EISBAHNEN: Wir führen Sie auf Glatteis: Alle temporären Eisfelder im Überblick

Auf immer mehr Ostschweizer Plätzen werden im Winter Eisbahnen aufgestellt. Nicht nur Sportler freuen sich darüber.

Kaspar Enz
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Bild: jor

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Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier: www.tagblatt.ch/epaper

Proppenvoll war das Eisfeld noch nicht am ersten Abend, sagt Jürg Rissi. «Aber wir haben den Ball auch bewusst flach gehalten.» Die Nachfrage, ist er überzeugt, sei da. Letzte Woche wurde die Eisbahn, die der «Stosswirt» auf dem Platz vor seinem Altstätter Restaurant aufgebaut hat, eröffnet. «Ich habe das schon an andern Orten gesehen und fand es eine tolle Sache.» Das nächste Eisfeld, in Widnau, ist zwar nicht all zu weit entfernt, «doch das sind zwei Paar Schuhe». Dort ständen der Sport, die Sportvereine im Vordergrund, bei ihm gehe es um den Treffpunkt. «Was temporär ist, ist spannender», ist er überzeugt. Nun hofft er, dass es auch finanziell aufgeht. «Das ist für Vereine vielleicht einfacher als für mich als kommerzieller Veranstalter.»

Schlittschüelen auf dem Dorfplatz

Temporäre Eisbahnen zieren im Winter immer mehr Dorfplätze und Gassen in der Ostschweiz. In Amriswil, in Rorschach oder Buchs gibt es sie schon länger. Gleich mehrere werden dieses Jahr zum ersten Mal aufgestellt: In Heiden initiierte das Restaurant Fernsicht ein Eisfeld. Ein Feld zum Schlittschüelen ist eine der Attraktionen des «grössten Adventskalenders der Welt» in Mosnang und am Bichwiler Weihnachtsmarkt. Und ab kommendem Wochenende lädt in St. Gallenkappel am Ricken ein Eisfeld zum Eislaufen ein.



Von der Idee zur Umsetzung dauerte es dort über ein Jahr. Die Idee stammt vom Eisfeld in Lachen am Südufer des Zürichsees, sagt OK-Präsident Patrick Gübeli. Initiantin Claudia Lämmler war oft dort. «Das wäre auch was für uns, dachten wir.» Der erste Schritt des noch kleinen Gründungsteams war der Gang zur Gemeinde. «Wir bekamen gutes Feedback», sagt Gübeli. Und bald auch finanzielle Unterstützung. Diese sprachen Gemeinde und Schulgemeinde nicht zuletzt, weil die Schulen – wie andernorts auch – das Eisfeld am Vormittag benutzen können. Dann gingen die Organisatoren auf weitere Vereine im Dorf zu. Bei Aufbau und Betrieb helfen nun Leute aus allen Vereinen, sagt Gübeli. Trotz der Zusicherung der Gemeinde: «Die Finanzierung war die höchste Hürde.» Aber nicht nur die Vereine hätten sich überzeugen lassen, auch das Gewerbe stehe dahinter. «Es geht darum, auch im Winter etwas zu bieten für die Öffentlichkeit.» Und eine Attraktion wie ein Eisfeld bringt Leute ins Dorf. Eine Chance für alle lokalen Restaurants und Geschäfte. «Diese Leute wären sonst nicht unterwegs.»
Bereits zum fünften Mal wird zurzeit auf dem Amriswiler Marktplatz ein Eisplatz aufgebaut. Zwei sogar. Damit Eisstockschiessen und Schlittschuhlaufen nebeneinander Platz haben, sagt OK-Präsident Karl Spiess. Was für den Erfolg spricht. Der nahm 2009 seinen Anfang, als ein Flyer das Interesse einiger Gemeindemitarbeiter weckte: Ein Unternehmen warb für seine temporären Eisfelder. «Der Stadtrat hat das diskutiert, viele waren erst skeptisch. Aber man sagte: Wenn ihr die Sponsoren zusammenbekommt, machen wir’s.» Gewerbe und Industrie seien schnell überzeugt gewesen. Seither findet es alle zwei Jahre statt. «Amriswil on Ice» habe sich zum Volksfest für die ganze Region entwickelt, sagt Spiess. Es ziehe Kinder und Grosseltern genauso an wie Firmen. Um den Sport gehe es dabei längst nicht allen. «Wir schätzen, dass etwa ein Drittel der Besucher auf dem Eis ist, vor allem die Kinder», sagt Spiess. Für die Erwachsenen seien Glühwein und Fondue mindestens so interessant.