ELTERNTAXIS: Aufruhr am Schulweg

Rorschacherberg will bei der Schule Halteplätze für Autos von Eltern einrichten. Die Ankündigung hat teils heftige Reaktionen provoziert. Schulpräsidenten in der Region zeigen Verständnis.

Martin Rechsteiner
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Gehweg vor der Schule Klosterguet: Hier sollen die Halteplätze entstehen. (Bild: Ralph Ribi)

Gehweg vor der Schule Klosterguet: Hier sollen die Halteplätze entstehen. (Bild: Ralph Ribi)

Martin Rechsteiner

martin.rechsteiner@tagblatt.ch

Mit der Idee, eine Haltestelle für Elterntaxis zu bauen, hat die Gemeinde Rorschacherberg Aufsehen erregt. Die Haltestelle soll Eltern mit ihren Autos vom Schulgelände fernhalten und so die Sicherheit der Kinder erhöhen (Ausgabe von gestern).

Vor dem Schulhaus Klosterguet herrscht am Mittwochmittag reges Treiben. Kinder wuseln zwischen den Autos umher, Bälle rollen auf die Strasse. «Achtung, zur Seite», ruft eine Frau aus dem Autofenster zwei spielenden Kindern zu, dann fährt sie rückwärts aus dem Parkplatz. Eine Mutter fährt in zügigem Tempo vor, hält kurz vor einer Reihe vorbei­gehender Schüler, die etwas verschreckt stehen bleiben, hupt, setzt das Auto rückwärts an den Strassenrand. «Heute bin ich etwas im Stress», sagt sie daraufhin, verschmitzt lächelnd. Sie hole die Kinder jeden Tag von der Schule ab, da sie fürchte, ihnen könne auf dem Schulweg etwas zustossen. Die geplante Haltestelle auch für Elterntaxis befürwortet sie. «Das macht die Situation hier sicherer.»

«Nur ausnahmsweise mit dem Auto hier»

Auch eine andere Mutter ist mit dem Auto hier. «Das ist zurzeit eine Ausnahme. Sonst hole ich meinen Sohn nie mit dem Auto ab. Jetzt hat er aber einen gebrochenen Arm, und ich will nicht, dass er damit auf dem Schulweg in eine Rangelei gerät», sagt sie. Eine andere Frau hat eine ähnliche Erklärung, weshalb sie ausnahmsweise mit dem Auto da sei. Beide befürworten eine Haltestelle. Der Gemeindepräsident Beat Hirs und der Schulleiter Matthias Haas sind überzeugt: Die geplante Haltestelle wird Eltern nicht dazu ermutigen, das Kind zur Schule zu fahren. Zu unbequem werde dort dann das Ausladen für die Autofahrer, argumentiert Hirs. Und Haas will immer nur die gleichen Eltern beobachtet haben, die mit dem Auto zur Schule kommen.

Ein Mann, der auf dem Schulgelände wohnt, ist gegen die Haltestelle. «Die Idee ist doch Quatsch», sagt er. «Ob das nun mehr Eltern dazu verleitet, zur Schule zu fahren, oder nicht; man soll ihnen gar nicht erst die Möglichkeit dazu geben, mit dem Auto zur Schule zu fahren. Die Kinder sollen ausnahmslos zu Fuss kommen wie wir früher auch. Punkt.» Und eine Leserin schreibt: «Da hat sich Rorschacherberg wieder mal etwas Stumpfsinniges ausgedacht. Wäre es nicht sinnvoller, die Kinder in die Schule laufen zu lassen? Überall wird reklamiert, dass Elterntaxis die Strassen verstopfen. Sie sind gefährlich und sollten verboten werden.»

Polizei, Plakate, Parkverbot

Schützenhilfe erhalten die Rorschacherberger Behörden von Kollegen aus der Region. Andreas Gehrig, Schulpräsident von Goldach, hält die geplante Haltestelle in Rorschacherberg für eine «clevere Lösung». Auch er sagt, die Schulen könnten Elterntaxis offensichtlich nicht vermeiden, sondern müssten sich mit ihnen arrangieren. «Bei uns wäre eine weiter entfernte Haltestelle für die Schulen aber aus Platzgründen nicht möglich.» Die einzige Möglichkeit in Goldach sei, immer wieder an die Vernunft der Eltern zu appellieren.

In Rorschach sind die Schulbehörden auch schon weiter­gegangen: «Als sich die Situation mit den Elterntaxis wieder einmal stark zugespitzt hat, haben wir auch schon die Polizei gerufen. Zum Beispiel beim Schulhaus Pestalozzi», sagt Guido Etterlin, Rorschacher Schulpräsident. Sonst setzen die Schulen auf Plakate oder auf Informationsabende für die Eltern. An gewissen Stellen rund um Schulhäuser sei zudem ein Fahrverbot erlassen worden. Auch Etterlin ist der Meinung, dass Eltern und ihre Autos ein unlösbares Problem sind, aus dem Schulen einfach das Beste machen müssen. «Und dafür gibt es kein Patentrezept, alle Massnahmen haben Vor- und Nachteile.» Ein Facebook-Nutzer machte einen – wohl nicht ganz ernst gemeinten – Vorschlag, wie Elterntaxis vorgebeugt werden könnte: «Da ­gehört dann eine Tafel hin: ‹Ein- und Ausladestelle für Windel­bubi-Taxis›. Wetten, dass da kein Kind mehr gebracht werden will?»