EM 2020
«Ich freue mich darauf, die Emotionen in den Gesichtern der Fans zu sehen»: Vereinzelte Public Viewings, Fan-Artikel gefragt, Polizei wird sich kulant zeigen

Es ist wieder so weit: Ab Freitag machen die besten Fussballnationen unter sich den nächsten Europameister aus. Trotz Corona und einiger Auflagen soll es ein Fussballfest werden.

Alain Rutishauser
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WM 2018, Schweiz gegen Costa Rica: Szenen wie diese aus dem Public Viewing in der Bodensee-Arena Kreuzlingen wird es dieses Jahr nicht geben.

WM 2018, Schweiz gegen Costa Rica: Szenen wie diese aus dem Public Viewing in der Bodensee-Arena Kreuzlingen wird es dieses Jahr nicht geben.

Bild: Andrea Stalder

Die Europameisterschaft steht vor der Tür. Von der WM 2018 in Russland und der EM 2016 in Frankreich sind Bilder in Erinnerung geblieben, die heute ganz weit weg wirken: randvolles Public Viewing mit tobenden Menschenmengen, ausverkaufte Stadien mit bunt geschminkten Fans. Bei der «Uefa Euro 2020», wie das Turnier trotz einem Jahr Verspätung noch immer heisst, sind Public Viewings nur unter Auflagen möglich: Im Freien maximal 300 Personen, konsumiert werden darf nur im Sitzen.

Die Coronaregeln haben Konsequenzen, nicht nur auf die allgemeine Vorfreude. Erst kürzlich hat die Stadt Frauenfeld bekanntgegeben, dass sie in diesem Jahr auf ihren Fantreffpunkt verzichtet. Dieser war an vergangenen Turnieren ein beliebter Treffpunkt Tausender Fans, die nach den Matches jeweils ausgiebig feierten.

«Die aktuell geltenden Massnahmen des Bundesamtes für Gesundheit, um die Pandemie einzudämmen, lassen dieses Jahr einen solchen Fantreffpunkt nicht zu, weil nur Veranstaltungen mit maximal 50 Personen erlaubt sind», schreibt die Stadt in einer Mitteilung. Als Alternative verweist die Stadt aber auf die vielen Public Viewings in der Gastronomie.

Public Viewing in Kreuzlingen findet statt

Und auch im grösseren Rahmen gibt es einige wenige Lichtblicke. So findet beispielsweise das Public Viewing in der Bodensee-Arena in Kreuzlingen trotz Corona statt, wie schon an den vergangenen Turnieren. «Ich freue mich darauf, die Emotionen in den Gesichtern der Fans zu sehen», sagt Vincenzo Maiorana vom AS Calcio Kreuzlingen, der das Public Viewing mitorganisiert hat im «Südkurier».

Nico Seiler, Geschäftsführer der Bodensee-Arena.

Nico Seiler, Geschäftsführer der Bodensee-Arena.

Bild: PD

In der Bodensee-Arena, die zu den Seiten hin offen ist, sind 50 Tische platziert worden. Pro Tisch dürfen bis zu sechs Personen Platz nehmen, sodass die 300-Personen-Obergrenze nicht überschritten wird. Nico Seiler, Geschäftsführer der Bodensee-Arena:

«Ich habe in den vergangenen Monaten oft genug eine leere Halle vorgefunden.»

Deshalb sei der Entschluss gefallen, das Public Viewing trotz Auflagen zu veranstalten. Nun schaue er mit Euphorie auf die kommenden Wochen.

Die Organisatoren erwarten ausserdem, dass der Bundesrat im Laufe des Turniers weitere Lockerungen bekanntgeben werde. Dann wären im Optimalfall bis zu 1000 Personen an Veranstaltungen im Freien möglich.

Nicolas Seiler, Marcus Meloni und Vincenzo Maiorana in der Bodensee-Arena, wo sie das EM-Public-Viewing durchführen.

Nicolas Seiler, Marcus Meloni und Vincenzo Maiorana in der Bodensee-Arena, wo sie das EM-Public-Viewing durchführen.

Bild: Kevin Roth

Kantonspolizei setzt auf Toleranz während der EM

Ausserhalb der offiziellen Treffpunkte wird bei einem Sieg der Schweiz, Italien, Kroatien oder Portugal trotzdem ausgiebig gefeiert werden. Die Kantonspolizei Thurgau hat sich kürzlich in einer Mitteilung zu ihrer Präsenz an der EM geäussert. Sie werde die jeweiligen Feiern aufmerksam begleiten und so tolerant wie möglich, jedoch auch so konsequent wie nötig für Ordnung und Sicherheit sorgen.

Das Feiern im öffentlichen Raum werde grundsätzlich toleriert. «Sie schreitet jedoch konsequent ein, wenn die öffentliche Ordnung und Sicherheit gefährdet ist. Gewalttätigkeiten wie Körperverletzungen, Tätlichkeiten, Sachbeschädigungen oder das Zünden von pyrotechnischen Gegenständen in Menschenmengen werden geahndet», schreibt die Kantonspolizei in einer Mitteilung. Allerdings seien schon in letzten Ausgaben der Turniere nur selten Straftaten begangen worden, wie Mediensprecherin Claudia Brunner bestätigt.

Auch im Verkehr werde die Kantonspolizei wenn nötig durchgreifen, etwa wenn Personen auf der Motorhaube oder dem Autodach mitfahren oder wenn Fahnen aus dem Auto heraus geschwenkt werden. Hupen werde hingegen geduldet. Doch: «Die Nachtruhe ist während der Europameisterschaft nicht ausser Kraft gesetzt; bei den 21-Uhr-Spielen werden aber Feiern bis eine Stunde nach Spielschluss toleriert.»

Schweizer Fan-Artikel trotz Corona gefragt

Auch dieses Jahr sind Fan-Artikel der Schweiz hoch im Kurs.

Auch dieses Jahr sind Fan-Artikel der Schweiz hoch im Kurs.

Bild: Stefan Kaiser

Ähnlich hoch wie bei den Veranstaltern des Public Viewings in Kreuzlingen scheint die Vorfreude auch bei der Bevölkerung zu sein. Jedenfalls seien Fan-Artikel der Schweizer Nati sowie Kindergrössen in SportXX- und Migros-Filialen überdurchschnittlich gefragt. «Nehmen wir das schlechte Wetter und Corona, sind wir sehr zufrieden», sagt Andreas Bühler, Medienleiter der Migros Genossenschaft Ostschweiz. Die Vergangenheit habe ausserdem gezeigt, dass die Euphorie und Verkäufe erst nach dem Anpfiff des Turniers richtig anziehen würden. Bühler:

«Wir sind zuversichtlich, dass mit den Lockerungen und Öffnungen die Verkäufe von Fan-Artikeln nochmals anlaufen werden.»

Bei den Panini-Bildern liege man im Vergleich zur letzten Weltmeisterschaft etwas im Rückstand, aber gleichauf mit den Verkäufen an der EM 2016, sagt Bühler. «Es ist noch nicht der grosse Run auf Panini-Bilder ausgebrochen. In der Vergangenheit haben wir ausserdem Tauschbörsen veranstaltet, das war bisher wegen Corona nicht möglich.»