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EINKOMMEN: In der Region bleibt mehr vom Lohn

In der Ostschweiz werden die zweittiefsten Löhne des Landes gezahlt. Dass das nicht so tragisch ist, zeigt eine Untersuchung der Industrie- und Handelskammer St. Gallen Appenzell: Die tiefen Lebenshaltungskosten gleichen den Rückstand aus.
Tobias Hänni
Die tiefen Lenbenshaltungskosten gleichen den Rückstand bei den Löhnen aus.

Die tiefen Lenbenshaltungskosten gleichen den Rückstand bei den Löhnen aus.

Tobias Hänni

tobias.haenni@ostschweiz-am-sonntag.ch

In der Ostschweiz wohnen, in Zürich arbeiten: Für viele Arbeitnehmer in der Region gehört das Pendeln zum Alltag. Finanziell lohnt sich das. Die Löhne in Zürich sind um einiges höher, gleichzeitig sind die Lebenshaltungskosten in der Ostschweiz tiefer. Doch auch Ostschweizerinnen und Ostschweizern, die in der Region arbeiten, bleibt am Ende des Monats mehr vom Einkommen als Angestellten in anderen Landesteilen der Schweiz. Das zeigt die Industrie- und Handelskammer (IHK) St. Gallen Appenzell in einer Untersuchung auf.

Darin kommt die IHK zum Schluss: Die günstigen Lebenshaltungskosten in der Ostschweiz gleichen das tiefere Lohnniveau aus. Der Durchschnittslohn in der Region (in der Studie AR, AI, SG, TG, GL, GR und SH) lag 2014 mit 6027 Franken pro Monat sechs Prozent unter dem Schweizer Schnitt von 6427 Franken (siehe Tabelle). Damit weist die Ostschweiz das zweittiefste Lohnniveau der Schweiz auf – nur im Tessin sind die Löhne noch tiefer. Gleichzeitig mussten Ostschweizer Haushalte für Wohn- und Energiekosten, Krankenkassenprämien und Steuern aber auch deutlich weniger bezahlen als der Durchschnittschweizer.

Quelle: Bundesamt für Statistik; IHK St.Gallen Appenzell.

Quelle: Bundesamt für Statistik; IHK St.Gallen Appenzell.

Bei der Haushaltsbudgeterhebung des Bundes für die Jahre 2012 bis 2014 (Kasten) lagen die Ausgaben für diese drei Fixposten in der Region rund zehn Prozent unter dem Schweizer Mittel. Das heisst in absoluten Zahlen: Der vom Bund definierte Durchschnittshaushalt zahlt in der Ostschweiz pro Monat 2926 Franken für Miete, Steuern und Krankenkasse. Das sind über 300 Franken weniger als der Schweizer Schnitt von 3255 Franken.

«Die nominalen Löhne in der Ostschweiz liegen zwar leicht unter dem Schweizer Durchschnitt. Die günstigeren Lebenshaltungskosten gleichen das aber wieder aus», sagt Frank Bodmer, Leiter der IHK-Research, des volkswirtschaftlichen Kompetenzzentrums der IHK. Dadurch hätten Haushalte in der Ostschweiz einen höheren Reallohn als solche in anderen Regionen. Besonders bei den Mieten sei die Region attraktiv. «Die Neumieten sind in wirtschaftlichen Zentren wie Basel, Genf und Zürich stark gestiegen.» Dieser Anstieg sei in der Ostschweiz dagegen deutlich moderater ausgefallen. Der Wohnungsmarkt biete hier nach wie vor ein «breites Angebot an bezahlbaren Wohnungen».

Unterbezahlte Führungskräfte?

Die IHK untersucht in ihrer Studie auch, weshalb die Löhne in der Ostschweiz überhaupt unter dem Schweizer Durchschnitt liegen. Laut Bodmer hat das nicht nur damit zu tun, dass in der Region in einer Mehrzahl der Branchen generell ein tieferes Salär gezahlt wird. «In der Ostschweiz fehlen auch die Branchen, die sehr hohe Löhne zahlen.» So gebe es in der Region keinen Rohstoffhandel wie in Genf oder Zug, keine Pharmariesen wie in Basel und kein Investmentbanking wie in Zürich, die den Durchschnittslohn nach oben treiben.

Besonders deutlich zeigt sich das tiefere Ostschweizer Lohnniveau bei den Führungskräften. Mitglieder des obersten, oberen und mittleren Kaders verdienen in der Region durchschnittlich 8313 Franken. Das sind rund 1600 Franken oder 17 Prozent weniger als das Schweizer Mittel. Deshalb aber auf allgemein zu tiefe Löhne für Führungskräfte zu schliessen und über eine mangelnde Attraktivität der Ostschweiz für Kaderleute zu klagen, ist für Bodmer nicht ganz korrekt. «In der Maschinen- und der Metallindustrie, aber auch im Fahrzeugbau liegen die Ostschweizer Kaderlöhne in etwa auf Schweizer Niveau.» Der Rückstand sei insbesondere in der Finanzbranche erheblich. «Das liegt hauptsächlich daran, dass in der Ostschweiz das Kundengeschäft eine viel grössere Bedeutung hat als das Investmentbanking.» Der Lohn im Kundengeschäft liegt deutlich tiefer als jener von Investmentbankern.

