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Empa-Experte über das Feuerwerk-Aus in Konstanz: «Aus Klimaschutzgründen darauf zu verzichten, macht für mich keinen Sinn»

Wegen des ausgerufenen Klimanotstands verzichtet die Stadt Konstanz auf das traditionelle Feuerwerk am Seenachtsfest. Dem Klima nützt das allerdings nicht, sagt ein Empa-Experte.
Bruno Knellwolf
Hohe Feinstaubbelastung, aber nur marginale Co2-Quelle: Feuerwerk am Konstanzer Seenachtsfest. (Bild: Felix Kästle/DPA/12.August 2017)

Hohe Feinstaubbelastung, aber nur marginale Co2-Quelle: Feuerwerk am Konstanzer Seenachtsfest. (Bild: Felix Kästle/DPA/12.August 2017)

Konstanz hat seit dem 2. Mai den Klimanotstand ausgerufen. Deshalb hat der deutsche Oberbürgermeister Uli Burchardt mit seinen Ratskollegen bestimmt, am kommenden Seenachtsfest auf das 80000 Euro teure Feuerwerk zu verzichten, um keine unnötigen CO2-Emissionen in die Welt zu setzen. Damit steht es um das Konstanzer Seenachtsfest, das jeweils gleichzeitig mit jenem in Kreuzlingen durchgeführt wird, schlecht.

Fragt sich allerdings, ob diese vom Konstanzer Oberbürgermeister angeordnete Klimaschutzmassnahme überhaupt etwas bringt. «Aus Klimaschutzgründen auf Feuerwerke zu verzichten, macht für mich keinen Sinn», sagt Dominik Brunner, Luftreinhalte-Spezialist bei der Empa in Dübendorf. «Der CO2 Ausstoss durch die Anreise der Besucher dürfte um ein Vielfaches höher sein als derjenige durch das Feuerwerk selbst.»

2000 Tonnen Feuerwerk pro Jahr

Brunner verweist auf eine Studie des Bundesamts für Umwelt (Bafu) mit Beteiligung der Empa. Gemäss dieser Studie aus dem Jahr 2018 werden in der Schweiz pro Jahr rund 2000 Tonnen Feuerwerkskörper abgebrannt. Eine Tonne Feuerwerk erzeugt 43 Kilogramm CO2, pro Jahr werden in der Schweiz durch das Abrennen von Raketen und Vulkanen somit rund 86 Tonnen Kohlendioxid freigesetzt. «Das ist eine absolut marginale Menge im Vergleich zum Gesamtausstoss von CO2», sagt Dominik Brunner.

Allerdings sagt der Empa-Experte auch: «Feuerwerkskörper sind zwar keine relevante Quelle von CO2, aber sehr wohl von Feinstaub.» So hat ein Verzicht auf das Feuerwerk natürlich auch seine positiven Seiten für die Umwelt, wenn sie auch dem Klimanotstand nicht abhilft. Brunner erklärt:

«Feuerwerke erzeugen eine lokale nicht unerhebliche Feinstaubbelastung. Und an Tagen wie dem 1. August oder Silvester ist durch Feuerwerke die Feinstaubbelastung praktisch Schweizweit deutlich erhöht.»

Schlecht für die Atemwege

Was unsere Augen mit Farben und Licht erfreut, bekommt somit den Atemwegen weniger gut. Kurzzeitig und sehr örtlich kann die Feinstaubbelastung gemäss den Daten der Schweizer Luftmessstationen beträchtlich steigen. Das insbesondere bei kalten Temperaturen und bei Inversionslagen, also unter einer Hochnebeldecke. Dann bleiben die Schwebepartikel lange in der Luft und können somit auch länger eingeatmet werden. Das zumindest sollte bei einem sommerlichen Seenachtsfest kein Problem sein, sondern eher wenn Böller und Vulkane an Silvester abgebrannt werden.

Je nach Witterungsverhältnissen könnte dann der von der Luftreinhalte-Verordnung festgelegte Grenzwert überschritten werden, was für Menschen mit Atemwegserkrankungen problematisch sein könnte. Das Bafu empfiehlt Menschen mit chronischen Atemwegs- oder Herzkreislauferkrankungen deshalb, nicht zu nahe unters Feuerwerk zu treten.

Die pyrotechnischen Feuerwerksätze bestehen neben dem Schwarzpulver auch aus Metallverbindungen, welchem dem Feuerwerk die Farbe geben. Beim Abbrennen entstehen in der Schweiz deswegen rund 320 Tonnen Feinstaub, der als Niederschlag in Böden und Gewässer gelangt. Das ist immerhin ein bis zwei Prozent der jährlichen Feinstaub-Gesamtbelastung.

Der Hund flüchtet in den Keller

Daneben gibt es noch einen weiteren Umweltfaktor: der Lärm. Davon können insbesondere Hunde ein Lied singen, die sich jeweils am 1. August eingeschüchtert in den Keller zurückziehen. Aber auch die Wildtiere reagieren ob der Böllerei oft mit Flucht. Das Bafu empfiehlt deshalb die private Pyro-Tätigkeit einzuschränken und sich umso mehr an der Farbenpracht offizieller Feuerwerke zu erfreuen. Wenn es diese denn noch gibt.

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