«Eine typische Schweizer Familie»

Die siebenmillionste Bernina-Nähmaschine lief gestern in Steckborn vom Band. Bernina-Chef Hanspeter Ueltschi wollte sie nicht ins firmeneigene Museum stellen – und suchte nach einer besonderen Abnehmerin.

Gudrun Enders
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Claire Schindler und Bernina-Inhaber Hanspeter Ueltschi. (Bild: Nana do Carmo)

Claire Schindler und Bernina-Inhaber Hanspeter Ueltschi. (Bild: Nana do Carmo)

STECKBORN. Es gab eine Nähmaschine und 800 mögliche Gewinner. Bernina hatte in den Medien aufgerufen, Vorschläge einzuschicken, wem sie ihre Jubiläumsnähmaschine schenken könnte. Denn Hanspeter Ueltschi, Inhaber der Nähmaschinenfabrik in vierter Generation, wollte diese Jubiläumsmaschine nicht mehr ins firmeneigene Museum stellen. Dort stehen auch die anderen Jubiläumsmaschinen. «Es bringt nichts, wenn sie dort verstauben», sagt Ueltschi und entschied, dass die siebenmillionste ein neues Schicksal ereilen soll.

Migrantinnen, Kuschelröhren

Nach dem Aufruf der Bernina hagelte es regelrecht Nominierungen – von ehrenamtlich geleiteten Nähtreffs für Frauen mit Migrationshintergrund, über jungen Designerinnen mit wenig Startkapital bis zu einem Kaninchenschutzverein, bei dem Kuschelröhren genäht werden. «Ihr habt uns die Wahl schwergemacht», schreibt Bernina-Mediensprecher Matthias Fluri in seinem Blog. Vorschläge kamen sogar aus Schweden oder Peru, eine Strassenschneiderin aus Kinshasa hätte die Jubiläumsmaschine ebenfalls gut gebrauchen können. Doch Bernina-Inhaber Hanspeter Ueltschi entschied sich für Claire Schindler. «Es handelt sich um eine typische Schweizer Familie», sagte Ueltschi gestern. In den letzten drei Jahren hat Claire Schindler ehrenamtlich 500 Herzkissen genäht, sogar das Stopfmaterial hat sie aus eigener Tasche bezahlt. Bei der Aktion «Herzkissen – Kissen mit Herz» werden die Kissen an Brustkrebspatientinnen abgegeben. Das Kissen wird unter die Achseln geklemmt, was die Lymphgefässe entlastet und Schmerzen lindert.

Von der Tochter vorgeschlagen

Tochter Susanne Hanser hatte ihre Mutter für die Jubiläumsaktion vorgeschlagen und reiste gestern mit nach Steckborn. Lange sass Claire Schindler an einer alten Bernina-Industriemaschine, die schon 20 Jahre auf dem Buckel hatte. In Zukunft werden die Kissen an der Jubiläums-Bernina entstehen.

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