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EINGANGSKONTROLLEN: Fanarbeiter fordern:
Delta, Securitas & Co. müssen weg

ST.GALLEN. Das resolute Auftreten privater Sicherheitsfirmen fördert laut den Schweizer Fanarbeitern Ausschreitungen vor Fussballspielen. Auch Stimmen aus der Ostschweiz finden: Künftig soll klub- oder stadioneigenes Personal die Anhänger kontrollieren.
Daniel Walt
Zunehmend im Fokus: Private Sicherheitsunternehmen werden von Seiten der Schweizer Fanarbeiter kritisiert. (Bild: Archiv/Keystone)

Zunehmend im Fokus: Private Sicherheitsunternehmen werden von Seiten der Schweizer Fanarbeiter kritisiert. (Bild: Archiv/Keystone)

"Die Professionalität ist bei den privaten Sicherheitsdiensten nicht immer da. Und gewisse Leute, die dort arbeiten, sind Gewalt nicht abgeneigt." Das sagt Michael Blatter, Sprecher des FC St.Gallen-Fandachverbandes 1879. Er kann die Forderung des Netzwerks der Schweizer Fanarbeiter nachvollziehen. Diese wollen bei der Swiss Football League bald mit einer Idee vorstellig werden, die sie kürzlich verabschiedet haben: Künftig soll anstatt privater Sicherheitsdienste stadion- respektive klubeigenes Personal für die Eingangskontrollen verantwortlich sein.

Sicherheitsdienste im Zwielicht
Bereits seit längerem ist die Atmosphäre zwischen den Fankurven und privaten Unternehmen wie Securitas oder Delta Security angespannt. Schlagzeilen machten vor einiger Zeit beispielsweise Facebook-Einträge von Delta-Mitarbeitern. Einer hielt nach Zusammenstössen mit Fans fest: "Danke, Jungs, hat mal wieder richtig Spass gemacht!" Und ein anderer kündigte an, die Basler Fans am nächsten Wochenende gleich nochmals ins Visier zu nehmen. Auch die Securitas geriet kürzlich in die Kritik: Videobilder entlasteten einen 18-jährigen Basler Fan vom Vorwurf zweier St.Galler Sicherheitsangestellter, einen Übergriff begangen zu haben. Einer der beiden Securitas-Mitarbeiter war laut Urteil zum angeblichen Tatzeitpunkt gar nicht in der Nähe des Fans gewesen (Tagblatt Online berichtete). Zuletzt kam es am vergangenen Wochenende im Wallis zu Zusammenstössen zwischen Fans des FC St.Gallen und der Sicherheitsfirma SOS Surveillance - dabei wurden auch Vorwürfe laut, von Seiten der Sicherheitskräfte sei provoziert worden.

Gegen Auslagerung an Private
Mitbeteiligt am Antrag der Schweizer Fanarbeiter, künftig nicht mehr private Firmen bei den Eingangskontrollen einzusetzen, war Thomas Gander. Er ist Geschäftsführer von Fanarbeit Schweiz sowie Fanarbeiter des FC Basel. Gander findet es paradox, dass die Stadionbetreiber beziehungsweise Clubs eine der wichtigsten Aufgaben im Bereich Sicherheit an private Dienstleister auslagern, statt dafür direkt die Verantwortung zu übernehmen. "Bei privaten Sicherheitsfirmen ist im Lauf der Zeit ein Gruppendenken entstanden. Wird dieses durch eine Politik der Nulltoleranz und die Vorstellung verstärkt, dass die Fans das gemeinsame Feindbild sind, entsteht eine heikle Eigendynamik", hält Gander fest. Stadioneigene Mitarbeiter hingegen unterstünden direkt dem Club. Und sie sehen laut Gander die Besucher nicht schon von vornherein als Gefahrenpotenzial an. Alex Hasler, Fanarbeiter beim FC St.Gallen, doppelt nach: "Der Stil, den stadioneigene Mitarbeiter an den Tag legen würden, wäre wohl ein anderer als das teils aggressive und eskalierende Vorgehen privater Sicherheitsdienste."

