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EINWEIHUNG: Israelische Stadt ehrt Grüninger

Bundesrat Johann Schneider-Ammann hat am Montag in der Stadt Rishon Lezion bei Tel Aviv eine Strasse zu Ehren des St. Galler Polizeikommandanten und Flüchtlingsretters eingeweiht.
Dominic Wirth, Tel Aviv
Das am Montag feierlich enthüllte Strassenschild für den St. Galler Flüchtlingsretter in Rishon Lezion. (Bild: Anthony Anex/Keystone)

Das am Montag feierlich enthüllte Strassenschild für den St. Galler Flüchtlingsretter in Rishon Lezion. (Bild: Anthony Anex/Keystone)

Dominic Wirth, Tel Aviv

dominic.wirth

@tagblatt.ch

Hunderten Juden hat Paul Grüninger (1891–1972) einst das Leben gerettet, weil er sie 1938 und 1939 über die Rheintaler Grenze liess, obwohl die Schweiz das eigentlich nicht wollte. Seit gestern ist in Israel eine Strasse nach dem Mann benannt, der 1939 als St. Galler Polizeikommandant entlassen wurde. Im Beisein von Johann Schneider-Ammann wurde die Paul-Grüninger-Strasse in Rishon Lezion, mit 250000 Einwohnern die viertgrösste Stadt Israels, eingeweiht. Der Bundesrat befindet sich derzeit auf einer Innovationsreise in Israel und Palästina und machte am Montagmorgen in Rishon Lezion Halt, um dem Anlass beizuwohnen.

Strasse wird wegen Spitalbau an Bedeutung gewinnen

Heute gibt es an der Strasse, die künftig den Namen von Paul Grüninger trägt, noch nicht viel zu sehen: Brachland auf der einen, Industriegebäude auf der anderen Seite. In den kommenden Jahren aber soll die Stadt um 100000 Einwohner wachsen, und mit ihr wird auch die Paul-Grüninger-Strasse an Bedeutung gewinnen. Das grösste Spital der Stadt nahe der Metropole Tel Aviv soll dort entstehen. Zudem sind laut Bürgermeister Dov Zur Bürokomplexe geplant. Dort sollen dereinst etwa Hightech-Firmen einziehen, die in Israel, das wegen seiner Start-up-Szene als Silicon Valley des Nahen Ostens gilt, seit einiger Zeit boomen.

Bundesrat Schneider-Ammann strich beim Einweihungsanlass Grüningers Mut in der «vielleicht schwärzesten Stunde unserer Geschichte» heraus. Er habe den Mut gewählt statt die Apathie. «Jene, die sich im Angesicht von Unrecht trauen, nicht zu gehorchen, retten die Menschheit», sagte der Berner. «Grü-ninger hat die helfende Hand ausgestreckt und entschieden, er könne nicht untätig sein, während wenige Kilometer entfernt Menschen seine Hilfe benötigten», sagte Schneider-Ammann: «Er entschied sich gegen den Strom, gegen den Zeitgeist und gegen etablierte Regeln und Prozeduren.»

«In Zeiten des Zweifels ein scheinendes Licht»

Grüninger habe Menschlichkeit über seine Karriere gestellt und mutig gezeigt, dass ethische Werte wichtiger seien als seine Pflicht als Polizeikommandant. Sein Beispiel bleibe eine Quelle riesiger Inspiration heutzutage, da die Welt unaufhörlich Unterdrückung, Krieg, Grausamkeiten und Verletzungen der Menschenrechte erlebe, sagte der Bundesrat. Mit ähnlichen Worten würdigte der Bürgermeister von Ri-shon Lezion, Dov Zur, das Wirken Grüningers. Doy Zur sagte, es sei wichtig, sich an den «Mut und die Tapferkeit» Grüningers zu erinnern – gerade in Zeiten, in denen Antisemitismus und rechte Parteien auf dem Vormarsch seien: «In diesen Zeiten des Zweifels ist Paul Grüninger ein scheinendes Licht.»

An der Einweihung zugegen war auch Jacques Picard, Professor für moderne jüdische Geschichte und Kulturen in Basel und Mitglied des Stiftungsrats der in St. Gallen domilizierten Paul-Grüninger-Stiftung. Zum Ende der Zeremonie enthüllten die Ehrengäste das Strassenschild, das künftig in Rishon Lezion an Paul Grüningers Wirken erinnern wird.

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