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EINSCHÄTZUNG: Wer brilliert und wer zulegen muss

Was macht Fredy Fässler richtig? Welche Ambitionen hat Benedikt Würth? Wo hat Martin Klöti gepunktet? Eine Einschätzung der St.Galler Regierung zum Jahresanfang. Von Regula Weik, Christoph Zweili, Katharina Brenner und Andri Rostetter.
Fredy Fässler, SP, Sicherheits- und Justizdepartement (Bild: Regina Kühne)

Fredy Fässler, SP, Sicherheits- und Justizdepartement (Bild: Regina Kühne)

Fredy Fässler (SP): Die Cyberkriminalität wird ihn beschäftigen

Die Aufgabe

Sein neues grosses Thema: Cyberkriminalität. Nach Bund und Armee will jetzt auch der Kanton St.Gallen die virtuellen Schutzschilde hochfahren. Für den Juristen ein komplett neues Feld. Und ein enorm schwieriges: Nicht nur der Kanton hat hier einiges verschlafen, auch der Bund ist nicht auf dem neuesten Stand. Fässler wird hier kaum alles aufholen können.

Die Bedeutung
Ein Aufmarsch Rechtsextremer, ein Ansturm Asylsuchender: Sein Justiz- und Sicherheitsdepartement ist undankbar. SP-Mann Fredy Fässler macht bei allem eine gute Figur. Im Asyldossier ist es mittlerweile ruhig geworden. Mit der Prävention gegen Cyberkriminalität wird der 58-jährige Regierungspräsident allerdings im Präsidialjahr nicht glänzen können.

Fredy Fässler, SP, Sicherheits- und Justizdepartement (Bild: Regina Kühne)

Fredy Fässler, SP, Sicherheits- und Justizdepartement (Bild: Regina Kühne)

Das Auftreten
Die Rolle des giftigen Fraktionschefs hat er schon vor Jahren abgelegt, als Magistrat wirkt er eher väterlich. Scharf werden kann er aber immer noch – vor allem wenn er sich an die Wand gedrängt sieht. Das war zuletzt nach dem Neonazi-Konzert 2016 in Unterwasser der Fall, als er arg in der Kritik stand. Dann setzt Fässler auf seine Lieblingswaffe: Dialog, Dialog, Dialog.

Die Perspektive
Fässler hat das Talent, gleichzeitig engagiert und unambitioniert zu wirken: Er ist immer voll bei der Sache, aber ohne erkennbaren Ehrgeiz, was eigene Karrierepläne angeht. Das muss nicht heissen, dass er keine hat. Mit Jahrgang 1959 muss er allerdings gar nicht mehr viel mehr wollen. Für ein Amt in Bern ist es wohl ohnehin zu spät. Fässler scheint das nicht ernsthaft zu betrüben.

Bruno Damann (CVP): Er hat seinen Platz gefunden

Bruno Damann, CVP, Volkswirtschaftsdepartement (Bild: Urs Bucher)

Bruno Damann, CVP, Volkswirtschaftsdepartement (Bild: Urs Bucher)


Die Aufgabe
Die Biodiversitätsstrategie aus Bruno Damanns Volkswirtschaftsdepartement hat die Regierung im Dezember verabschiedet. Sie soll bis 2025 umgesetzt werden. Das Kantonsparlament hat einen Kredit bewilligt, unter anderem zur Erfassung des Zustands der Moore von nationaler und regionaler Bedeutung. Herausgefordert ist vor allem auch die Landwirtschaft.


Die Bedeutung
Seine Vorgänger haben den Kontakt zu den Medien gesucht, der 60-jährige CVP-Magistrat tut es nicht. Seit bald zwei Jahren gewählt, gewinnt der Volkswirtschaftschef an Sicherheit – eine Möglichkeit für den stillen Schaffer, Profil zuzulegen ist der Bergbahnenstreit im Toggenburg. Wie der ausgeht, steht allerdings in den Sternen.

