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E-Autos: Der Thurgau geht voran, der Kanton St.Gallen ist knausrig

Ein satter Zuschuss beim Neukauf eines Elektroautos? Das kennt nur der Kanton Thurgau. Im Kanton St. Gallen hat die Hauptstadt eine Sonderrolle: Sie fördert E-Fahrzeuge über den Energiefonds – mit Erfolg.
Christoph Zweili
Die Zahl der Stromtankstellen in der Schweiz wächst ständig. (Bild: Sabrina Stübi (St. Gallen, 6. März 2018))

Die Zahl der Stromtankstellen in der Schweiz wächst ständig. (Bild: Sabrina Stübi (St. Gallen, 6. März 2018))

Der Kanton Thurgau fördert die E-Mobilität: Er subventioniert den Umstieg auf Elektroautos mit einer Prämie von 4000 Franken, wenn gewisse Bedingungen erfüllt sind: Damit ist er in der Ostschweiz allein auf weiter Flur – fast! Vorbild sind Länder wie Norwegen, Schweden, oder auch unsere deutschen Nachbarn, wo der Neukauf von E- und Hybrid-Autos mit satten Zuschüssen subventioniert wird. Dazu kommt: Wer bis Ende 2020 ein Elektroauto kauft, spart zehn Jahre lang die Auto-Steuer.

Die Stadt St. Gallen ist schon seit 2015 in der Vorreiterrolle. Sie fördert E-Fahrzeuge über ihren Energiefonds. Das erklärte Ziel: Im Jahr 2020 sollen 1000 energieeffiziente Autos in der Energiestadt verkehren. Gefördert werden unter gewissen Bedingungen Kauf und Leasing von neuen Fahrzeugen für private Zwecke durch natürliche Personen mit Wohnsitz in der Stadt. Ende 2018 waren auf Stadtgebiet 213 Personen- und Lieferwagen mit einem Elektroantrieb gemeldet: Seit Mitte 2015 wurden 84 E- und 8 Hybridfahrzeuge aus dem Fonds gefördert, was einem Förderbeitrag von 350000 Franken entspricht. Allein im vergangenen Jahr kamen 45 E-Autos dazu, was 27 Prozent des Vorjahresbestands entspricht. Auch die Gemeinde Wittenbach unterstützt im laufenden Jahr den Kauf von E-Rollern, E-Motorrädern oder E-Autos; bei E-Autos werden 20 Prozent der Anschaffungskosten bis 5000 Franken übernommen.

Kantönligeist auch in der Ostschweiz

Fachleute warnen allerdings seit Jahren vor den Prämien für Elektroautos: Die staatlichen Zuschüsse wirkten nur kurzfristig und gehörten «in den Giftschrank», sagte etwa der Chef des Branchenverbands Auto-Schweiz, Andreas Burgener. Für ihn sind die Rabatte bei der Motorfahrzeugsteuer schon Markteingriff genug. Hier herrscht in der Schweiz Kantönligeist: In etlichen Kantonen gibt es Vergünstigungen für E- und Hybrid-Autos.

Der in der Energieförderung konservativ aufgestellte Kanton St. Gallen kennt keine Prämien für den Kauf von Neuwagen. In der Diskussion zum 17. Strassenbauprogramm im September 2018 gab der Rat per Motion der Regierung den Auftrag zu prüfen, ob unter anderem die bestehenden Steuervergünstigungen nicht aufzuheben seien – dies, weil die energieeffizienten Autos die gleiche Strasseninfrastruktur wie Autos mit Verbrennungsmotor benutzen. «Die wirksamste Förderung von E-Autos wäre, wenn der Bund die Lenkungsabgabe auf Treibstoffe einführen würde», sagt Marcel Sturzenegger, Leiter Amt für Wasser und Energie. «Das würde den Kauf von Elektroautos massiv fördern.» Aktuell werden im Kanton St. Gallen Fahrzeuge der Energieeffizienzkategorie A und einem Kohlendioxidausstoss bis höchstens 130 Gramm pro Kilometer für das Jahr der Erstinverkehrssetzung sowie für die drei folgenden Jahre von den Strassenverkehrssteuern befreit. Für gasbetriebene Fahrzeuge gilt als Kriterium nur ein maximaler CO₂-Ausstoss von 143 Gramm pro Kilometer. Elektrofahrzeuge sind im Inverkehrssetzungsjahr und für die drei folgenden Jahre zu 100, danach zu 50 Prozent steuerbefreit.

Ausserrhoden hat Förderung wieder abgeschafft

Der Kanton Appenzell Ausserrhoden geht eigene Wege. Bis Ende 2017 wurden E-Autos indirekt über eine Reduktion der Strassenverkehrssteuer subventioniert. Per Januar 2018 wurde diese Vergünstigung gestrichen, der Rat argumentierte mit der im Kanton üblichen Berechnungsgrundlage, dem Gewicht. Schliesslich setzte sich die Haltung durch, dass schwere E-Autos die Strasseninfrastruktur überdurchschnittlich beanspruchten – und daher nicht mehr förderungswürdig seien. Laut Auskunft des Kantons sind derzeit 530 E- und Hybrid-Autos ­registriert – die 129 E-Autos machen ­aktuell 0,4 Prozent des gesamten Fahrzeugbestandes aus.

Das oberste Ziel: Die CO2-Emissionen sollen sinken.

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Die Herstellung der Batterie und der Abbau des darin enthaltenen Rohstoffs Lithium verschlechtern die Umweltbilanz der E-Autos erheblich.

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Das Beispiel Norwegen könnte auch in der Schweiz Schule machen.

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Marktanteil der Elektroautos weiterhin gering

Vor drei Wochen hat die inzwischen zurückgetretene Bundesrätin Doris Leuthard die Roadmap zur Förderung der Elektromobilität unterzeichnet. Damit soll der Anteil an reinen Elektroautos und Plug-in-Hybrid-Fahrzeugen, die einen Verbrennungsmotor und einen Elektromotor an Bord haben, auf 15 Prozent gesteigert werden. Zurzeit bringen es diese beiden Arten von reinen und unreinen E-Mobilen nicht einmal auf drei Prozent Marktanteil.
Einen ersten Aufschwung hat die Elektromobilität dank der Elektroautos von Tesla erlebt, die erstmals Reichweiten von über 400 Kilometer möglich machten. Doch diese E-Luxusautos sind überdurchschnittlich teuer, und auf das «Volksmodell» des Tesla, das Model 3, mussten die Kunden lange warten. Während dieser Zeit haben auch die anderen Autohersteller ihre Aktivitäten verstärkt. Volvo will ab diesem Jahr jedes neue Modell elektrifizieren und wird in den nächsten Jahren fünf rein elektrische Autos auf den Markt bringen. Auch die deutschen Hersteller sind nach einigem Zögern auf den E-Mobil-Zug aufgesprungen. Derweil bietet der südkoreanische Autohersteller Hyundai mit dem Kona bereits ein Elek-troauto, das die gleiche Reichweite wie ein Tesla hat, aber einen Bruchteil kostet.
Was die Reichweite betrifft, ist die Alltagstauglichkeit bei einigen E-Mobilen somit beinahe erreicht. Allerdings ist das Fahren mit Elektroautos immer noch komplizierter als mit Benzin und Diesel und braucht mehr Planung im Alltag. Auch über die ökologischen Vorteile der Elektromobilität gibt es Diskussionen. Zwar ist die Fahrt mit dem E-Auto umweltfreundlich, die Herstellung der Batterie und der Abbau des darin enthaltenen Rohstoffs Lithium verschlechtern die Umweltbilanz allerdings erheblich. (Kn.)

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