Finanzielle Interessen?
Auch Michael Blatter vom Dachverband 1879 ist überzeugt: Stadioneigenes Personal hätte eine deeskalierende Wirkung. "Zum Beispiel dadurch, dass es etwa in gelben Westen auftreten würde anstatt in Monturen, wie das private Unternehmen tun", sagt Blatter. Er wirft zudem die Frage auf, ob private Dienstleister allenfalls ein wirtschaftliches Interesse daran haben, es zu Auseinandersetzungen mit Fans kommen zu lassen. "Denn ihr Einsatz macht irgendwann keinen Sinn mehr, wenn nichts passiert ", so Blatter. Thomas Gander erwähnt diesbezüglich einen internen Mailverkehr eines privaten Sicherheitsdienstes, der durch eine Dokumentation von Basler Fans aus der Muttenzerkurve publik wurde. Dort ist die Rede davon, dass der Kunde nicht das ungute Gefühl haben solle, er habe für eine ungenutzte Dienstleistung bezahlen müssen.

"Weniger Provokationen"
Stadion- oder klubeigenes Personal statt spezialisierte Sicherheitsfirmen – führt dies nicht dazu, dass die Eingangskontrollen lascher als aktuell durchgeführt würden? FCSG-Fanarbeiter Alex Hasler: "Wir Fanarbeiter sehen diese Gefahr nicht. Im Gegenteil: Der Klub erhält die Kompetenzen betreffend Eingangskontrollen zurück und ist flexibler in der Strategiewahl." Thomas Gander seinerseits hält fest, dass auch Polizei und private Dienste nicht hundertprozentig gewährleisten könnten, dass Störenfriede und Pyroartikel nicht doch in die Stadien gelangten. "Dafür hätten wir mit stadioneigenem Personal weniger gegenseitige Provokationen", sagt er. Er wie auch Alex Hasler betonen, dass es den Schweizer Fanarbeitern vor allem darum gehe, neue Wege aufzuzeigen, um die negative Eigendynamik zwischen Fans und privaten Sicherheitsdiensten zu durchbrechen. Zu den Erfolgsaussichten des Vorstosses sagt Gander: "Ich erkenne in Gesprächen mit Vereinen, dass sie das Konfliktpotenzial insbesondere im Gästebereich sehen. Welche Lösung die Vereine wählen, wage ich nicht vorherzusagen - entweder kommt es zu einer Entspannung, oder die Aufrüstung geht weiter."

FC St.Gallen winkt ab

Was sagt die FC St.Gallen Event AG zur Forderung, künftig stadioneigenes Personal bei den Eingangskontrollen einzusetzen? Mediensprecher Daniel Last verweist zunächst auf die Rechtslage: "Im Kanton St.Gallen dürfen nur bewilligte Sicherheitsfirmen solche Aufgaben ausführen. Die Mitarbeiter müssen über eine Ausbildung verfügen, ihr Leumund muss von der Kantonspolizei überprüft worden sein." Laut Last können nur dann stadioneigene Mitarbeiter eingesetzt werden, wenn die Betreibergesellschaft als Sicherheitsfirma auftritt sowie ihr Personal entsprechend schult und bewilligen lässt. "Nur bestünde letztlich kein Unterschied zur Securitas", hält Last fest. Egal wer den Stadiondienst versehe: Die Vorgaben von Liga, Polizei und Stadionordnung müssten durchgesetzt werden. Bei einer klaren Auftragserteilung wie in St.Gallen habe das Stadionmanagement zudem dieselben Weisungsberechtigungen gegenüber den privaten Sicherheitsdiensten wie den eigenen Angestellten. Die Arbeit der Securitas beurteilt die FCSG Event AG als gut. Die laut Videobildern nicht belegten Vorwürfe zweier Mitarbeiter gegenüber einem Basler Anhänger wurden laut Last mit dem Unternehmen besprochen. (dwa)


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