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Die Elektrifizierung auf der Strecke Lindau-München kommt zu spät

S-Bahnen sind im grenzüberschreitenden Verkehr die optimale Lösung. Ab dem Jahr 2023 soll Thurbo von Rorschach über Bregenz nach Lindau fahren – als Zubringerin für den Fernverkehr nach München. Dafür sind noch ein paar Hindernisse zu überwinden.
Christoph Zweili
Thurbo-Komposition auf der Seelinie in Rorschach-Hafen. (Bild: Thurbo)

Thurbo-Komposition auf der Seelinie in Rorschach-Hafen. (Bild: Thurbo)

«Die Strecke Lindau–München ist die am meisten vernachlässigte Bahnverbindung in Deutschland. Es ist aber auch die Strecke mit dem grössten Potenzial.» Der SP-Ständerat Paul Rechsteiner hat sich jahrelang zusammen mit der heutigen Bundesrätin Karin Keller-Sutter für kürzere Fahrzeiten zwischen den Metropolitanräumen Zürich und München eingesetzt. Die St. Galler sahen die Ostschweiz abgehängt vom Schweizer Bahnnetz. «Inzwischen ist ein Aufholprozess in Gang», sagt Rechsteiner heute. Ende März 2018 haben die Hauptarbeiten an der Bahnstrecke Lindau–Memmingen–München begonnen. «Die Elektrifizierung der Allgäubahn kommt allerdings mindestens zehn Jahre zu spät», sagt Armin Weber, Leiter internationaler Fernverkehr SBB. «Mit dem ursprünglichen Zeitplan wäre die heute noch dieselbetriebene Strecke bis zur Liberalisierung im Fernbusmarkt 2013 fertiggestellt und daher konkurrenzfähig gewesen.»

Für diese Vernachlässigung auf deutscher Seite bezahlen die SBB die Zeche: Rund 30 Prozent der Bahnkunden auf dieser Strecke haben sie in den letzten sieben Jahren verloren. 27 Fernbusse verkehren heute hochgetaktet auf der Bus-Rennstrecke Zürich-München. Die meisten werden von FlixBus gefahren, dem grössten Fernbus-Anbieter Europas – ein Indiz für das grosse Nachfragepotenzial auf dieser Strecke. Diese Busse sind heute schneller und günstiger als die Fahrt mit dem Zug von vier Stunden und 44 Minuten.

Sechs schnelle Züge pro Tag und Richtung

Mit dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember 2020 wird sich das ändern. Dannzumal werden sechs Züge pro Tag und Richtung zwischen den Metropolitanregionen Zürich und München verkehren. Dies mit einer Geschwindigkeit von 160 Kilometern pro Stunde: Dank des Ausbaus für den Neigetechnikbetrieb beträgt die Fahrzeit auf der neu elektrifizierten und kurvenreichen Strecke durchs Allgäu nur noch drei Stunden 34 Minuten. Das 440-Millionen-Euro-Projekt ist auf Kurs. Die DB werde den Zeitplan einhalten, verspricht Weber.

Für die Interessengemeinschaft öffentlicher Verkehr Ostschweiz (IGöV) bringt der Ausbau zwar den jahrelang versprochenen Quantensprung, «das eigentliche Ziel aber ist der Stundentakt». Die IG fordert in einer Resolution, «dass das Potenzial dieser Strecke voll genutzt wird». Künftig bestehen in München nicht nur gute Anschlüsse Richtung Salzburg und Wien. Kombiniert mit der Neubaustrecke zwischen München und Berlin führt auch die schnellste Bahnverbindung zwischen Zürich und Berlin künftig durch die Ostschweiz. Für die IGöV «ein nicht zu unterschätzendes Potenzial»: Schon 2016 sei über eine Million Passagiere auf dieser Strecke geflogen.

Im geplanten Deutschlandtakt ist vom Berliner Verkehrsministerium ein schlanker Anschluss (rund 15 Minuten) in München vom Eurocity Zürich–St. Gallen–München auf den ICE nach Nürnberg und Berlin vorgesehen.

S-Bahnlinie soll Teil des Fernverkehrs werden


Die IGöV macht nun Druck. Sie fordert, dass spätestens ab 2023 die Lücken in den Transportketten zwischen der Bodenseeregion und München «mit schnellen Produkten des Regionalverkehrs» zu füllen sind. Zentralstes Element ist die Verlängerung der S7. Die Regionalbahn Thurbo fährt die S-Bahn heute von Weinfelden über Romanshorn nach Rorschach – künftig soll die S-Bahn-Linie über Bregenz nach Lindau verlängert werden. Und das immer zwischen dem zweistündlich verkehrenden Eurocity.

Auf Schweizer Seite ist die Finanzierung bereits gesichert: «Die Kantone Thurgau und St. Gallen werden grosszügig die Hälfte übernehmen», verspricht der St. Galler Volkswirtschaftschef Bruno Damann. Deutschland und Österreich sind sich noch nicht einig, was ihre Anteile betrifft. Für den Ausbau zum Stundentakt wären auf deutscher Seite allerdings noch weitere Infrastrukturausbauten nötig: Auf der teilweise einspurigen Strecke Lindau–Memmingen fehlen Kreuzungsstellen – der Fern- und der Regionalverkehr kommen sich in die Quere.

Die Regionalbahn Thurbo wollte das neue Angebot Anfang Mai quasi schon als Geburtstagsgeschenk zum 150-Jahr-Jubiläum von Romanshorn über Rorschach–St. Margrethen–Bregenz nach Lindau fahren, scheiterte aber an der fehlenden Sicherheitsbescheinigung in Deutschland. «Ein österreichischer Lokomotivführer auf deutschen Schienen mit einem Schweizer Zug: Diese Ausgangslage war zu schwierig für die Behörden», sagt der stellvertretende Geschäftsführer Werner Fritschi.

Ein Zug für drei Länder – und das mit drei Bescheinigungen: Für Anna Barbara Remund, Vizedirektorin beim Bundesamt für Verkehr, ist das eine unbefriedigende Ausgangslage. «Gerade im grenzüberschreitenden Verkehr sind S-Bahn-Verbindungen die optimale Lösung», sagt sie. «Die Infrastruktur ist ja da. Zuoberst aber muss der politische Wille zur Umsetzung stehen.»

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