Emmentaler ist nicht gleich Emmentaler

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Käser-Prozess Am zweiten Prozesstag gegen einen Käser aus dem Linthgebiet hatte vor dem Kreisgericht See-Gaster der Anwalt von Emmentaler Switzerland seinen grossen Auftritt. Für ihn besteht kein Zweifel daran, dass der Käser bewusst «falschen» Emmentaler verkauft hat. Dessen Anwalt sagt, «Emmental» sei nicht geschützt.

«Emmental-er». Mehrfach betont der Anwalt die letzte Silbe des Käses theatralisch. Nur dieser Name sei markenrechtlich geschützt, sagt der Verteidiger des Käsers aus dem Linthgebiet. Dieser lieferte tonnenweise Käse nach Italien, zum Beispiel als «Emmental Lo Svizzero». Für die Abnehmer sei klar ersichtlich gewesen, dass es sich eben nicht um den geschützten Emmentaler AOC handelt, ist der Verteidiger überzeugt. Im Gegenteil, sagt der Anwalt von Emmentaler Switzerland, der Begriff Emmental sei schon lange geschützt. Auch Nachahmungen seien verboten.

Staatsanwaltschaft hatte Verfahren zuerst eingestellt

Der Prozess ist der Markenorganisation wichtig. Nur wegen ihrer Beschwerde hat die Staatsanwaltschaft den 49-jährigen Käser wegen Betrugs angeklagt. Die Staatsanwaltschaft selber hatte die Untersuchung 2016 eingestellt. Offenbar konnte sie nicht mehr feststellen, wann welcher Käse verkauft worden war. Bis 2008 galt eine Übergangsphase, in der ähnliche Bezeichnungen genutzt werden durften.

Neue Dokumente von der Zollverwaltung hätten ihn überzeugt, argumentiert der Staats­anwalt vor Gericht. Von den acht Jahren und zehn Monaten Freiheitsstrafe, die der Staatsanwalt fordert, macht der gewerbsmässige Betrug den grössten Teil aus. Daneben ist der 49-Jährige unter anderem wegen Veruntreuung und Urkundenfälschung angeklagt. Nach der Übergangsfrist habe der Käser weitergemacht. Noch bis 2011 habe er Emmentaler verkauft, obwohl er das nicht mehr hätte tun dürfen. Bei einer Razzia habe man Tausende Etiketten gefunden, auf denen Original Emmental und ähnliches gestanden habe. Über 2,1 Millionen Franken Umsatz habe er mit dem falsch deklarierten Käse gemacht, so der Vorwurf.

Der Käse war wie eine «raffinierte Fälschung»

In dieselbe Kerbe schlägt der Anwalt von Emmental Switzerland. Die Aussage des Beschuldigten vom Vortag, er habe «nie, nie, nie» nach der Übergangsfrist einen Käse als Emmentaler verkauft, stimme einfach nicht. Der Anwalt vergleicht den Käse mit einer raffinierten Fälschung. Statt vier oder fünf Monate sei der Käse nur einen Monat gereift. Die Herstellung sei zudem günstiger. Für den «normalen» Grosslochhartkäse hätte der Mann nur halb so viel Geld erhalten wie für Emmentaler. Entsprechend gross sei sein Gewinn gewesen. Ob der Käse nun Emmentaler oder Emmental heisse, sei irrelevant.

Was sagt der Beschuldigte? Er wittert eine Verschwörung. Vor allem der neue Partner seiner Ex-Freundin wolle ihn fertigmachen. Der Staatsanwaltschaft warf er vor, völlig überfordert zu sein von den komplexen Fällen. Das Urteil wird Mitte Juli erwartet. (paj)