Das Auftreten
Er ist weder laut, noch schräg, noch bunt. Diese Attribute sind ihm fremd. Damann drängt sich nicht in den Vordergrund. Personenkult ist nicht seine Sache. Er ist wohltuend zurückhaltend für einen Politiker. Doch wehe, wer ihm deswegen Durchsetzungsvermögen abspricht – seine Haltung im Toggenburger Bergbahnenstreit spricht eine andere, deutliche Sprache.

Die Perspektive
Der Wechsel vom Arztberuf zum Politiker auf Regierungsebene fiel ihm schwer – so wirkte es von aussen. Mittlerweile hat er seine Position gefunden. Ambitionen auf höhere Weihen hat er wohl kaum. Ihm behagt es auf der Regierungsbank. Und Herausforderungen gibt es im Volkswirtschaftsdepartement, ein Gemischtwarenladen, zuhauf.

Heidi Hanselmann (SP): Sie hat Pläne mit der Digitalisierung

Heidi Hanselmann, SP, Gesundheitsdepartement (Bild: Urs Bucher)

Heidi Hanselmann, SP, Gesundheitsdepartement (Bild: Urs Bucher)

Die Aufgabe
Der Medical Master und die Gesundheitsförderung bleiben auch dieses Jahr Heidi Hanselmanns grosse Themen. Sie will mit gutem Beispiel vorangehen und das Gesundheitsdepartement in einen «friendly work space» verwandeln. Vier Unternehmen in der Ostschweiz tragen das Label bisher. Zudem setzt Hanselmann bei Medikamentenplänen auf die Digitalisierung.

Die Bedeutung
In den vergangenen Jahren provozierte Heidi Hanselmann immer wieder Schlagzeilen: Mit den Wirren um die Lohnnachzahlung an einen pensionierten Kadermann und wegen des Krachs um die Neubesetzung des Spitalpräsidiums. Seither ist es ruhig geworden um die SP-Frau. Prävention ist ihr zwar eine Herzensangelegenheit, bringt aber kaum öffentliche Aufmerksamkeit.

Das Auftreten
Die Gesundheitschefin hat für jedes ihrer Themen eine passende Studie parat. Sie kennt die Zahlen und Zusammenhänge, arbeitet hart, kommt bestens vorbereitet zu Gesprächen, beantwortet E-Mails auch noch nachts. Die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger liegt ihr am Herzen. So sehr, dass ihre Ausführungen zu guter Ernährung, Bewegung und Prävention häufig etwas länger dauern.

Die Perspektive
Ihre Leidenschaft für die Berge ist bekannt: Heidi Hanselmann will hoch hinaus – in ihrer Freizeit. Und in der Politik? Immer wieder wird sie als Kandidatin für Bern gehandelt, als mögliche Nachfolgerin von Paul Rechsteiner. Ob sie bei dieser Herausforderung gleich erfolgreich wäre wie auf ihren Bergtouren, darf bezweifelt werden.

Martin Klöti (FDP): Als nächstes folgt der Rücktritt

Martin Klöti, FDP, Departement des Innern (Bild: Regina Kühne)

Martin Klöti, FDP, Departement des Innern (Bild: Regina Kühne)


Die Aufgabe
Konkursämter, Kulturförderung, Denkmalpflege, Integrationsstelle: Klötis Departement ist ein ziemlich bunter Laden. Genau das Richtige für einen Mann, der gern auf vielen Hochzeiten tanzt. Schwerpunkte setzt der Freisinnige dennoch, mit Vorliebe auch ausserhalb der Pfalz: als Präsident der Aids-Hilfe Schweiz und seit Mai auch als Vorsitzender der Sozialdirektorenkonferenz.

Die Bedeutung
Er bezeichnet sich gerne als Gesellschaftsminister – Klöti, der Allumfassende sozusagen. Politisch ist er dennoch eher ein Leichtgewicht geblieben. Die anfängliche Euphorie über seinen Einzug in die Regierung ist längst verflogen – auch bei der eigenen Partei. Mit dem Klanghaus hätte er sich zumindest im Toggenburg ein Denkmal setzen können. Geklappt hat es bislang nicht.

