dieser Extremist und Querulant gehört nicht in die Schweiz», empört sich Reimann im Gratisblatt «20 Minuten». «Es kann doch nicht sein, dass er sich über alles hinwegsetzt und wir das akzeptieren müssen.» Und der Bernecker Kantonsrat Mike Egger fordert von der Familie «mehr Anstrengungen» zur Integration «statt sich immer als Opfer zu sehen». für Reimann ist klar: «Familie Tahirovic muss gehen, das erleichtert beiden Seiten das Leben.» (mel/ar)