Eineinhalb Stunden mehr Arbeitsaufwand pro Tag: Coiffeure verlangen Hygienezuschlag für Schutzmassnahmen

Damit Coiffeursalons offen haben dürfen, müssen sie sich an Schutzmassnahmen halten. Wegen der Beschaffung des Materials sowie der Desinfizierung des Arbeitsplatzes entsteht ein Mehraufwand. Nun verlangen einige Coiffeure einen Aufpreis dafür.

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Sowohl die Kunden als auch die Angestellten müssen eine Schutzmaske tragen.

Sowohl die Kunden als auch die Angestellten müssen eine Schutzmaske tragen.

Jean-Christophe Bott/Keystone

(red/nat) Am Montag durften nebst Baumärkten und Gärtnereien auch Coiffeursalons wiedereröffnen. Damit Haare gewaschen, geschnitten und gefärbt werden dürfen, müssen sich die Betriebe an bestimmte Schutzmassnahmen halten: Mundschutz, Handschuhe und Desinfizieren des Arbeitsplatzes.

Doch der Kauf von Masken, Desinfektionsmittel und Einwegplastikschürzen führt bei den Salons zu einem Mehraufwand. Obwohl der Schweizerische Coiffeur-Verband Coiffeur Suisse keine offizielle Empfehlung abgibt, für den Mehraufwand einen Hygienezuschlag zu erheben, verlangen einige Salons zwischen einem und fünf Franken dafür, wie FM1Today berichtet.

Zehn Minuten mehr Arbeitsaufwand pro Kunde

Der Hygienezuschlag löst bei der Kundschaft teilweise Unverständnis aus. Doch Brigitte Hodel, Vizepräsidentin von Coiffeur Suisse, findet einen kleinen Aufpreis gerechtfertigt, wie sie gegenüber SRF sagt. Denn nach jedem Kunden müssen die Angestellten Arbeitsplatz, Stuhl, sowie sämtliches Werkzeug reinigen und desinfizieren. So werden pro Kunde zehn Minuten und pro Tag rund eineinhalb Stunden zusätzlich beansprucht. Brigitte Hodel, die selbst ein Coiffeur-Geschäft betreibt, verlangt einen Hygienezuschlag von drei Franken, wenn die Kunden ihre eigene Maske mitbringen nur zwei Franken.

Daniela Moro, Präsidentin der Sektion Graubünden des Verbands Schweizer Coiffeurgeschäfte, hat noch kein negatives Feedback zum Hygieneaufschlag erhalten.

«Die Leute sind froh, dass sie wieder zum Coiffeur gehen können.»

Wie die Salons die Situation handhaben sei jedoch sehr unterschiedlich.

Nur jeder zweite Platz im Salon besetzt

In der Coiffeur-Kette Hairstylist Pierre wird beispielsweise ein Hygienezuschlag von vier Franken verlangt. Somit solle sichergestellt werden, dass das Schutzkonzept umgesetzt werden kann. «Der Preis bezieht sich einerseits auf die Materialkosten, andererseits auf die Tatsache, dass nur jeder zweite Platz im Coiffeur-Salon besetzt sein darf, um die Abstandsregel einzuhalten», sagt Raffaela De Simoni Thomann, Leiterin Marketing und Kommunikation bei der Hairstylist Pierre AG, auf Anfrage von FM1Today.

Daniela Luchetti vom Coiffeur-Salon Blum in St.Gallen verzichtet hingegen auf den Hygienezuschlag. Sie gehe nämlich nicht davon aus, dass der Salon dadurch Verluste schreiben werde. Deshalb bringe sie nur wenig Verständnis für Geschäfte auf, welche einen Aufpreis erheben: Sie sagt:

«In erster Linie haben wir die Massnahmen ergriffen, um uns und unsere Kunden zu schützen. Dieser Aufpreis entspricht nicht unserer Philosophie.»

Die Kunden würden ihnen jedoch entgegenkommen und geben von sich aus Trinkgeld.

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