Das Auftreten
Er trägt nun Bart. Er mochte die Komplimente zu seiner Jugendlichkeit nicht mehr hören. Oder war es Eitelkeit? Wie auch immer: Vergangenes Jahr zeigte er, dass er nicht nur dann im Element ist, wenn es gut läuft: Als der Rorschacher Stadtpräsident Thomas Müller über «gesunden Rassismus» schwadronierte, war Klöti einer der wenigen, die Müller in den Senkel stellten.

Die Perspektive
Sein nächster Schritt ist sein Rücktritt. Ende Legislatur ist Schluss. Klöti macht daraus kein Geheimnis – eine ehrliche Haltung, die gleichzeitig die Gefahr birgt, zur «Lame Duck» (lahmen Ente) zu werden. Ansätze dafür sind beim Gesellschaftsminister zu beobachten, nicht immer gelingt es ihm, diese zu kaschieren.

Stefan Kölliker (SVP): Der Erfolg ist ihm zu Kopf gestiegen

Stefan Kölliker, SVP, Bildungsdepartement (Bild: Regina Kühne)

Stefan Kölliker, SVP, Bildungsdepartement (Bild: Regina Kühne)


Die Aufgabe
Stefan Kölliker gräbt sich immer tiefer in die Thematik seines Departements. Er will künftig nicht nur über Fachhochschulstrukturen, Frühförderung und Klassengrössen reden, sondern auch über Erziehung im Elternhaus. Zum Beispiel über Kinder, die bei der Einschulung nicht trocken oder gar nicht sozialisiert sind. Kölliker will nun die Eltern in die Pflicht nehmen. Ein politisches Minenfeld.

Die Bedeutung
Harmos, Medical Master, IT-Bildungsoffensive. Der Bildungschef hatte zuerst einen Lauf. Dann ist ihm der Erfolg in den Kopf gestiegen. Das verweigerte Fachhochschulpräsidium und die vor allem auch im Thurgau laut gewordene Kritik an einer zentralisierten Ostschweizer Fachhochschule haben ihn gebremst. Jetzt stellt er sich vor die Lehrerschaft – er hat die Basis wiederentdeckt.

Das Auftreten
Es gäbe wohl schlagzeilenträchtigere Schulthemen, doch Berichte aus der Praxis haben den Bildungschef aufhorchen lassen. Souverän bringt der SVP-Politiker das Thema auf den Punkt: Wie er die Eltern genau in die Pflicht nehmen will, weiss er selber noch nicht. Als dreifacher Familienvater weiss er aber, dass das Thema spätestens bei der Einschulung auf dem Tisch liegt.

Die Perspektive
Kölliker hat wie Mächler Jahrgang 1970, ist aber ein paar Monate jünger – und damit jüngstes Regierungsmitglied. Im Mai feiert er sein Zehnjähriges – nur Hanselmann ist länger dabei. Gerüchteweise will ihn die SVP für einen Posten in Bern in Position bringen. Kölliker als Stände- oder Bundesrat? Der ehrgeizige Bronschhofer wäre wohl nicht abgeneigt. An Format müsste er noch etwas zulegen.

Marc Mächler (FDP): Er hat einen Knochenjob

Marc Mächler, FDP, Baudepartement (Bild: Regina Kühne)

Marc Mächler, FDP, Baudepartement (Bild: Regina Kühne)


Die Aufgabe
Agglomerationsprogramme, Gesamtverkehrskonzepte, funktionale Räume: Als Chef des Baudepartements hat es Marc Mächler gerade mit ziemlich abstrakten, schwer vermittelbaren Themen zu tun. Resultate werden häufig erst nach Jahren oder gar Jahrzehnten sichtbar, die Abhängigkeit vom Goodwill des Bundes und den Launen der Gemeinden ist gross. Ein Knochenjob.

