Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Kommentar

Turbulente Politwoche: Einige Ostschweizer Leuchttürme strahlen

Viele sagen, die Ostschweiz sei profillos. Das ist nicht so. Die vergangene Politwoche hat gezeigt warum.
Jürg Ackermann
Stv. Chefredaktor Jürg Ackermann.

Stv. Chefredaktor Jürg Ackermann.

Blass, profillos, marginalisiert. Wer über die Ostschweiz redet, tut das zuweilen mit wenig schmeichelhaften ­Attributen. Fehlendes Selbst­bewusstsein oder mangelnder Wille zur Zusammenarbeit zwischen den Kantonen sind weitere Stichworte. Die Ostschweiz ist für viele eher ein Phantom als eine Region, die ins ganze Land hinausstrahlt.

Doch kaum ein Landesteil machte zuletzt derart viele Schlagzeilen. Je nach Blickwinkel nicht nur positive. So wurde das überdeutliche St.Galler Ja zum Burkaverbot am vergangenen Sonntag von Qatar über Russland bis in die USA registriert. Und dem Ergebnis kommt für die nationale Burkaabstimmung möglicherweise wegweisender Charakter zu. Im Rampenlicht steht auch die Univer­sität St.Gallen. Der Rektor der HSG war als VR-Präsident der Jungfraubahnen in einen Fall von Marktmanipulation verwickelt, von dem die Finanzmarktaufsicht sagt, es sei kein Kavaliersdelikt. Bildungsdirektor Stefan Kölliker zog Konsequenzen. Der nächste Rektor wird keinen Nebenbeschäftigungen mehr nachgehen, weil das Reputationsrisiko zu gross ist. Ein nachvollziehbarer Schritt. Wer solche Exzellenzansprüche an sich selber stellt, wird auch in der Öffentlichkeit daran gemessen. Dass die führende Wirtschaftsuni der Schweiz wegen der Negativereignisse der letzten Monate ins Mittelmass abrutscht, ist aber unwahrscheinlich. Die HSG bleibt begehrt. Das zeigen die stets steigenden Studentenzahlen.

Dass die Ostschweiz vor allem in der Politik nicht im Durchschnitt verharrt, hat die turbulente Politwoche mit zwei Bundesratsrücktritten eindrücklich bestätigt. Noch kann bis zum 5. Dezember vieles passieren, und noch kandidiert Karin Keller-Sutter nicht offiziell. Fakt ist aber: Seit der Wahl von Doris Leuthard 2006 wurde nie mehr eine Kandidatin, ein Kandidat im Vorfeld einer Bundesratswahl so durchs Band als haus­hohe Favoritin gehandelt wie jetzt die St. Galler FDP-Ständerätin. Eigentlich kann sie sich nur noch selber im Weg stehen.

Man könnte fast meinen, auch die PR-Offensive der Ostschweizer Kantone während der Olma 2016 zeige nun endlich Wirkung. Damals machten sie lautstark darauf aufmerksam, dass es nicht sein könne, dass die Mehrheit im Bundesrat aus Bern oder der Westschweiz komme. Der regionale Anspruch auf einen Bundesratssitz wird nun weitherum anerkannt.

Es müsste also fast schon mit dem Teufel zugehen, wenn die Ostschweiz nicht bald wieder in der Landesregierung vertreten wäre. Denn mit Benedikt Würth hat sie einen weiteren Trumpf in der Hand. Der St. Galler Regierungsrat und Chef der Kantonsregierungen hat sich in Bern abseits der medialen Öffentlichkeit als klassischer CVP-Brückenbauer einen Namen gemacht. Er ist der einzige ernst zu nehmende Kandidat im Rennen um die Leuthard-Nachfolge, der nicht bereits unter der Bundeshauskuppel politisiert.

Und mit dem gestern angekündigten Rücktritt des Thurgauer SVP-Ständerats Roland Eberle wird der Weg nach Bern frei für ein weiteres Ostschweizer Schwergewicht. Sollte Peter Spuhler wie erwartet bald seine Kandidatur bekanntgeben, ist er im Herbst 2019 so gut wie gewählt. SVP-Ständeratskandidaten sind im Thurgau in der Regel unantastbar, vor allem dann, wenn sie wie der Stadler-Chef von einer Aura des Erfolgs umgeben sind und schon über 13 Jahre Nationalratserfahrung verfügen. Schon lange wurde gemunkelt, Spuhler wolle auf die politische Bühne zurückkehren, nachdem er Stadler Rail wieder zu einem florierenden Unternehmen machte.

Spuhler war schon als Nationalrat ein wichtiger Vermittler innerhalb der Partei, ein Macher mit hoher Glaubwürdigkeit. Er dürfte bei seiner Rückkehr ins Bundeshaus in der als Haifischbecken bekannten SVP-Fraktion schnell wieder eine dominierende Rolle einnehmen. Spuhler zeigt, was die Ostschweiz bei aller Miesmacher-Rhetorik eben auch sein kann: erfolgreich, durchsetzungsfähig und tonangebend.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.