Electro, fiebrig und farbig

Seit einiger Zeit hat die elektronische Musik einen festen Platz im Line-Up des OpenAir. Zu Recht, denn sie bietet energiegeladene Würze in der Festivalmischung – auch dieses Jahr.

Drucken
Teilen
Friendly Fires begeisterten mit ansteckendem Spielwitz. (Bilder: Michel Canonica)

Friendly Fires begeisterten mit ansteckendem Spielwitz. (Bilder: Michel Canonica)

Sie sind die Würze in der OpenAir-Suppe und ihre Konzerte sorgen für zusätzliche Energieschübe, wenn sich die Batterien des Körpers zu fortgeschrittener Stunde langsam leeren: Die Electro-Künstler respektive elektronisch geprägten Rock- und Pop-Gruppen, die sich in den letzten Jahren oft als Highlights erwiesen.

Ecken und Kanten bei Digitalism

Das erste Ausrufezeichen setzten Digitalism am Freitagabend auf der Sitterbühne. Das Hamburger Duo, das mit seiner neuen Platte «I Love You, Dude» angereist war, unterlegte seinen Electro-Rock mit dem organischen Klang eines Live-Schlagzeugs. Das Material erhielt dadurch zusätzlichen Schwung und eine neue Färbung. Selbst ein Song wie «2 Hearts», der beispielhaft für den neuen Pop-Einschlag steht, auf Platte aber eine Spur zu sauber daherkommt, lebte durch die Ecken und Kanten deutlich auf.

Digitalism mäanderten geschickt zwischen den verschiedenen Einflüssen ihrer Musik und steigerten mit Stücken wie «Zdarlight» oder «Pogo» die Spannungskurve kontinuierlich.

Crystal Castles überhitzt

Durchzogen war der Auftritt von Crystal Castles am Samstag. Das für seine durchgedrehten Shows bekannte Duo aus Toronto ist live verstärkt durch einen Schlagzeuger. Während Ethan Kath, der Lenker und Denker, hinter den Maschinen mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze den fiebrigen und von Atari-Sounds durchzogenen Electro-Synth-Pop orchestrierte, versuchte Sängerin Alice Glass, die Temperatur des Publikums in die Höhe zu treiben. Songs wie «Baptism» oder «Untrust Us» gelangen ganz gut, doch vieles verpuffte im roten Bereich, in dem die Gruppe mehrheitlich drehte und dabei wie ein überhitzter Gameboy klang. Allerdings hätte man sich die Band zu später Stunde auf der Sternenbühne gewünscht und nicht am Nachmittag bei Sonne auf der Sitterbühne, für deren Grösse der Wirkungsgrad der Musik von Crystal Castles schlichtweg zu klein ist.

Tolle Briten und Isländer

Zu Höhepunkten wurden schliesslich die zwei Nachtkonzerte am Samstag auf der Sternenbühne. Erst bespielten Friendly Fires das Zelt mit ihrer feurigen Mischung aus Indie Rock und Dance mit 80ies-Pop-Appeal, den sie mit Bläsern zusätzlich unterstrichen. Der Anziehungskraft der oft sehr perkussiven Songs der Briten – teils auf zwei Drumsets gespielt – konnte man sich kaum entziehen, etwa dem phantastischen «Kiss Of Life».

Zum Abschluss des dritten Tages begeisterten FM Belfast mit ihrem farbenfrohen und tanzbaren Electro-Pop und einer schier grenzenlosen Verspieltheit. Kaum eine Band strahlte bei ihrem Konzert eine solche Freude aus wie die Isländer. Sie zogen grossflächige Klangleinwände auf, die sie mit treibenden Basslinien, catchy Melodien und einer grossen Portion Spielwitz in dicken Schichten beschmierten. David Gadze

www.tagblatt.ch/festivals

Aktuelle Nachrichten