Die Bedeutung
Der ehemalige FDP-Parteipräsident will als Bauchef etwas bewirken. Doch grosse Auftritte hatte Mächler, der als umgänglich und guter Kommunikator gilt, bisher nicht. Die eingeleitete Gesamtverkehrsstrategie ist ein erster Ansatz. Und wenn er weiterhin so engagiert die innere Entwicklung in den Gemeinden propagiert, wird er bald den «Master in Verdichtung» erhalten.

Das Auftreten
Der UBS-Banker hat sich im Freisinn hochgearbeitet. Das lässt sich fürs Regierungsgremium noch nicht sagen: Mächler muss noch an Profil zulegen. Der Nachteil: Im Baudepartement, nicht seine erste Wahl, sind auf den ersten Blick kaum mehr Lorbeeren zu verdienen – die grossen Geschäfte wurden vom Vorgänger aufgegleist. Wil-West wäre eine Chance, um aufzufallen.

Die Perspektive
Was die Karriereplanung angeht, kann es Mächler gemächlich nehmen. Er ist erst seit anderthalb Jahren dabei und nach wie vor Amtsjüngster. Wenn er keine groben Fehler macht und die Lust am Job nicht verliert, kann er locker noch zehn Jahre anhängen. Dann wäre er 57 und immer noch jung genug für eine Spätherbst-Karriere – zum Beispiel in Bundesbern.

Benedikt Würth (CVP): Er handelt mit Kalkül

Benedikt Würth, CVP, Finanzdepartement (Bild: Regina Kühne)

Benedikt Würth, CVP, Finanzdepartement (Bild: Regina Kühne)


Die Aufgabe
Ein paar Jahre musste er im ungeliebten Volkswirtschaftsdepartement ausharren und ein paar Tiefschläge einstecken, ehe ihn die Gunst der Stunde ins Finanzdepartement spülte. Da fühlt er sich sichtlich wohler. Vor Niederlagen ist er auch dort nicht gefeit: Mit der neuen Steuerstrategie hat er ein Mammutprojekt angerissen. Würth hat wenig Spielraum, die Staatskasse steht vor trüben Zeiten.

Die Bedeutung
Würth denkt in grösseren Dimensionen: Der Wechsel vom Volkswirtschafts- ins Finanzdepartement geschah mit Kalkül. Der CVP-Magistrat, gehandelt als Ständerats- und Bundesrats-Kandidat, hat jetzt weniger Auftritte im Kanton. Dafür fasst er national Fuss – als Präsident der Konferenz der Kantonsregierungen. Das ist ihm wohl mehr als recht.

Das Auftreten
Er ist Langzeitstratege – und damit ist er bisher gut gefahren: Würth vermeidet es als Finanzchef tunlichst, Fehler zu machen. Als Volkswirtschaftschef passierten sie ihm durchaus: Der milliardenschwere Brüttener Tunnel bringt der Ostschweiz kaum etwas. Auch die Konflikte beim öffentlichen Verkehr in Wil gehen politisch letztlich auf seine Kappe.

Die Perspektive
Keinem St.Galler Regierungsmitglied werden derart hartnäckig Ambitionen auf ein Amt in Bundesbern nachgesagt wie dem 49-Jährigen. Würth tut das, was ein Politiker in solchen Situationen tun muss: Er lässt die Gerüchte unkommentiert. Fest steht: Die St.Galler CVP will 2019 ihren Ständeratssitz von der SP zurückholen. Und Würth hat in der Partei derzeit die besten Karten.

Die St.Galler Regierung, aufgenommen im Grossen Rat: (v.l.) Heidi Hanselmann, Stefan Kölliker, Benedikt Würth, Martin Klöti, Fredy Fässler, Bruno Damann und Marc Mächler. (Bild: Regina Kühne)

Die St.Galler Regierung, aufgenommen im Grossen Rat: (v.l.) Heidi Hanselmann, Stefan Kölliker, Benedikt Würth, Martin Klöti, Fredy Fässler, Bruno Damann und Marc Mächler. (Bild: Regina Kühne)

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