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EINSPRACHE: Imam darf vorerst nicht Wiler werden

Dem Wiler Imam Bekim Alimi wird vorgeworfen, Kontakte zu radikalen Kreisen zu haben. Die Anschuldigungen sind nicht neu. Nun muss sich das Wiler Stadtparlament mit seiner Einbürgerung befassen.
Regula Weik, Maria Kobler-Wyer
Bekim Alimi lebt seit 1998 in Wil. (Bild: Hanspeter Schiess)

Bekim Alimi lebt seit 1998 in Wil. (Bild: Hanspeter Schiess)

Regula Weik, Maria Kobler-Wyer

ostschweiz@tagblatt.ch

Mitte 2015 stellte Bekim Alimi für sich, seine Frau und die beiden Kinder in Wil ein Einbürgerungsgesuch. Der 45-Jährige lebt seit 1998 in der Äbtestadt und ist seit 1999 Imam an der albanischen ­Moschee in Wil. Seither habe er sich ­«einen Namen gemacht als Botschafter eines gemässigten Islams», schrieb die NZZ Anfang 2017. Das sehen in Wil nicht alle so. Gegen das Einbürgerungsgesuch des gebürtigen Mazedoniers ging eine Einsprache ein.

Der Wiler Einbürgerungsrat erteilte Alimi und seiner Familie vergangenen Spätsommer das Gemeinde- und Ortsbürgerrecht – gestützt auf die Auskünfte der Kantonspolizei, des Nachrichtendienstes des Bundes und des Staats­sekretariats für Migration. Die Privatperson hielt aber an ihrer Einsprache fest, und so muss nun das Wiler Stadtparlament über Einbürgerung oder Nichteinbürgerung von Alimi entscheiden. Wann dies der Fall ist, ist noch offen. Das Präsidium des Wiler Stadtparlaments traf sich gestern Abend, um die Traktanden der nächsten Sitzungen festzulegen. ­Alimis Frau und die beiden Kinder sind inzwischen mit einem separaten Entscheid eingebürgert.

Einsprecher gibt sich zu erkennen

Die Einsprache war im Juli 2016 eingegangen. Die Person, welche die Einsprache erhoben hatte, war bislang anonym. Sie ist ­lediglich dem sechsköpfigen Wiler Einbürgerungsrat bekannt; dem Gremium gehören drei Stadträte und drei Vertreter der Ortsgemeinde an, präsidiert wird es von Stadtpräsidentin Susanne Hartmann.

Die Privatperson hatte ihre Einsprache damit begründet, dass Bekim Alimi Kontakte zu einem radikalen Prediger und einem antisemitischen Imam pflege. Zudem sei er Akteur der Muslimbrüder der Schweiz. Weiter habe Alimi im Juli 2014 in einer Moschee in Mazedonien gepredigt, die von einem als radikal geltenden Imam geführt werde. Die Einbürgerung Alimis sei deshalb nicht zu ­genehmigen, bis ausgeschlossen werden könne, dass er keine Gefahr für die innere Sicherheit der Schweiz darstelle. Dies sei deshalb wichtig, weil Alimi als Imam eine Vorbildfunktion ausübe. Gestern Nachmittag hat sich der Einsprecher gegenüber unserer Zeitung zu erkennen gegeben: Es ist der ehemalige Wiler SVP-Stadtparlamentarier Mario Schmitt.

Die Auskünfte des Bundes zur Person von Bekim Alimi seien ihm «zu schwammig», sagt Schmitt. Wenn es aus Bern heisse, «zurzeit gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass Bekim Alimi eine Gefährdung für die innere oder äussere Sicherheit der Schweiz darstellt», so genüge ihm das nicht. «Was heisst schon ‹zurzeit›?» Nach seinen Beweggründen gefragt, sagt Schmitt: «Es gibt keine ­neuen.» Seine Überlegungen, die zur Einsprache geführt hätten, gälten heute immer noch. Einen Hinweis platziert Schmitt dann doch noch: Der Einbürgerungsrat habe seine Einsprache gutgeheissen – «formell»; eine Einsprache müsse begründet sein und sie dürfe nicht rassistisch abgefasst sein. Schmitt macht diesen Hinweis ganz bewusst. Er gilt als islamkritisch, auf Facebook finden sich auch islamfeindliche Äusserungen. Das St. Galler Kantonsgericht hat ihn vor knapp einem Jahr wegen Rassendiskriminierung schuldig gesprochen.

Gleiche Vorwürfe bei Gotthard-Eröffnung

Alimi ist Präsident des Dachverbands ­islamischer Gemeinden der Ostschweiz und Liechtensteins. Und er vertrat die Schweizer Muslime bei der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels im Juni 2016. Im Vorfeld war Kritik an ihm laut geworden. Der Tessiner FDP-Grossrat Fabio Schnellmann warf Alimi in der «Schweiz am Wochenende» vor, er halte Kontakt zu zwielichtigen Personen aus radikalen salafistischen Kreisen. So tauche er in einem Video neben dem umstrittenen kosovarischen Imam Shefqet Krasniqi auf. Schnellmann sagte auch, Alimi stehe zudem in Kontakt zum Islamischen Zentralrat Schweiz. Er war auf einem Foto neben dessen Präsident Nicholas Blancho zu sehen.

Alimi wehrte sich gegen die Anschuldigungen. Die Bilder, auf denen er mit Krasniqi zu sehen sei, seien vor Jahren bei einem Anlass im Kosovo entstanden, an dem mehrere Imame anwesend gewesen seien. «Ich bin ihm begegnet, das stimmt. Das heisst aber nicht, dass ich radikal bin», sagte Alimi der «Schweiz am Wochenende» damals. Und er führte weiter aus: Bei seiner Begegnung mit Krasniqi sei dieser noch nicht wegen Verdachts auf radikalen Salafismus unter staatlicher Beobachtung gestanden. Die Aufnahme mit Blancho sei am selben Anlass 2011 entstanden. Nur weil er auf dem gleichen Bild sei, habe er nicht dieselbe Meinung. Er habe keinen Kontakt zu ihm.

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