Als weiteren Grund für das tiefere Kaderlohnniveau in der Ostschweiz nennt Bodmer die Grösse der regionalen Unternehmen. «Wir haben in der Region nur wenige international tätige Grossunternehmen. Diese zahlen in der Regel insbesondere an Kadermitglieder einen höheren Lohn als die KMU.»

Google & Co. treiben Löhne nach oben

Im Schweizer Vergleich ebenfalls auffallend tief sind die Löhne in der Ostschweizer IT- und Kommunikationsbranche. Hier liegt der Lohn 13 Prozent unter dem Schweizer Durchschnitt. Hermann Arnold, Verwaltungsratspräsident der St. Galler Software-Firma Haufe Umantis und ehemaliger Präsident des Fördervereins IT St. Gallen, vermutet, dass dieses Lohngefälle insbesondere durch das Wirtschaftszentrum Zürich verursacht wird. «Die dortigen Banken sind auf viele Informatiker angewiesen und zahlen diesen auch sehr hohe Löhne.»

Ausserdem würden internationale Unternehmen wie Microsoft oder ­Google, die ihren Sitz in Zürich haben, die Löhne nach oben treiben – was sich im gesamtschweizerischen Durchschnitt niederschlage. In der Ostschweiz drücke dagegen die Nähe zur Grenze auf die Löhne. «Bei Grenzgängern aus dem Ausland sind die Lohnvorstellungen tiefer.» Für Arnold sind die Lohnvergleiche aber ohnehin nicht so wichtig. «Man darf nicht vergessen, dass die IT-Branche nach der Finanz- und Versicherungsbranche die zweithöchsten Löhne zahlt. Das gilt auch für die Region Ostschweiz.»

Hohe Löhne beim Staat

Öffentlicher Sektor In der Privatwirtschaft liegen die Ostschweizer Löhne in den allermeisten Branchen unter dem Schweizer Durchschnitt. Anders sieht es im öffentlichen Sektor aus. Wie die IHK St. Gallen Appenzell in ihrer Untersuchung aufzeigt, entspricht der durchschnittliche Lohn in der öffentlichen Verwaltung dem schweizerischen Mittel, bei Erziehung und Unterricht liegen die Löhne in der Ostschweiz sogar drei Prozent darüber. Insgesamt seien die regionalen Unterschiede in den staatlichen und staatsnahen Betrieben «sehr viel kleiner als im privaten Sektor», stellt die IHK fest. «Es ist überraschend, wie harmonisiert die Löhne im öffentlichen
Bereich sind», sagt Frank Bodmer von IHK-Research. Diese fordert, dass die vergleichsweise hohen Löhne im öffentlichen Sektor in der zurzeit hitzig geführten Debatte um die Sanierung der Pensionskasse des St. Galler Staatspersonals berücksichtigt werden. Neben überdurchschnittlichen Löhnen sollten die Steuerzahler «nicht auch noch grosszügige Regelungen bei der St. Galler Pensionskasse schultern müssen». Damit stellt sich die IHK gegen die Einmaleinlage von 200 Millionen Franken, mit welcher die Regierung das Loch bei der Pensionskasse stopfen möchte. Für Maria Huber, Gewerkschaftssekretärin des VPOD (Verband des Personals öffentlicher Dienste) Ostschweiz, haben die Löhne der Staatsangestellten mit der Diskussion um die Einmaleinlage nichts zu tun. Bei dieser handle es sich um ein Versprechen, das Regierung und Kantonsrat vor der Verselbstständigung der Kasse im Jahr 2014 abgegeben hätten. (hae)

Budget pro Haushalt

Die in der Grafik dargestellten durchschnittlichen Löhne und Lebenshaltungskosten sind nur bedingt miteinander vergleichbar. Während sich die Löhne auf Einzelpersonen beziehen, handelt es sich bei den Lebenshaltungskosten um Angaben zu Haushalten. In der Ende 2016 veröffentlichten Haushaltsbudgeterhebung rechnet das Bundesamt für Statistik mit durchschnittlich rund 2,2 Mitgliedern pro Haushalt. Darüber hinaus werden sämtliche Einkommen eines Haushaltes berücksichtigt, wozu neben den monatlich ausbezahlten Löhnen auch allfällige Renten, Vermögenserträge, Sozialleistungen oder Überweisungen von anderen Haushalten, etwa in Form von Alimenten, gehören. Das führt zu einem durchschnittlichen monatlichen Bruttoeinkommen von rund 10000 Franken pro Haushalt. Entsprechend hoch fällt bei den Lebenshaltungskosten deshalb die steuerliche Belastung aus. (hae)

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